Ein Lehrer steht im Untericht vor einer Tafel.
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Reaktionen von Parteien und Verbänden Geteiltes Echo auf Lehrerpaket der sächsischen Koalition

Ein Lehrer steht im Untericht vor einer Tafel.
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Die von CDU und SPD vorgestellten Maßnahmen gegen den Lehrermangel in Sachsen stoßen auf ein geteiltes Echo. Positiv aufgenommen hat die Entscheidung der sächsische Philologenverband. Er zeigte sich erleichtert und twitterte:

Endlich! Eine unserer langjährigen zentralen Forderungen wird erfüllt! Die #Verbeamtung von Lehrerinnen und Lehrern ist gut für #Sachsen - und ein gutes Zeichen für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen!

Philologenverband via Twitter

Allerdings gab der Verband wenig später ebenfalls zu bedenken: "Bei aller berechtigten Freude über die #Verbeamtung sehen sich die Gymnasiallehrer/innen 42+ im #Handlungsprogramm nicht ausreichend gewürdigt. Wir fordern Nachbesserungen!"

Obwohl auch der bildungspolitischen Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion nicht jeder Punkt der Vereinbarung gefallen hat, freute sie sich, dass jetzt eine Entscheidung gefallen ist:

Gut, dass die Koalition ihre Entscheidungsblockade endlich durchbrochen hat. Eine Einigung zum Lehrerpaket war überfällig.

Petra Zais Bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion
Petra Zais
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Wichtig findet sie, dass auch die Lehrkräfte berücksichtigt werden, die keine Chance auf eine Verbeamtung haben: "Es freut mich, dass es gelungen ist, die Pläne zur Verbeamtung an Ausgleichszahlungen für alle Lehrerinnen und Lehrer zu koppeln. Insbesondere die Höhergruppierung der Grundschullehrkräfte ohne Anhebung der Unterrichtsverpflichtung ist ein wichtiges Signal."

Kritik kommt hingegen vom Sächsischen Lehrerverband. Dieser hatte stets die Untrennbarkeit von Verbeamtung und wertschätzenden Maßnahmen gefordert. Dies sei der Regierungskoalition mit Blick auf die Nettolohnlücke nicht gelungen.

Jens Weichelt, stellvertretende Vorsitzender des dbb Beamtenbund und Tarifunion
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Der Fehler ist nicht die Verbeamtung – im Gegenteil, sondern dass der Freistaat Sachsen seine Lehrer 25 Jahre lang nicht verbeamtet hat. Das kann die erfahrene Lehrergeneration, die nicht mehr verbeamtet werden kann, mit Recht den damaligen verantwortlichen Politikern und weiteren Gegnern der Verbeamtung vorwerfen.

Jens Weichelt Landesvorsitzender des Sächsischen Lehrerverbandes

Die Ungleichbehandlung von alten und jungen Lehrern findet auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft problematisch. Die Landesvorsitzende meint dazu:

Die GEW-Landesvorsitzende Ursula-Marlen Kruse
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Dass mit einer Verbeamtung junger Lehrer ein neues Gerechtigkeitsproblem zu lösen ist, war der Staatsregierung bekannt. Alle hierzu heute vorgestellten Maßnahmen schließen die neu entstehende Gerechtigkeitslücke nicht. Sie eröffnen lediglich für einzelne Lehrergruppen Wege zu einer höheren Bezahlung. Die nicht mehr verbeamtungsfähigen Lehrkräfte können nicht den Eindruck haben, dass ihre Anstrengungen angemessen anerkannt werden.

