Demonstranten der rechten Szene gestikulieren und drohen den Gegendemonstranten Gewalt an.
Bildrechte: dpa

Opferberatung RAA Sachsen Nach Chemnitz wieder Anstieg rechter Gewalttaten in Sachsen

Während die Zahl der rechtsextremen Angriffe in Sachsen 2017 zurückging, ist sie im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Vor allem in Chemnitz gab es mehr Fälle. Begründet wird dies unter anderem mit den Übergriffen nach einem Tötungsdelikt im vergangenen Sommer.

Demonstranten der rechten Szene gestikulieren und drohen den Gegendemonstranten Gewalt an.
Bildrechte: dpa

In Sachsen ist die Zahl rechter Gewalt nach Angaben der Opferberatung RAA Sachsen im vergangenen Jahr wieder gestiegen. 317 rechte Gewaltdelikte zählte der Verein 2018. Im Jahr zuvor waren es demnach 229 Delikte. Das ist ein Anstieg um 38 Prozent.

Schwerpunkt: Ereignisse in Chemnitz

Ein Schwerpunkt rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt war der Opferberatung zufolge die Stadt Chemnitz. Allein dort wurden 79 Angriffe gezählt - fast viermal so viele wie 2017. Ein ebenfalls großer Anstieg ist im Landkreis Nordsachsen zu verzeichnen, die Zahl erhöhte sich von sieben auf 23 Taten. Aber auch in Leipzig gab es dem Verein zufolge deutlich mehr Fälle.

Der Verein erfasst mehr Vorfälle als die Polizeistatistik, weil er andere Kriterien zugrunde legt. Die Opferberatung bezieht ihre Angaben von den Betroffenen direkt, von Kooperationspartnern, aus Mitteilungen der Polizei, aber auch aus Presseberichten oder Landtagsanfragen. Von den den 317 Gewalttaten seien nur 241 bei der Polizei angezeigt worden, sagte RAA-Fachreferentin Andrea Hübler.

Welche Motive gibt es?

In 66 Prozent der Fälle war demnach Rassismus das Motiv, ein Viertel der Angriffe richtete sich gegen politisch Andersdenkende, darunter auch Journalisten. Gestiegen sei auch Zahl der Angriffe auf Wohnungen oder das Wohnumfeld von Migranten, an den Asylunterkünften seien sie hingegen zurückgegangen. Außerdem werden als Tatmotive die sexuelle Identität der Opfer oder Antisemitismus genannt.

Grafik
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Um welche Straftatbestände geht es?

Zu den häufigsten Gewalttaten zählten Körperverletzungsdelikte. Auch Nötigung und Bedrohung kamen häufiger vor. Zu den Taten zählt RAA Sachsen auch den Tod eines 27 Jahre alten Mann in Chemnitz. Der homosexuelle Christopher W. sei im April von drei Tätern aus der rechten Szene getötet worden, die ihn zuvor bereits wegen seiner Homosexualität beschimpft und attackiert hatten. W. sei damit das 17. Todesopfer rechter Gewalt in Sachsen seit 1990. Die mutmaßlichen Täter stehen derzeit in Chemnitz vor Gericht.

Grafik
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landesregierung unterstützt Angebote gegen rechte Gewalt

Die Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping stellte die Zahlen in Dresden gemeinsam mit der Opferberatung vor. Die Landesregierung unterstütze die Bemühungen, sich für ein solidarisches und friedliches Zusammenleben einzusetzen, erklärte Köpping. Dazu zählten auch das Demokratiezentrum mit der Opferberatung RAA Sachsen, Mobile Beratungsstellen, die Koordinierungsstelle Radikalisierungsprävention (KORA) sowie das Landesprogramm Weltoffenes Sachsen.

So bitter es auch ist, in Sachsen gehören rechte und rassistische Gewalt zur Lebensrealität. Es gibt keinen Grund, dies zu beschönigen.

