Die Lampen einer Lokomotive
Das DB-Museum in Nürnberg lässt einen Triebwagen der Deutschen Reichsbahn zunächst äußerlich aufarbeiten. Bildrechte: MDR/L. Müller

Ostzug trifft Westzug im Museum Legendärer "Görlitz"-Triebwagen vor seiner Renaissance?

Sie rollten einst als "Karlex" und "Vindobona" jeden Tag durch Sachsen - die Expresstriebwagen der Bauart "Görlitz". Vielleicht fährt ein Triebwagen bald als wieder Traditionzug, noch steht er im Museum in Nürnberg. Dort trifft er zum ersten Mal direkt auf seinen "West-Kollegen", den "TransEuropExpress".

von Lars Müller

Die Lampen einer Lokomotive
Das DB-Museum in Nürnberg lässt einen Triebwagen der Deutschen Reichsbahn zunächst äußerlich aufarbeiten. Bildrechte: MDR/L. Müller

Der legendäre Reichsbahn-Schnelltriebwagen der Bauart "Görlitz" könnte in einigen Jahren wieder aus eigener Kraft über die Gleise rollen. Der Direktor des Nürnberger Verkehrsmuseums, Oliver Götze, sagte MDR SACHSEN, technisch sei dies definitiv machbar. Nötig sei allerdings das Engagement von Partnern, die eine vermutlich benötige zweistellige Millionen-Summe für Aufarbeitung, Wiederinbetriebnahme und Zulassung aufbringen müssten. Das Museum als Besitzer des Dieseltriebzugs könne die Summe nicht alleine zahlen. Es wird von der Deutsche Bahn-Stiftung getragen. Götze verwies auf das große Interesse von Bahnfans an diesem Zug, vor allen Dingen im Osten Deutschlands. Als "Vindobona" nach Wien oder als "Karlex" nach Karlovy Vary rollten die Expresszüge einst durch Sachsen.

Bildergalerie Triebwagen der Reichsbahn und der Bundesbahn im Museum

Die Deutsche Reichsbahn der DDR und die Deutsche Bundesbahn hatten einst moderne Dieseltriebwagen für internationale Verbindungen beschafft. Als Museumszüge stehen beide erstmals nebeneinander.

Ein Mann steht vor einem Zug
Michael Krawinkel war viele Jahre für die Wartung der Reichsbahn-Triebwagen in Berlin-Karlshorst zuständig. Für das DB Museum in Nürnberg hat er ein Konzept erarbeitet, wie einer der Züge wieder schrittweise in Betrieb genommen werden könnte. Wer die Kosten übernimmt, steht aber noch nicht fest. Bildrechte: MDR/L. Müller
Ein Mann steht vor einem Zug
Michael Krawinkel war viele Jahre für die Wartung der Reichsbahn-Triebwagen in Berlin-Karlshorst zuständig. Für das DB Museum in Nürnberg hat er ein Konzept erarbeitet, wie einer der Züge wieder schrittweise in Betrieb genommen werden könnte. Wer die Kosten übernimmt, steht aber noch nicht fest. Bildrechte: MDR/L. Müller
Rot-blaue Sitze in einem leeren Zugabteil
Die Triebwagen der Deutschen Reichsbahn hatten in der 2. Klasse moderne Großraumabteile, ein Teil der Sitze war je nach Fahrtrichtung drehbar. Bildrechte: MDR/L. Müller
Eine Lokomotive
Mit seiner markanten Form wurde der Schnelltriebwagen der Bauart "Görlitz" auch schon für Werbezwecke von Firmen gebucht. Bildrechte: MDR/L. Müller
Eine offene Zugtür
Ostalgie besprühen die robusten Klapptüren der Express-Triebwagen. Bildrechte: MDR/L. Müller
Die Küche eines Zuges
Jeder Expresszug führte einen Restaurantwagen mit, gekocht wurde frisch in einer voll ausgestatteten Küche. Bildrechte: MDR/L. Müller
Speiseraum steht zwischen den Fenstern eines Wagons
Bewirtet wurden die Gäste im sogenannen "Speiseraum". Bei Andrang wurde nach Reservierung platziert. Bildrechte: MDR/L. Müller
Der Führerstand einer Lokomotive
Spartanisch ginge es im Führerstand bei der Deutschen Reichsbahn zu ... Bildrechte: MDR/L. Müller
Der Führerstand einer Lokomotive
... aber auch die Triebwagenführer bei der Deutschen Bundesbahn hatten nicht allzu viel Platz im "Cockpit". Bildrechte: MDR/L. Müller
Eine Lokomotive
Der TEE-Triebzug der Bundesbahn fuhr nach Italien, Frankreich, in die Schweiz und in den Benelux-Raum. Bildrechte: MDR/L. Müller
Blaue Sitze in einem leeren Zugabteil
Gediegen und plüschig wirkt die 1. Klasse im Triebwagen der Deutschen Bundesbahn. Bildrechte: MDR/L. Müller
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Bis 2003 wurden mit dem letzten verbliebenen Zug noch Sonderfahrten veranstaltet, seither steht er still. Seit dem Wochenende wird der windschnittige Dieseltriebwagen zum ersten Mal direkt neben seinem Pendant der Deutschen Bundesbahn, dem TEE-Triebwagen ("TransEuropExpress"), im Nürnberger Museum präsentiert. Fahrfähig ist er derzeit ebenso wenig wie sein "West-Kollege". Auch der TEE-Zug sollte vor einigen Jahren unter Regie der Deutschen Bahn AG wieder fit gemacht werden. Als sich dieses Vorhaben jedoch als Fass ohne Boden erwiesen hat, zog die Konzernspitze die Notbremse.

