25.06.2020 | 19:30 Uhr Kritik an "stumpfer Erhöhung" der Noten im Mathe-Abi

Nach der Anhebung der Prüfungsnoten im Mathe-Abitur gab es neben Lob und auch viel Kritik. Das Kultusministerium hatte am Mittwoch mitgeteilt, dass im Grund- und Leistungskurs alle Prüfungsergebnisse um einen Notenpunkt erhöht werden. Hintergrund waren Beschwerden von Schülern, Eltern und erstmals auch Lehrern an der Aufgabenstellung.

Ein Schüler rechnet  eine Aufgabe mit dem Taschenrechner.
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Landesschülerrat: Nachteilsausgleich war "nötig und angemessen"

Der Landesschülerrat (LSR) ist zufrieden mit der Entscheidung des Kultusministeriums und sieht sich in seiner Forderung bestätigt. Er habe bereits zu Beginn der Corona-Krise entsprechende Maßnahmen gefordert, sofern die Prüfungen deutlich schlechter ausfallen. Die Vorsitzende des LSR, Joanna Kesicka hält den Nachteilsausgleich für "nötig und angemessen".

Porträt von Joanna Kesicka.
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Schülerinnen und Schüler des diesjährigen Abiturjahrganges werden dadurch entlastet und die nicht gehaltenen Unterrichtsstunden für die Prüfungsvorbereitung während der Corona-Krise wieder kompensiert.

Joanna Kesicka Vorsitzende des LSR Sachsen

Trotz der Freude gibt es auch Kritik vom LSR. Es sei nicht nachzuvollziehen, weshalb die Anhebung der Prüfungsnoten nicht bei den Absolventen der Beruflichen Gymnasien vorgenommen wird. Dazu erklärt das Kultusministerium auf Nachfrage von MDR SACHSEN, dass es bei einer Stichprobenauswertung "keine signifikante Abweichung von den Noten der Vorjahre" gebe. Zudem habe sich - anders als bei den allgemeinbildenen Gymnasien - nichts an der Aufgabenstellung geändert.

Philologenverband: Ruf des sächsischen Abiturs in Gefahr

Der Philologenverband hat kein Verständnis für die Anhebung der Noten im Mathe-Abitur. Der Verbandsvorsitzende Thomas Langer sagte dem MDR, dass man den Schülern bessere Noten natürlich gönne. Man fürchte aber um den guten Ruf des Abiturs in Sachsen. Zudem frage man sich im Verband, auf welcher rechtlichen Grundlage die Entscheidung gefallen sei, heißt es in einer Stellungnahme der Philologen. Kritisiert wird auch der Zeitpunkt der Entscheidung. Eine Woche vor Beginn der feierlichen Zeugnisübergaben müssen nun alle Abiturnoten neu berechnet werden.

Das bisher hohe Ansehen des Sächsischen Abiturs darf nicht in Verruf geraten!

Statement des Philologenverbands Sachsen zum Mathe-Abitur

Langer ist zudem der Meinung, dass die Schüler sich im März gut auf das Abitur vorbereiten konnten. Das schlechtere Ergebnis habe nichts mit Corona zu tun, sondern mit der Änderung der Aufgabenformate, die aus einem bundesweiten Aufgabenpool stammen. Das sei zu wenig kommuniziert worden.

Petitionsinitiator Fritz Raschke: "Stumpfe Erhöhung um einen Punkt"

Der Abiturient Fritz Raschke hatte gemeinsam mit anderen Schülern eine Petition zur Anpassung des Bewertungsmaßstabs der Abi-Prüfung in Mathe gestartet. Er zeigte sich im Gespräch mit MDR SACHSEN enttäuscht von der Entscheidung des Kultusministeriums, da ihre Forderung nicht erfüllt wurde. Stattdessen gebe es eine "stumpfe Erhöhung um einen Punkt".

Neben der Maßnahme selbst kritisiert er auch den Zeitpunkt. Mitten in den Nachprüfungen wurde der Nachteilsausgleich bekanntgegeben. Aufgrund des zusätzlichen Punktes hätten einige Schüler vielleicht nicht in die Nachprüfung gehen müssen, andere hätten sich dadurch noch einmal deutlich verbessern können. Wegen verstrichener Fristen sei das aber nicht mehr möglich. Zudem müssen nun alle Zeugnisse neu gedruckt werden.

Keine Beschwerden bei Realschulprüfungen

Wie das Kultusministerium auf Nachfrage von MDR SACHSEN mitteilte, gab es keine Kritik an den diesjährigen Realschulprüfungen. Weder Lehrer noch Fachberater hätten sich gemeldet. Dennoch wurden auch hier stichprobenartige Befragungen zu den Durchschnittsnoten durchgeführt. Dabei seien keine Auffälligkeiten erkannt worden.

Quelle: MDR/cb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 25.06.2020 | 19:00 Uhr

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