Petra Köpping Staatsministerin für Gleichstellung und Integration

Die Expertin für Rechtsextremismus der Linken, Kerstin Köditz, sagte, die Gesamtentwicklung bleibe beunruhigend. Die von der RAA erhobenen Zahlen zeigten, dass es ein großes Dunkelfeld gebe. "Es muss politisch gehandelt werden." Die Landesregierung habe jedoch kein Gesamtkonzept zur Zurückdrängung der extremen Rechten.

Wo können sich Betroffene hinwenden?

Die Opferberatung der RAA Sachsen berät und unterstützt Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt. Es gibt Beratungsstellen in Dresden, Leipzig und Chemnitz. Auch eine Online-Beratung wird inzwischen angeboten.

Außerdem gibt es für Opfer von Gewalt verschiedene Anlaufstellen in Sachsen:

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 07.03.2019 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Europawahl Stimmzettel Querformat 1 min
Bildrechte: imago images / Jürgen Schwarz

Bei der Europawahl wird am Sonntag das Europäische Parlament gewählt. Wie gewählt wird, erklären wir hier.

Mi 22.05.2019 18:26Uhr 00:48 min

https://www.mdr.de/sachsen/politik/video-303088.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2019, 21:40 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

111 Kommentare

09.03.2019 21:36 der_Silvio 111

@106 Martin Vomberg;
Politisch seit vielen Jahren engagierte irren sich also, wenn sie sagen, daß die AfD Positionen vertritt, die die CDU/CSU von 20-30 Jahren vertreten hat?
In einem Interview sagte Karin Ebner-Steiner sagte diese: "Die CSU von heute ist nach links gedriftet, sie koaliert in Berlin mit der SPD und in Bayern voraussichtlich mit den Grünen. Das geht vielen CSU-Anhängern zu weit. Die AfD ist die „neue alte Heimat“ für sie."
(Quelle: Cicero vom 12.10.2018 'AFD VOR DER BAYERNWAHL
- „Wir sind ein wenig wie die CSU unter Franz-Josef Strauß“')

Alle irren sich?

09.03.2019 21:35 jo 110

@ Uwe # 94
"Ich für meinen Teil verabschiede mich. Das ist hier schließlich ein Kommentarforum und kein Chatroom."
Das ist schon mal eine positive Nachricht. Es wird sie auch niemand vermissen.

09.03.2019 21:24 jo 109

@ Uwe #89
"Gib einfach bei google " sachsen alle rechtsradikal " eingeben. Dann hast du viele entsprechende Schlagzeilen zu lesen."
Ach nee, seit wann interessiert sich ein AfD Mitläufer für die "Lügenpresse"?

09.03.2019 21:23 Mediator an der_Silvio(105) 108

Mensch Silvio, nun mal Butter bei die Fisch! Fülle deine Worthülsen doch endlich mal mit Inhalten. Was macht denn den angeblichen politischen Linksruck, den du und deine EINE CDU Bekanntschaft zu verspüren glauben, wohl aus? Wie weit nach Links sind Politik und Gesellschaft denn angeblich schon gerückt? Sind wir schon fast wieder bei der Diktatur des Proletariats angekommen, oder was willst du eigentlich ausdrücken?

Das einzige was beim Begriff "Links" keiner Erklärung bedarf ist, dass Links dort ist wo der Daumen rechts ist. Als politischer Begriff muss "links" durch Definitionen mit Leben erfüllt werden.
Ich und der Verfassungsschutz können dir übrigens sehr genau erklären wo der Unterschied zwischen rechtskonservativ, rechtsradikal und rechtsextremistisch ist. Kannst du uns erklären was deinen gefühlten "Linksruck" ausmacht? Wohl kaum!

09.03.2019 20:50 ein schon länger in Deutschland lebender 107

es sei mal allen von RRG gesagt, die hier immer so wohlwollend gegen Ostdeutschland hetzen,

WIR SIND Mitteldeutschland! MDR!

irgendwann klappt es auch bei euch mit dem denken! ;-)

Alle anderen sind in Mitteldeutschland herzlich willkommen.

