13.03.2020 | 10:33 Uhr Reisen in Zeiten von Corona  -  Schwerpunkt Individualreisen

Die Corona-Epidemie trifft die Touristik-Branche hart und Kunden müssen sich gut überlegen, ob und wohin sie eine Reise antreten. MDR SACHSEN hat mit Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen über rechtliche Fragen gesprochen.

Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen
Claudia Neumerkel, Verbraucherzentrale Sachsen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wie sieht es aus, wenn Kundinnen oder Kunden ihre Reise nicht mehr antreten wollen, zum Beispiel aus Sorge, sich unterwegs anzustecken?

Der Reisende kann jederzeit vor Beginn der Reise generell vom Vertag zurücktreten. Er muss dann eventuell Stornokosten zahlen. Wer sich dabei auf höhere Gewalt berufen will, muss etwas Recherche betreiben: Reisende sollten sich genau informieren, wie die Lage am Reiseort ist und sollten auch Beweise dafür aufführen und sammeln. Das könnten zum Beispiel Videomitschnitte sein oder amtliche Pressemeldungen, regionale Pressemeldungen, eventuell auch in fremder Sprache, und ebenso Hinweise des Robert-Koch-Instituts oder die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes.

Angenommen, ich habe mein Reiseland auf der Seite des Auswärtigen Amtes als Risikoregion entdeckt und es wurde eine Reisewarnung ausgegeben. Und ich bin Individualreisender. Was kann ich dann tun? 

Koffer packen
Individualreisende sind rechtlich schlechter gestellt als Pauschalurlauber Bildrechte: Colourbox

Ja, als Individualreisender stellt sich die Frage, ob ich schon relativ frühzeitig Kontakt mit meinem Reiseveranstalter beziehungsweise mit meiner Airline oder auch mit meinem Hotel aufnehme, und dort um Stornomöglichkeiten bitte, beziehungsweise auch nach Kulanz frage. Es lohnt sich dann auch immer noch mal ins Kleingedruckte zu schauen, in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Es gibt durchaus Möglichkeiten, EU-weit auf Grund von höherer Gewalt zu stornieren - in Spanien und Italien es gibt es die. Auch in Deutschland bieten einige Hotels kostenfreie Stornomöglichkeiten bis zu einem gewissen Zeitpunkt an. Aber generell ist zu sagen, dass die Individualreisenden natürlich sehr viel schlechter gestellt sind, weil sie nicht dieses Rundum-Sorglos-Paket haben wie bei Pauschalreisen. 

Einen rechtlichen Anspruch hat man trotz der Reisewarnung also nicht? 

Nein, also einen richtig rechtlichen Anspruch hat man leider nicht aufgrund der deutschen Gesetze. Denn der Reisezweck, die Erholung oder das Anschauen von Sehenswürdigkeiten oder die Teilnahme an irgendwelchen Events, die ist ja hier nicht an irgendwelche Flugtickets oder Bahntickets oder Hotels gekoppelt, sondern man hat sie zusätzlich hinzugebucht. Und deswegen besteht ja diese Schwierigkeit.

Angenommen, der Chef sagt, er möchte nicht, dass seine Mitarbeiterin oder sein Mitarbeiter die Reise antritt. Verlangen kann er das nicht, aber sollte man dann den Urlaub antreten, muss man bei der Rückkehr wahrscheinlich in Quarantäne. Muss ich als Individualurlauber die Kosten einer nicht angetretenen Reise nun selbst tragen? Oder kann ich mich da mit meinem Chef irgendwo einigen, dass er einen Teil der Kosten übernimmt? 

Auf jeden Fall könnte man das versuchen. Ja, es kommt immer darauf an, wer der Arbeitgeber ist, ob hier nach dem Infektionsschutzgesetz irgendwelche Maßnahmen verordnet wurden, oder ob der Arbeitgeber irgendwelche freiwilligen Möglichkeiten hat. Aber die Kommunikation darüber ist auf jeden Fall der beste Weg. 

Wann greift denn eine Reiserücktrittversicherung? Wenn ich die Reise auf Grund des Coronavirus nicht antrete oder nur wenn ich selbst erkrankt bin? 

Die Versicherung greift nur, wenn ich selbst erkrankt bin, beziehungsweise die Personen, die in der Reisebuchung mit involviert waren, ernsthaft erkrankt sind und die Reise nicht antreten können. Dann gilt auch die Reiserücktrittsversicherung. 

Was ist, wenn ich schon im Urlaub bin und die Quarantäne über ein Hotel oder Kreuzfahrtschiff verhängt wird, beziehungsweise über den gesamten Urlaubsort? Wen muss ich informieren, was wird mit der Rückreise und meiner Arbeit? 

Es gilt natürlich immer in erster Linie, den Arbeitgeber zu informieren. Und dann muss geschaut werden, welche Maßnahmen hier greifen, das ist pauschal relativ schwer zu beantworten. Es kommt immer darauf an, ob ich dort in der Tat erkranke und ich mich krankschreiben lassen muss.

Bei einer Pauschalreise sind die Kosten für die Rückfahrt gesetzlich festgelegt. Die trägt immer der Reiseveranstalter. Bei Individualreisen habe ich hier leider auch Pech als Kunde und muss mich notfalls selbst kümmern, um wieder nach Hause zu kommen. 

In welche Länder sollte man momentan denn eigentlich überhaupt nicht reisen? 

Na ja, es liegt auf der Hand, dass die Reisewarnungen beziehungsweise auch die Hinweise, die sowohl das Auswärtige Amt als auch das Robert-Koch-Institut herausgeben, schon eine ziemlich deutliche Handhabe sind. Oder ein deutlicher Hinweis, dies zu unterlassen. 

Sollte man momentan aus Sicherheitsgründen vielleicht erst mal eine ganze Weile aufs Reisen komplett verzichten? 

Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Natürlich hat man auch als Reiseindividuum eine gewisse Fürsorgepflicht - auch was die Gesellschaft und die Mitbürger betrifft.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.03.2020 | 13:20 Uhr

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