Angeklagter im Mordprozess Anneli wird ins Gericht geführt
Ein Angeklagter wird in den Gerichtssaal geführt. Bildrechte: MDR/xcitePRESS

Prozess im Mordfall Anneli Entführung laut Anklage lange geplant

Knapp zehn Monate nach dem gewaltsamen Tod der 17-jährigen Anneli aus Klipphausen bei Meißen hat am Montag der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter begonnen. Einem 40 Jahre alten Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft, vor Anneli entführt und ermordet zu haben. Ein 62-Jähriger steht wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge vor Gericht.

Angeklagter im Mordprozess Anneli wird ins Gericht geführt
Ein Angeklagter wird in den Gerichtssaal geführt. Bildrechte: MDR/xcitePRESS

Zum Auftakt der Verhandlung am Landgericht Dresden hat der 62-Jährige eine teilweise Tatbeteiligung gestanden. Sein Verteidiger Andrej Klein sagte, sein Mandant Norbert K. räume ein, durch das Fahren des Tatfahrzeugs Beihilfe zum erpresserischen Menschenraub geleistet zu haben. Er wies den Vorwurf der Anklage aber zurück, dass der 62-Jährige in die Pläne zur Tötung Annelis eingeweiht gewesen sei. Der zweite Angeklagte, der 40-jährige Markus B., machte am Montag in Dresden zunächst keine Aussage.

Staatsanwaltschaft: Angeklagter wollte seine Finanzen mit Erpressung aufbessern

Den Ausführungen von Oberstaatsanwältin Karin Dietze zufolge hat der 40-Jährige die Tat lange geplant und die Familie des Opfers wochenlang auskundschaftet. Der gelernte Koch habe seine finanzielle Situation mit Erpressung aufbessern wollen. Er habe sich Kabelbinder zum Fesseln besorgt und gewusst, wo Anneli allabendlich mit dem Hund Gassi ging. Seinen verschuldeten Bekannten Norbert K. habe er mit Aussicht auf einen Teil des erhofften Lösegeldes angeheuert. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ist Markus B. am 13. August auf dem Feldweg in der Nähe ihres Elternhauses auf die Jugendliche zugesprungen. Als ein Betäubungsversuch scheiterte, "zerrte er das Mädchen in den Kofferraum und fesselte ihr Hände und Füße", sagte Dietze. Das Mädchen wehrte sich, doch der Mann habe es auf dem Rücksitz festgehalten.

Nachdem der Hauptangeklagte Annelis Vater mit ihrem Handy angerufen und seine Forderung mit Drohungen unterlegt habe, seien die Männer mit der Schülerin erst zu einer Talsperre gefahren. Dort sollen sie Annelis Handy ins Wasser geworfen haben. Für den 40-Jährigen habe festgestanden, "dass Anneli im Falle des Überlebens die Täter wiedererkennen würde". Er habe deshalb den Entschluss gefasst, das Mädchen zu töten.

Nur wenige Stunden später, im Schuppen eines Hofs, wurde das an einen Stuhl gefesselte Opfer getötet. Nach fünf Tagen Suche waren die Leiche des Mädchens gefunden und die Tatverdächtigen verhaftet worden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wurde Anneli Opfer eines sogenannten Verdeckungsmordes.

Annelis Vater fordert Angeklagte zum Reden auf

Die Eltern und die ältere Schwester von Anneli kamen am Montag als Nebenkläger ins Gericht. Annelies Vater flehte die Angeklagten an, zur Aufklärung der Tat beizutragen. Erfüllt wurden seine Hoffnungen an diesem ersten Prozesstag nicht. Rechtsanwalt Kay Estel zufolge will sich die Nebenklage dafür einsetzen, dass gegen beide Angeklagte eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt wird.

Ich bin völlig uneingeschränkt bereit, mich für die Familie einzusetzen und das Ziel der Verurteilung der Täter mitzuverfolgen und in gewisser Weise dadurch der Familie eine kleine Genugtuung zu verschaffen.

Kay Estel Rechtsanwalt der Nebenklage

15 Verhandlungstage, 21 Zeugen

Vor der Schwurgerichtskammer sind insgesamt Verhandlungstage angesetzt, 21 Zeugen sollen befragt werden. Das Urteil könnte Ende August fallen. Der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, Lorenz Haase, spricht von einem besonderen Fall, weil "einer der Angeklagten sich zu der Sache eingelassen hat und der andere nicht". Darum habe man alle Register ziehen müssen, um die Vorwürfe - erpresserischer Menschraub und Mord - hieb- und stichfest zu beweisen.

Chronologie Der Fall Anneli

Am 13. August 2015 verschwindet die 17-jährige Anneli beim Spaziergang mit ihrem Hund nahe der Ortschaft Luga bei Meißen spurlos. Tagelang sucht die Polizei nach dem Mädchen. Dann wird Anneli tot gefunden.