09.03.2019 20:28 Martin Vomberg 106

@ der_Silvio Nr. 105

Dann muss ich Ihnen leider sagen, dass Sie sich in Ihrem subjektiven Eindruck offenbar ebenso irren wie Ihre CDU-Bekannte, auf die Sie sich berufen. Die Wahlergebnisse in Deutschland und in anderen europäischen Ländern sprechen da nämlich objektiv eine ganz andere Sprache und belegen bereits seit etlichen Jahren den genau gegenteiligen Trend!

09.03.2019 19:43 der_Silvio 105

@102 Detektor; "Obwohl er unter einem Vornamen postet möchte seine Durchlaucht gesiezt werden."
Nö! Das hat eher etwas mit Anstand zu tun. Fremde Menschen werden nicht einfach geduzt - hab ich zumindest so gelernt.
Ihr Versuch das Zitat von Mediator zu relativieren ist lächerlich!

@103 Martin Vomberg;
Eine gute Bekannte, seit sehr vielen Jahren im CDU Landesverband Mitglied, bestätigt meine Aussage in #99. Nicht nur sie allein, sondern der Großteil des Landesverbandes.

09.03.2019 19:24 ralf meier 104

@Lügendetektor 95

" Aber ein riesen Hakenkreuz finden Sie jetzt vermutlich auch nicht schlimm? Richtig?"

Also wer das Symbol der Nazi Barbarei riesengroß an eine Wand malt, zeigt damit, das er außerhalb des demokratischen Spektrums steht. Der letzte Fall, von dem ich hörte, war das Ansprühen eines blauen Hakenkreuzes an die Fassade des Büros eines Mitgliedes der AfD-Landtagsfraktion. Dieser Anschlag wurde laut Bericht der Enquete-Kommission Linksextremismus im Landtag von Sachsen wird als „politisch rechtsmotiviert“ eingestuft. Schon wieder sind wir beim Thema Statistik .

09.03.2019 19:00 Martin Vomberg 103

@ der_Silvio 99

"Politik und Gesellschaft bewegen sich seit Jahren nach links, daß können sie gern leugnen, bringt aber nix."

Aber sicher doch! Das kann man besonders schön auch an diesem mdr-Artikel ablesen und an den Wahlergebnissen für bestimmte rechte Parteien vor allem in Mitteldeutschland. ,.-))) Und fragen Sie doch spaßeshalber mal bei der LINKS-Partei oder der SPD nach: Die werden Ihren 'Links-Befund' ganz bestimmt bestätigen können!

09.03.2019 18:46 Lügendetektor 102

@Silvio(99):

Obwohl er unter einem Vornamen postet möchte seine Durchlaucht gesiezt werden. Konsequent! *eyeroll*

Hab mal kurz das Zitat vom Mediator nachgegoogelt. Haben Sie doch glatt die Passage danach weggelassen:
"Wenn man dann in Betracht zieht, dass die Gruppe der Flüchtlinge nur einen Bruchteil der Ausländer in Sachsen ausmacht, dann wird vollends klar, dass gewisse Menschen [!] hier zu massiven Übertreibungen neigen."
Gewisse Menschen =/= ALLE Sachsen. Aber gewisse Menschen meinen ja auch für "DIE Sachsen" oder "DAS Volk" zu sprechen. Tun sie nicht.

Sonst noch Zitate? Uwe meinte ja, dass die Presse voll mit "alle Sachen sind Nazis" Schlagzeilen sind. Gesehen hab ich noch keine...

Mehr aus Sachsen

Europawahl Stimmzettel Querformat 1 min
Bildrechte: imago images / Jürgen Schwarz

Bei der Europawahl wird am Sonntag das Europäische Parlament gewählt. Wie gewählt wird, erklären wir hier.

Mi 22.05.2019 18:26Uhr 00:48 min

https://www.mdr.de/sachsen/politik/video-303088.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video