Fans schauen ei Spiel der deutschen Nationalmanschaft auf der Fanmeile in Berlin
Bildrechte: imago/Christian Mang

Fußball-Weltmeisterschaft Public Viewing - was muss ich wissen?

Die Fußballweltmeisterschaft in Russland soll zum Freudenfest werden - doch sie kann auch Ärger bescheren: Wer als Fan keinen Krach mit seinen Nachbarn oder der Polizei riskieren will, muss sich auch während der Spiele an die allgemein geltenden Regeln halten. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Fans schauen ei Spiel der deutschen Nationalmanschaft auf der Fanmeile in Berlin
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Wie lange ist Public Viewing möglich?

Fußballfans können sich die WM-Spiele in der Öffentlichkeit auch spätabends anschauen: Dafür wurden per Verordnung eigens Ausnahmen von den bundesweiten Lärmschutzstandards erlassen. Einer entsprechenden Vorlage des Bundeskabinetts hatte der Bundesrat zugestimmt. Das Public Viewing ist damit während der WM auch nach 22 Uhr möglich. Vergleichbare Ausnahmeregelungen gab es bereits bei den Fußballweltmeisterschaften seit 2006 sowie bei der Europameisterschaft 2008 und 2016.

Wie ist die Genehmigung in Sachsen geregelt?

Allerdings schafft die Verordnung der Bundesregierung nur die Möglichkeit, nach 22 Uhr ein Public Viewing anzubieten. Die konkrete Ausnahmegenehmigung müssen Veranstalter in vielen Städten beantragen, auch in Sachsen. So weist beispielsweise die Stadt Dresden darauf hin, dass ein solcher Antrag bei der Unteren Immissionsschutz- und Abfallbehörde im Umweltamt formlos gestellt werden muss. "Das Umweltamt prüft den Einzelfall und wägt die Interessen der Fußballfans mit denen der möglicherweise gestörten Anwohner ab. Natürlich spielen dabei auch das Veranstaltungskonzept und die Charakteristik des betroffenen Stadtteils eine Rolle", heißt es in einer Mitteilung.

Auch in Chemnitz müssen Veranstalter von Public Viewings eine Genehmigung beantragen. Auf Anfrage von MDR SACHSEN teilte die Stadtverwaltung mit, dass sich das Ordnungsamt um die Anträge kümmert. Dort werden Lärmproblematik und Sicherheitsbestimmungen abgewogen und eventuell Auflagen erteilt. "Public-Viewing-Veranstaltungen im Zeitraum von 14. Juni bis 15. Juli 2018 werden z.B. mit bestimmten Lärmminderungsmaßnahmen beauflagt", heißt es weiter.

In Leipzig ist bei diesem Thema grundsätzlich das Marktamt zuständig, allerdings wird es nach Angaben der Stadt kein Public Viewing geben, das in die Zuständigkeit des Amtes fällt. Entsprechende Anfragen habe es nicht gegeben, teilte ein Sprecher mit.

Was muss ich zum Thema Sicherheit wissen?

Große Menschenansammlungen können auch ihre Tücken haben. So warnen Polizei und Weisser Ring unter anderem vor Taschendieben. Wie bei anderen größeren Veranstaltungen könnten sie das Gedränge gezielt für ihre Zwecke nutzen. Die Polizei rät, möglichst keine Wertgegenstände und nur wenig Bargeld mitzunehmen sowie Taschen und Rucksäcke vor dem Körper zu tragen. Gästen wird zudem empfohlen, Abstand zu aggressiven Gruppen oder Menschen zu halten, bei denen sie sich aus anderen Gründen unwohl fühlen.

Was tun, wenn ich Probleme habe?

Ist die Konfrontation mit einem gewaltbereiten Menschen unvermeidbar, ist es wichtig, sich öffentlich bemerkbar zu machen und beispielsweise andere Mitfeiernde in der Menschenmenge anzusprechen, die eigene Notlage klar zu benennen und sie zur Mithilfe aufzufordern. "Dadurch werden Unbeteiligte aktiv mit ins Geschehen eingebunden", sagt die Bundesgeschäftsführerin des Weissen Rings, Bianca Biwer. "Einer Isolation durch den Täter wird auf diese Weise entgegengewirkt", sagt sie.

Gilt ein Mindestverzehr im Biergarten?

Nein, sagen Verbraucherschützer. Es gebe keine Verpflichtung, "für einen bestimmten Mindestbetrag im Lokal zu essen oder zu trinken", erklärt Annett Reinke von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Damit würde ein indirektes Eintrittsgeld für die Fernsehübertragung in der Kneipe erhoben. Dafür hätte der Wirt jedoch eine Lizenz bei der Fifa beantragen und bezahlen müssen.

Wie ist es mit der Fußballfeier im eigenen Garten?

Wer auf Fernsehübertragungen im eigenen Wohnzimmer oder Garten setzt, sollte wie bei allen privaten Feiern etwas Fingerspitzengefühl haben. Anders als beim Public  Viewing gelten in privaten Wohnhäusern keine WM-Ausnahmeregelungen in Sachen Lärmschutz. Um 22 Uhr beginnt in Wohngebieten die gesetzlich festgelegte Nachtruhe, während der sämtliche Geräuschbelästigungen untersagt sind.

Spätestens dann könnte es im Freien Probleme geben. Auch in den eigenen vier Wänden gilt eigentlich Zimmerlautstärke. Im Zweifel hilft es laut Experten allerdings oft, die Nachbarn vorher zu informieren und bei ihnen um Verständnis zu werben. Das beugt möglichen Konflikten rechtzeitig vor.

Quelle: MDR/sth/dk/afp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.06.2018 | ganztägig im Programm
MDR SACHSENSPIEGEL | 14.06.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2018, 12:08 Uhr

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5 Kommentare

17.06.2018 16:28 Paule 5

Boykottieren! Ab nach Hause! s. Startaufstellung

16.06.2018 17:44 Nelly 4

Was muss man zu Public Viewing wissen? Nun beim Public Viewing benimmt man sich pietätvoll, kommt ohne Fahnen und Tröten, nicht angetrunken. Unsere einheimischen Sprachpanscher leisten wieder mal ganze Arbeit. Einfach nur peinlich!

15.06.2018 22:58 NN 3

Möglicherweise wurde der Begriff in derselben Wortschmiede hergestellt, die auch die urdeutschen Begriffe wie "Jobcenter" oder "Flatrate" wieder ausgruben. - Ich werde jetzt meinen "push-up" gegen einen "sweater" tauschen, die "warm up hose" anziehen und in den "Backshop" "walken".--Ganz schlimm find ich diese Verballhornung.

15.06.2018 11:41 BYW JENA 2

@1 hat so recht !!!
Im amerikanischen Englisch ist das sogar eine Bedürfnisanstalt. Kommt nur noch das Wort „Facility“ dahinter...

15.06.2018 08:19 Kritiker 1

Mich würde wirklich mal interessieren, welch sprachunkundiger Profilneurotiker diesen Begriff in Deutschland eingeführt hat; denn: In den englischsprachigen Ländern ist public viewIng eine Leichenaufbahrung!!!