Bäume stehen an einem Feldweg
Donnerstag, 13. August 2015 Die 17-jährige Anneli verlässt am 13. August 2015 gegen 19:20 Uhr ihr Elternhaus in einem Dorf bei Meißen, um mit ihrem Hund Gassi zu gehen. Gegen 20 Uhr erhält der Vater des Mädchens einen Anruf von den Entführern seiner Tochter. Sie fordern 1,2 Millionen Euro Lösegeld und drohen mit dem Tod des Mädchens. Der Unternehmer macht sich daraufhin selbst auf die Suche nach seinem Kind, findet aber etwa zwei Kilometer vom Wohnhaus entfernt auf einem Feldweg zwischen Luga bei Meißen und der Bundesstraße 101 nur das Fahrrad und den angebundenen Hund. Die Mutter des Mädchens benachrichtigt die Polizei. Bildrechte: dpa
Bäume stehen an einem Feldweg
Donnerstag, 13. August 2015 Die 17-jährige Anneli verlässt am 13. August 2015 gegen 19:20 Uhr ihr Elternhaus in einem Dorf bei Meißen, um mit ihrem Hund Gassi zu gehen. Gegen 20 Uhr erhält der Vater des Mädchens einen Anruf von den Entführern seiner Tochter. Sie fordern 1,2 Millionen Euro Lösegeld und drohen mit dem Tod des Mädchens. Der Unternehmer macht sich daraufhin selbst auf die Suche nach seinem Kind, findet aber etwa zwei Kilometer vom Wohnhaus entfernt auf einem Feldweg zwischen Luga bei Meißen und der Bundesstraße 101 nur das Fahrrad und den angebundenen Hund. Die Mutter des Mädchens benachrichtigt die Polizei. Bildrechte: dpa
Ein Hinweisschild "Luga" (Sachsen) steht an einer abzweigenden Straße bei Luga.
Freitag, 14. August 2015 Am frühen Freitagmorgen stürmt ein Sondereinsatzkommando mit 60 Beamten einen Bauernhof in Luga. Zu diesem Zeitpunkt ist der Öffentlichkeit der Grund des Einsatzes noch unklar. Er sei Teil größerer Ermittlungen, zu denen zunächst keine Angaben gemacht werden könnten, heißt es von der Polizei. Erst am Sonntag bestätigt die Polizei, dass ein Spürhund die Einsatzkräfte zu dem Hof geführt hat. Das Mädchen wird nicht gefunden. Gegen 12 Uhr nehmen die Entführer noch einmal Kontakt mit den Eltern des Mädchens auf und wiederholen ihre finanziellen Forderungen. Das Geld soll per Online-Banking überwiesen werden, was allerdings nicht möglich ist. Ein Lebenszeichen von dem entführten Mädchen lehnen die Entführer ab. Nach dem Telefonat bricht der Kontakt ab. Bildrechte: dpa
Erklärung der Eltern der vermissten Anneli-Marie aus Meißen
Sonntag, 16. August 2015 Staatsanwaltschaft Dresden und Polizei gehen mit einem Fahndungsaufruf an die Öffentlichkeit. Mit Foto und Personenbeschreibung sucht die Polizei nach Zeugen. Zugleich wenden sich die Eltern in einem offenen Brief an die Entführer ihres Kindes. Bildrechte: Polizei Sachsen
Ein Polizist führt einen mit Handschellen gefesselten Mann ab
Montag, 17. August 2015 Durch DNA-Spuren an Annelis Fahrrad ist ein Tatverdächtiger ins Visier der Ermittler geraten. Gegen 4:30 Uhr nimmt die Polizei in Dresden einen 61 Jahre alten Verdächtigen fest. Drei Stunden später klicken in einem Ort bei Bamberg die Handschellen bei einem 39-Jährigen. Dort finden die Beamten ein silbernes Auto, auf das Zeugen die Polizei aufmerksam gemacht haben. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa
Ein Polizeiauto steht am Straßenrand.
Montag, 17. August 2015 Die Aussage des 61-jährigen Dresdners führt die Polizei auf ein Gehöft in Lampersdorf - wenige Kilometer entfernt von dem Ort, an dem die 17-Jährige verschwunden war. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld
Die Spurensicherung der Polizei arbeitet 2015 in Lampersdorf auf einem Bauernhof.
Montag, 17. August 2015 Auf dem Hof in Lampersdorf durchsucht die Polizei im Laufe des Tages unter anderem Container mit Bauschutt. Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera ist im Einsatz. Beamte durchkämmen die Umgebung des Hofes. Bildrechte: dpa
Polizeifahrzeug steht 2015 vor einem abgesperrten Gelände an einem Bauernhof in Lampersdorf.
Montag, 17. August 2015 Am Montagabend finden die Ermittler auf dem Hof die Leiche einer jungen Frau. Um 22:30 Uhr steht für die Beamten fest: Dem Augenschein nach handelt es sich um die vermisste 17-jährige Anneli. Bildrechte: dpa
Teilnehmer der Pressekonferenz sitzen an einem Tisch.
Dienstag, 18. August 2015 Auf einer Pressekonferenz in Dresden geben Polizei und Staatsanwaltschaft bekannt, dass die 17-jährige Anneli getötet wurde. Tatverdächtig sind die beiden festgenommenen 39 und 61 Jahre alten Männer. Wie Anneli zu Tode kam, ist noch nicht geklärt. Ihre Leiche wird seit Dienstagmorgen in der Gerichtsmedizin untersucht. Bildrechte: MDR/Christian Essler
Evangelisch-Lutherische Kirche Sora
Freitag, 21. August 2015 In der Dorfkirche von Sora bei Meißen kommen 200 Menschen zu einer Trauerandacht für die ermordete Gymnasiastin zusammen. Am 29. August wird Anneli in Sora beerdigt. Bildrechte: dpa
Blumen und Kerzen liegen 2015 an der Einfahrt eines Bauernhofes.
Donnerstag, 28. Januar 2016 Die Staatsanwaltschaft Dresden erhebt Anklage wegen erpresserischen Menschenraubes gegen die Tatverdächtigen. Bei dem inzwischen 40-Jährigen geht sie von Mord aus. Bildrechte: dpa
Angeklagter im Mordprozess Anneli wird ins Gericht geführt
Montag, 30. Mai 2016 Am Landgericht Dresden beginnt der Prozess gegen die beiden Tatverdächtigen. Bildrechte: MDR/xcitePRESS
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Zuletzt aktualisiert: 30. Mai 2016, 21:10 Uhr