Luxuriöse Zugfahrten nach Mailand oder Kopenhagen

Die Bundesbahn-Triebwagen liefen im westeuropäischen TEE-Netz nach Amsterdam, Paris, Zürich, Mailand oder Antwerpen. Die Reichsbahn-Triebwagen steuerten Ziele wie Malmö, Kopenhagen, Wien oder Karlovy Vary (Karlsbad) an. Begegnet sind sich die Ost- und Westtriebwagen im Alltag nie. Eines hatten beide Züge aber gemeinsam: Die Reisenden wurden nicht als "Beförderungsfälle" behandelt, sondern als Gäste von zuvorkommenden Mitarbeitern betreut. Bei der Deutschen Reichsbahn gab es zeitweise sogar Zugstewardessen. Für die DDR war der Zug zugleich Devisenbringer, weil mit ihnen insbesondere West-Berliner im Transit durch die DDR nach Skandinavien oder Österreich reisten.

Mit zunehmender Elektrifizierung der Strecken wurden die Dieseltriebwagen verzichtbar und verkehrten bald nur noch im Inlandsverkehr – bei der Bundesbahn als Intercitys oder Reisebüro-Sonderzüge in Urlaubsregionen. Die Deutsche Reichsbahn ließ ihre Triebwagen im Messe-Sonderverkehr zwischen West-Berlin und Leipzig sowie als Schnellzug zwischen Berlin und Bautzen ihr Gnadenbrot verdienen. Eisenbahner nannten die letzte Verbindung übrigens augenzwinkernd "Sorben-Express".

Wichtigste Einsätze des Schnellverbrennungstriebwagens "Görlitz"
Zugname Strecke
"Vindobona" Berlin - Dresden - Prag - Wien
"Karlex" Berlin - Leipzig - Plauen - Karlovy Vary
"Karola" Leipzig - Plauen - Karlovy Vary
"Neptun" Berlin - Kopenhagen (mit Fähre Warnemünde - Gedser)
"Berlinaren" Berlin - Malmö (mit Fähre Sassnitz - Trelleborg)
als Schnellzug Berlin - Hoyerswerda - Bautzen
als Messesonderzug Berlin (West) - Leipzig