Uschi Kruse GEW-Landesvorsitzende

Bestimmte Punkte begrüßt die Landesvorsitzende aber auch. So seien die Aufwertung der Grundschullehrer und die verbesserte Qualifikation und Betreuung von Seiteneinsteigern Forderungen, die die GEW seit Langem gestellt habe, so Kruse.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.03.2018 | ab 08:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 09.03.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2018, 20:36 Uhr

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9 Kommentare

11.03.2018 19:33 Thomas T. 9

@Frank G., Welche Vorteile hat denn der Lehrerberuf?
Ach übrigens Steuergelder, musste Sachsen denn nicht 1,55 Mrd. € Bürgschaften an Baden-Württemberg wegen dem Notverkauf der Sächsischen Landesbank bezahlen ... (Sollte ich mich in der Summe geirrt haben, bitte ich um Verzeihung.)

11.03.2018 19:25 Atlas 8

@ Frank G.: Glauben Sie mir, ich kenne die Einkommenssituation von Pflegekräften ziemlich genau, ich bin mit einer verheiratet - dahin gehend habe ich genug "Selbstreflektion". Ich weiß auch, dass Angestellte in Supermärkten und noch viele andere wesentlich weniger verdienen und Sie können versichert sein, dass ich das nicht toll finde. Aber darum geht es in dieser Diskussion nicht, und darüber sollten Sie vielleicht noch einmal nachdenken. Ich helfe Ihnen gern: Es geht um die angebliche Wertschätzung, die Politiker den altgedienten Lehrkräften vollmundig zeigen wollten, und die sich nun so äußert, dass nachrückende Kräfte nun problemlos erheblich höhere Nettoeinkommen erhalten und die angeblich "Wertgeschätzten" zum großen Teil in die Röhre schauen oder mit der nebulösen Aussicht auf Leistungsprämie (natürlich nur bei guter Führung) oder der 20%-Chance auf Höhergruppierung abgespeist werden. Sie verwechseln den Vergleich ungleicher Berufe mit Ungleichbehandlung im gleichen Beruf!

11.03.2018 17:35 Frank G. 7

@Herr Richter, Respekt vor Ihren Kommentar. Viele Lehrer vergessen tatsächlich die Vorteile Ihrer Anstellung. Es gibt tatsächlich viele Menschen in diesem Land, welche wesentlich weniger verdienen und keine Altersabsicherung haben. Es muss sicher mehr für die Bezahlung von Lehrern und das Umfeld von Schulen getan werden, aber die Steuergelder sind halt auch endlich.
@Atlas, reden Sie vielleicht mal mit Angestellten in Supermärkten oder Pflegekräften nach deren Einkommen und Stress. Hilft zur Selbstreflektion...

10.03.2018 19:18 Atlas 6

@4 Frank Richter: Genau weil es zu viele Kollegen mit einer Meinung wie Ihrer gibt, denken die Kultus- und Finanzbürokraten in Dresden immer noch, dass sie mit den Lehrern nach Gutsherrenart umspringen können - ein guter sächsischer Lehrer hält immer schön still bzw. nach einem Schlag in's Gesicht auch noch die andere Wange hin, schluckt unter dem Totschlagsargument der unter Lehrerprotest oder Streik leidenden Kinder jede neue Ungerechtigkeit und beschimpft Kritiker unter den eigenen Kollegen auch noch als Meckerer. Welcher Lehrer bestreitet eigentlich, dass es um die Zukunft der Kinder und Jugendlichen geht? Dass man aber ALLE Kollegen, die mit gleichem Arbeitsaufwand an dieser arbeiten, auch gleich bezahlen sollte, ist eigentlich doch ebenso eine Selbstverständlichkeit - für Sie allerdings offenbar nicht. Wenn Sie gut damit leben können, dass Sie ständig benachteiligt werden, ist Ihnen das unbenommen, aber rügen Sie nicht die, die sich damit nicht abfinden und den Mund aufmachen!

10.03.2018 18:04 Praxis 5

Diese Kritik hat nichts mit Meckerei zu tun,die lehne ich auch ab.Es geht um sehr berechtigte Einwände,die gar nicht vordergründig etwas mit Geld zu tun haben.Seit Jahren Vertröstungen,Ablehnung von Vorschlägen,die dieses erhebliche Desaster wenigstens abmildern hätten können.Natürlich geht es anderen Berufsgruppen finanziell nicht so gut,aber soll man deswegen alles hinnehmen?Ohne ein ehrliches Umdenken wird au h dieses Maßnahmenpaket nicht gravierend etwas verändern,leider.

