Oldschool Society Prozess gegen rechte Terrorgruppe begonnen

In München müssen sich seit Mittwoch vier mutmaßliche Rechtsextreme vor Gericht verantworten. Sie sollen unter dem Namen "Oldschool Society" Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte geplant haben. Unter den Angeklagten ist eine Frau aus Freital, einer der mutmaßlichen Rädelsführer lebte in Borna.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat vor dem Oberlandesgericht München der Prozess gegen vier mutmaßliche Mitglieder der rechtsextremen Terrorgruppe "Oldschool Society" begonnen. Den drei Männern und einer Frau wird die Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung und die Vorbereitung eines Anschlags auf ein Flüchtlingsheim in der Nähe von Borna vorgeworfen. Sie hätten den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen, so die Bundesanwaltschaft. Wenige Tage vor dem geplanten Attentat flog die "Oldschool Society" auf.

"Rechtsgerichtete, nationalistische Gesinnung"

Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts in München ist zuständig, weil der mutmaßliche "Präsident" der "Oldschool Society" in Augsburg lebte. Dort wurde der 57-Jährige im Mai 2015 festgenommen. Zu den Angeklagten gehören weiterhin ein 40-Jähriger, der als Vizechef fungiert haben soll, sowie dessen 23 Jahre alte Freundin aus Freital. Ein 47-jähriger Angeklagter soll sich von Bochum aus um die Öffentlichkeitsarbeit der Gruppe gekümmert haben. Nach Auffassung der Bundesanwaltschaft haben alle vier Angeklagten eine rechtsgerichtete, nationalistische Gesinnung.

Organisation über soziale Netzwerke

Logo der Facebook-Seite der "Oldschool Society"
Die Mitglieder der Oldschool Society standen offenbar kurz vor einem Anschlag auf eine Asylunterkunft. Bildrechte: dpa

Die Gruppe habe sich Ende 2013, Anfang 2014 in sozialen Netzwerken organisiert. Seit August 2014 sollen sich die Mitglieder mit Gleichgesinnten über eine Chatgruppe mit der Bezeichnung "Oldschool Society" ausgetauscht haben. In einer Kleingartenanlage in der Nähe von Borna gab es laut den Ermittlern das erste Gruppentreffen, auf dem bereits der "bewaffnete Kampf gegen Salafisten" und ein "gewaltsames Vorgehen gegen Asylanten" Themen gewesen seien.

Vor einem weiteren geplanten Treffen im Mai 2015 sollen die Angeklagten kurz davor in Tschechien große Menge verbotener Feuerwerkskörpern gekauft haben. Nach dem Kauf sollen sie besprochen haben, wie deren Gefährlichkeit etwa durch einen Mantel aus Nägeln erhöht werden könne. Im Fokus stand laut Anklage ein Flüchtlingsheim in der Nähe von Borna.

OSS stand offenbar kurz vor Anschlag

Bundesanwalt Jörn Hauschild beschrieb die Anschlagspläne am Rande des Prozesses als sehr konkret. Dies sei durch den Verlauf von Chatprotokollen und Abhörmaßnahmen belegt. So sei in einem Telefonat die Rede davon gewesen, einen Anschlag mit einer Nagelbombe verüben zu wollen. Hauschild sagte, ein Geheimdienst habe die Ermittler auf die Gruppe gebracht. In der Folge sei diese vom Bundeskriminalamt überwacht worden und dann der Zugriff kurz vor dem geplanten Anschlag erfolgt.

Nach den Festnahmen habe einer der Angeklagten umfassende Angaben gemacht, die anderen hätten sich nicht eingelassen. Wie Hauschild sagte, gehen die Ermittler davon aus, dass mindestens zehn bis 15 Menschen zur Oldschool Society zählen. Es liefen auch noch weitere Ermittlungen gegen Verdächtige. Der Bundesanwalt wollte sich aber nicht zur Zahl der Verfahren äußern.

Die Angeklagten:

- Andreas H. (57) laut Anklage "Präsident" der Gruppe: Stammt aus Augsburg und betrieb dort bis zu seiner Festnahme ein Malergeschäft. Laut Verfassungsschutz hatte er Verbindungen zum NPD-Kreisverband Augsburg Stadt und Land und war 2010 und 2011 Beisitzer im Vorstand des Kreisverbands. Er gilt als Waffennarr - jedenfalls posiert er entsprechend auf Fotos. Anwalt Michael Rosenthal sagt, sein Mandant habe einen Waffenschein gehabt und alle Waffen legal besessen. Es gebe allerdings keinen Zweifel an der "nationalkonservativen" Gesinnung seines Mandanten..

- Markus W. (40) stammt ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen, wohnte aber in Borna. Zusammen mit Andreas H. gilt er als Kopf der Gruppe. Er soll zuvor mit einer später verbotenen Neonaziorganisation sympathisiert haben. Nach gescheiterten Ausbildungen als Kfz-Mechaniker und Dachdecker zog er 2010 nach Sachsen. Zuletzt arbeitete er als Wachmann und Ordner. Einen Job in einem Asylheim in Leipzig brach er ab. Vater dreier Kinder zwischen etwa 10 und 20 Jahren - jedoch ohne jeden Kontakt zu ihnen oder den Müttern. Vor Gericht erwähnt er auch eine frühere Haftzeit und spricht von "Jugendsünden".

- Denise Vanessa G. (23): Geboren in Freital - dem Ort in Sachsen, nach dem sich die gerade zerschlagene rechtsextreme "Gruppe Freital" benannt hat. Denise Vanessa G. lebte zuletzt eine halbe Autostunde von Freital entfernt. Sie soll mit Markus W. befreundet gewesen sein. In der "Oldschool Society" bekam sie den Posten der Schriftführerin. Laut Anklage warb sie auch dafür, für die Begehung von Anschlägen "Fußsoldaten" zu rekrutieren. Eine Ausbildung hat sie nicht.

