Corona-Pandemie Zoos und Tierparks in Sachsen über zweiten Lockdown enttäuscht

Dr. Jörg Junhold und Giraffenbulle Max
Bildrechte: Zoo Leipzig

Der Direktor des Leipziger Zoos, Jörg Junhold, ist enttäuscht über den Beschluss der sächsischen Landesregierung, dass auch Zoos und Tierparks ab Montag bis Ende November schließen müssen. Die Hygienekonzepte der Zoos hätten sich seit der Wiedereröffnung im Mai vielerorts bewährt, so Junhold.

Zoos könnten in dieser angespannten gesellschaftlichen Situation einen sicheren Erholungsort im urbanen Raum bieten.

Jörg Junhold Chef des Leipziger Zoos

Dennoch stünden die Anstrengungen der Politik zum Schutz der Bevölkerung im Fokus, betonte Junhold. "Wir bedauern natürlich, dass wir für unsere Besucher kein Anlaufpunkt sein dürfen, sehen aber angesichts der steigenden Infektionszahlen im ganzen Land die Notwendigkeit für harte Maßnahmen zum Schutz aller."

Tierparkbesuch nicht anders als Spaziergang

Im Vorfeld der Ankündigung der sächsischen Landesregierung hatte sich der Direktor des Tierparks in Görlitz, Sven Hammer, gegen eine erneute Schließung ausgesprochen. In den weitläufigen Parkanlagen ließen sich Mindestabstände sehr gut einhalten. Insbesondere für Kinder biete der Tierpark in dieser Zeit eine wichtige Erholungsfunktion unter geregelten Bedingungen, so Hammer. 

Erste Besucher im Tierpark Görlitz
Im Mai konnte der Tierpark Görlitz nach der ersten Schließung wieder kleine und große Gäste begrüßen. Bildrechte: MDR/Danilo Dittrich

Ein Tierparkbesuch ist nicht anders zu werten als ein Spaziergang an der frischen Luft!

Sven Hammer Chef des Naturschutz-Tierparks Görlitz-Zgorzelec

Harter November und Hoffen auf Hilfe

Finanziell müsste sich der Leipziger Zoo jetzt auf harte Wochen einstellen, sagte Direktor Junhold weiter. Dem schloss sich auch Sven Hammer an und forderte, dass sich der Bund und der Freistaat Sachsen über wirksame Hilfsmaßnahmen für zoologische Einrichtungen verständigen. Knapp 300.000 Euro Verlust habe in den Kassen des Görlitzer Tierparks nach der ersten Schließung gestanden, so Hammer.

Zum Glück haben unsere treuen Tierparkbesucher und Unterstützer mit über 90.000 Euro Spenden geholfen. Dafür sind wir sehr dankbar, denn nur dadurch konnten wir den Tierparkbetrieb in der gewohnten Form aufrechterhalten.

Sven Hammer Tierpark Görlitz

Hohe Kosten für Tierversorgung

Durch die erneute Schließung brechen den Zoos und Tierparks sämtliche Besuchereinnahmen weg. "Die Ausgaben für die Versorgung der Tiere und die Mitarbeitergehälter können aber nicht einfach heruntergefahren werden. Gerade in der Wintersaison hat der Tierpark höhere Kosten für Heizung und Strom, da brauchen wir jeden Euro an Einnahmen", berichtete Hammer weiter.

Sorgen auch in Hoyerswerda

Das Faultier Carlo im Zoo Hoyerswerda.
Ob Faultier Carlo im Zoo Hoyerswerda etwas vom Lockdown mitbekommt, ist schwierig zu sagen. Seine Pfleger und das gesamte Personal bedauern die Entscheidung. Bildrechte: MDR/Dan Hirschfeld

Auch im Zoo Hoyerswerda ist die Sorge vor allem in finanzieller Hinsicht groß. Man stehe nun wieder vor einer finanziellen Herausforderung wie schon im Frühjahr, heißt es in einer Mitteilung. "Anders als in anderen Branchen lässt sich ein Zoo nicht einfach stilllegen." Man hoffe sehr auf Spenden, Übernahme von Tierpatenschaften und den Kauf von Gutscheinen.

Wir sind froh, dass die sächsische Staatsregierung die wichtige Bedeutung der Bibliotheken für Familien während des Lockdowns erkannt hat und eine Eröffnung für den reinen Medienverleih ermöglicht. Wir bedauern jedoch, dass diese zutreffende Einschätzung nicht auch auf Zoos und Tierparks Anwendung fand. Wir hatten gehofft, den Zoo weiterhin öffnen zu können und insbesondere den Familien Abwechslung und Erholung  in diesen herausfordernden Zeiten bieten zu können.

Arthur Kusber Geschäftsführer der Zoo, Kultur und Bildung Hoyerswerda gGmbH

Gemäß des Beschlusses von Bundes- und Landesregierungen bleiben öffentliche Einrichtungen wie Theater, Konzertsäle, Museen, Zoos und Sportstätten während des Teil-Lockdowns ab 2. November geschlossen. Andernorts in Deutschland dürfen Zoos geöffnet bleiben, etwa in Berlin.

Rückblick auf den ersten Corona-Lockdown

Cornelia Jungmichel vom Tierpark Zittau 1 min
Bildrechte: MDR/Martin Hoferick

Die Tiere warten derzeit umsonst auf Besucher. Daher muss Cornelia Jungmichel auch an dieser Front einspringen.

So 26.04.2020 13:31Uhr 00:50 min

https://www.mdr.de/sachsen/video-alltagshelden-cornelia-jungmichel-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Quelle: MDR/sm/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.10.2020 | ab 06:00 Uhr in den Nachrichten

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