10.03.2018 17:35 Frank Richter 4

Ich bin seit 35 Jahren Lehrer in Sachsen und arbeite nach wie vor gern in meinem Beruf. Es wurde endlich Zeit, dass die Koalitionsregierung etwas für die Attraktivität des Lehrerberufs in Sachsen tut und wichtige Maßnahmen auf den Weg bringt. Na klar gibt es sofort wieder die Kritiker oder man möchte fast sagen Meckerer. Es wird nie Gerechtigkeit für alle geben und vielleicht gibt es auch noch Nachbesserungen. Aber - und das muss betont werden: es geht um die Zukunft(!) der sächsischen Jungen und Mädchen, um deren Chancen im Vergleich zu anderen Bundesländern. Daran sollten wir Lehrer*innen denken - zumindest dann, wenn wir die im Auge haben, um die es uns doch eigentlich gehen sollte.
Liebe Kolleg*innen, schiebt bitte nicht zu viel Frust. Wir vergessen oft, dass wir im Vergleich zu anderen Berufsgruppen gut verdienen, eine feste Anstellung haben und für das Alter gut abgesichert sind Das wird uns im Alltag nicht immer bewusst. Ich freue mich auf jungen und motivierten Nachwuchs.

10.03.2018 13:50 empörter sächsischer Lehrer 50+ 3

Ich finde, dass das Handlungspaket der sächsischen Regierung zu einer Zwei-Klassengesellschaft in den Lehrerzimmern führt. Für die Kolleginnen und Kollegen, die über 25 Jahre das sächsische Bildungssystem bundesweit an einen Spitzenplatz gebracht haben, fühlt es sich an wie eine schallende Ohrfeige. Wo bleiben der für unsere geleistete Arbeit verdiente Respekt und die Anerkennung? Wie kann man den sächsischen Politikern von CDU und SPD begreiflich machen, dass Wertschätzung anders aussieht? Ich hoffe, dass GEW und SLV dies so nicht hinnehmen. Eine absolute Gleichstellung zwischen angestellten und verbeamteten Lehrern muss das Ziel sein. Das Risiko ist groß, dass ältere Lehrerinnen und Lehrer entgültig "das Handtuch werfen."

09.03.2018 19:52 Stefan Enders 2

Das Maßnahmenpaket wird eher zu keiner Verbesserung führen, da an den Schulen der Anteil älterer aber sehr erfahrener Lehrer wesentlich größer ist, als die Lehrer die für eine Verbeamtung in Frage kommen. Dadurch entsteht eine klare Benachteiligungssituation für diese älteren Lehrkräfte. Viele fühlen sich dann zu Recht zurück gesetzt mit katastrophalen Folgen für deren Motivation weiterhin wie bisher qualitativ hochwertigen Unterricht zu leisten. Dieser Umstand wird zu einem weiteren Absinken des Bildungsniveaus in Sachsen führen. Die pädagogische Erfahrung dieser älteren Lehrer wird in einem deutlich geringeren Maße zur Verfügung stehen als bisher, da viele dieser Lehrer dann unzufrieden und demotiviert den Unterricht halten werden, von daraus resultierenden krankheitsbedingten Ausfällen ganz zu schweigen. Die Bedingungen für die Schüler in Sachsen mit einen Anrecht auf qualitativ hochwertigen Unterricht werden sich deutlich verschlechtern !!!

09.03.2018 14:32 Leipziger Lehrer 1

Wie mit denen, die dieses System seit 1992 ausgestaltet haben, umgesprungen wird, ist eine Riesensauerei! Hier gibt es nur eine Antwort: Innere Kündigung, Verweigerung bis an die Grenzen dessen, was ohne entlassen zu werden gerade noch möglich ist!