- Olaf O. (48): Veröffentlichte als "Pressesprecher" der OSS Beiträge in sozialen Netzwerken. Gelernter Kfz-Mechaniker, nach einer schweren Krebserkrankung arbeitslos. Bewerbungen für neue Jobs scheiterten. Hartz IV habe sein Leben verändert: "Man hatte ja gar keine finanziellen Mittel, mal in eine Kneipe oder sonst wo hinzugehen und soziale Kontakt zu pflegen. Insofern haben sich meine sozialen Kontakte ins Internet verschoben." Er wurde in Bochum festgenommen. Das Sondereinsatzkommando fand den Mann in einer - wie Medien berichten - zugemüllten Wohnung.

Zuletzt aktualisiert: 27. April 2016, 20:28 Uhr

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17 Kommentare

27.04.2016 19:44 Blumenfreund 17

Wie kann man soviel Sendezeit für diesen Unsinn verwenden? Der -NSU 1- verläuft sich so im Sand. Ist das jetzt -NSU 2- ?? Hat Deutschland keine anderen Probleme, als diese an den Haaren herbeigezogenen Beschuldigungen?

27.04.2016 14:21 Theo Rettich 16

Solche Hintergrundinformationen erwartet der Leser.
Nicht das peinliche Geziere, von wegen "dunkle Haare" oder "dunkler Teint".
Warum wird dies so unterschiedlich gehandhabt? Hier gehts doch auch?

27.04.2016 14:19 Robert Paulson 15

27.04.2016 11:58 Ichich 8
""Rechtsgerichtete, nationalistische Gesinnung"... das ist strafbar oder soll wieder Wohlwollen in der Bevölkerung erzeugt werden, weil die Vorwürfe ziemlich dünn sind ?" Wie wär' es denn damit, die Motive der Tat zu hinterfragen? Sofern Du folgen kannst: Der BGH hat höchstrichterlich festgestellt, dass das Motiv einer Tat direkten Einfluss auf das Strafmaß hat. Beispielhaft wurde eine Mördern, die ihren sie jahrelang pennigenden Ehemann vergiftete (Heimtücke) zurecht nicht mit lebenslanger Haft (§216 StGB) bestraft, sondern mit 15 Jahren. Tu nicht so, als gäbe es ein Gesinnungsstrafrecht, das gabs bei den Nazis und in DDR.

27.04.2016 13:29 Räuber Fürchtenix 14

57, 48 & 40 Jahre alt? Den Zenit des Lebens bereits überschritten, aber von Weissheit keine Spur. Bei Menschen, welche sich in diesem Milieu bewegen, ist wirklich Hopfen und Malz verloren! Und so was will Deutschland retten! :-D

27.04.2016 13:15 Rosa Burglux 13

Einmal brennen Barrikaden aus Mülltonnen oder sowieso weggeworfenem Sperrmüll, ein anderes Mal wird eine Sparkasse verschönert oder der Bahn der Saft entzogen. Tut alles nicht so weh und derartige Attacken sind mit etwas Voraussicht händelbarer, als mitten in der Nacht von Explosionen oder Brandbomben im Bett überrascht zu werden. 2015 ist das hundertfach in Deutschland geschehen, wie kann man da rechten Terror derart verharmlosen?!

27.04.2016 13:09 Wessi 12

@ 11 Bei solchen Worten,die Sachbeschädigung und den Bau von Nagelbomben quasi gleichsetzt kann man nur k..zen. Lächerlich ist es die sogen. Antifa nun als Merkelunterstützer darzustellen.Wer mutmaßliche braune Mordbuben verteidigt ist selber ein solcher.Wohlgemerkt: auch Sachbeschädigung ist kriminell,aber wenn ich die haßverzerrten Gesichter gewisser Megären in Freital,wie derzeit Lichtenhagen sehe,die zum Unterstützungsmob dieser mutmaßlichen Täter gehörtenweiß ich, wer primär bekämpft werden muß.Richter,wir haben Gesetze.

27.04.2016 12:34 Ralf Richter 11

@4 hippiehooligan: "In Leipzig haben mutmaßliche Linksextremisten erneut randaliert und Sachschäden verursacht." Aktuelle Schlagzeile hier beim MDR. Wie war das mit "...,weil es keine linksterroristischen Gruppen gibt."? Nur will oder kann Politik und Justiz diese Linksextremisten noch nicht als "Linksterroristen" einstufen, da momentan diese in der Flüchtlingskrise regierungskonform sind.

27.04.2016 12:25 Lenin 10

@6
Genossin, diese Frage hat doch gar keiner gestellt.
@3
Dafür gibt es für ihre Gruppe schon einen Überbegriff, sogar zwei "Gutmenschen und Realitätsverweigerer"
Und eine schlagkräftige Gruppe zur Umsetzung der hehreren Ziele.

27.04.2016 11:58 Stefan T 9

@27.04.2016 07:29 Paul: Na, die Männer aus der Kölner Sivesternacht sind für Sie sicher auch nur "Andersdenkende". Oder vielleicht "Erotikliebhaber" und "Frauenfreunde"??? Kopfschüttel... naja, der Osten ist halt braun.

27.04.2016 11:58 Ichich 8

Vorwurf der "Vorbereitung eines Explosionsverbrechens" ... ein Jahr Haft (bislang). Durchführung eines Explosionsverbrechens in Chemnitz ... nichts. "Rechtsgerichtete, nationalistische Gesinnung"... das ist strafbar oder soll wieder Wohlwollen in der Bevölkerung erzeugt werden, weil die Vorwürfe ziemlich dünn sind ?