Nach der Wende waren die Züge noch gelegentlich als historische Sonderzüge unterwegs. Zur Abschiedsfahrt des Reichsbahn-Zugs 2003 spielten sich entlang der Strecken insbesondere in Sachsen emotionale Szenen ab. Michael Krawinkel, der bei der Deutschen Reichsbahn viele Jahre für die Wartung der Triebwagen in Berlin zuständig war, sagte, es sei beeindruckend gewesen, wie sich die Menschen im Vogtland und der Sächsischen Schweiz diesem Zug verbunden fühlten. Viele Jahre brausten die Triebzüge tagtäglich auf ihrer Fahrt nach Karlsbad und Wien durch die beiden Regionen.

Ost - West Reichsbahn-Zug trifft "TransEuropExpress"

Der Expresstriebwagen der Reichsbahn und der Bundesbahn weisen optisch durchaus Ähnlichkeiten auf.

Eine Lokomotive
Bildrechte: MDR/L. Müller
Eine Lokomotive
Bildrechte: MDR/L. Müller
Eine Lokomotive
Bildrechte: MDR/L. Müller
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Unterstellmöglichkeit für Winter gesucht

Derzeit sucht das Nürnberger Museum der Bahnstiftung nach einer wetterfesten Unterstellmöglichkeit für den früheren Reichsbahn-Zug. Neben den zwei Triebwagen sind noch vier Mittelwagen im Bestand des Museums. Der TEE-Triebwagen ist am Museumsstandort Koblenz beheimatet und kann dort im Winter gesichert untergestellt werden. Museumschef Götze sagte, Ziel sei es, den Zug der einstigen Deutschen Reichsbahn in den kommenden Jahren auch einmal in seiner früheren Heimat zu zeigen. Das Museum unterhält beispielsweise auch in Halle an der Saale einen Standort. Da der Zug nicht selbst fahren kann, sei der Transport allerdings aufwendig und müsse länger geplant werden. Zudem fallen Trassengebühren und Gebühren für das Ausstellen auf Bahnhöfen an.

Baureihe VT 18.16 "Görlitz" Die Triebwagen der Baureihe VT 18.16 "Görlitz" wurden zwischen 1963 und 1968 beim VEB Waggonbau in Görlitz montiert. Insgesamt waren bis zu acht Züge im Einsatz. Alle waren in Berlin stationiert. Sie erreichten Höchstgeschwindigkeiten bis 160 Kilometer pro Stunde. Eingesetzt wurden die Triebzüge mit bis zu vier Mittelwagen - mit den beiden Triebköpfen sechsteilig - entsprechend der Nachfrage. Züge mit Fährpassage nach Skandinavien waren stets vierteilig unterwegs, damit sie auf die Fährschiffe passten.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.07.2018 | 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz und 09:30 Uhr aus dem Studio Dresden

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Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2018, 10:48 Uhr

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3 Kommentare

31.07.2018 11:31 Siegfried Anisch 3

Als Leiter der Versuchsabteilung im Gelenkwellenwerk Stadtilm habe ich Ende der 1960er Jahre an der Erprobung der Antriebs-Gelenkwellen der SVT gemeinsam mit den Kollegen des Waggonbau Görlitz und dem Institut für Schienenfahrzeuge Berlin-
Adlershof mitgewirkt. Das war ein interessanter und unvergesslicher Abschnitt in meinem Berufsleben.
Eine "Wiederbelebung" des VT18.16 würde ich sehr begrüßen.
Dr.-Ing. S. Anisch, Freital

30.07.2018 21:43 Volker Dau 2

Darf ich die Montage DR/DB-Zug kostenfrei mit Quelle für eigene Berichte verwenden?Beste Grüße und Glück Auf aus Bochum, Volker Dau,freier Journalist

30.07.2018 08:47 Bernd 1

Aha der VT 18.16 trifft auf den TEE Triebwagen. ja aber welchen denn, den VT 08, den VT 11.8, den RAm oder gar den RAe? Aha entsprechend der Bilder ist es dann der VT 11.5. Hätte man ja auch schreiben können, oder?

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