17.03.2020 | 17:22 Uhr Handelsverband Sachsen: "Brauchen ein Zuschussprogramm"

Der Geschäftführer des Handelsverbandes Sachsen, Rene Glaser, spricht über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Einzelhandel. Er fordert ein Zuschussprogramm für Einzelhändler.

Ein Junge in der Spielwarenabteilung eines Kaufhauses
Ab Donnerstag bleiben in Sachsen viele private Geschäfte geschlossen. Für Unternehmer bedeutet das Umsatzeinbußen. Bildrechte: imago/HRSchulz

Herr Glaser, gibt es bereits Auswirkungen der Krise auf den Einzelhandel?

Wir haben in den vergangenen Tagen drastische Frequenzeinbrüche und massive Nachfrageausfälle erlebt. Das hängt damit zusammen, dass zahlreiche Touristen aufgrund stornierter Reisen die Städte nicht mehr erreicht haben. Die Einwohner sind zurückhaltend, es gab die Absage von Veranstaltungen. Auch die Kunden aus dem Ausland fehlen uns, gerade die Tagestouristen aus Tschechien und Polen. Das haben wir in den vergangenen Tagen schon massiv gespürt. Wenn jetzt die Schließungsverfügung kommt, wird es weitere drastische Auswirkungen geben, bis hin zu Insolvenzen.

Welche Hilfen werden nötig sein?

Wir haben verschiedene Instrumente und Bausteine. Zum Beispiel das Kurzarbeitergeld, Instrumente der Bürgschaftsbank und steuerliche Hilfsangebote. Auch die Gewerbeämter der Städte kommen uns hier entgegen. Aber das sind alles Bausteine, die zwar in die richtige Richtung gehen, die echte Hilfe bringt aus unserer Sicht aber nur ein Zuschussprogramm, das unbürokratisch und schnell hilft. Der Einzelhandel hat in den letzten Jahren eine sehr große Strukturveränderung erlebt. Das hängt mit dem Online-Handel zusammen, mit der demographischen Entwicklung und dem veränderten Einkaufsverhalten. Deshalb war es in den vergangenen Jahren schon nicht möglich, Betriebsmittelrücklagen aufzubauen. Deshalb hilft aus unserer Sicht hier nur ein Zuschussprogramm. Verbindlichkeiten, wie Miete, Pacht und Lieferantenverbindlichkeiten laufen weiter. Und die müssen abgefangen werden.

Wirtschaftsminister Altmaier hat gesagt, wir werden Schulden machen und alles tun um zu helfen. Haben ihre Mitglieder Vertrauen in diese Versprechungen?

Von Bundeswirtschaftsminister Altmaier habe ich gestern das Versprechen vernommen, dass kein einziger Arbeitsplatz verloren geht. Genau an diesem Versprechen muss sich die Politik und der Bundeswirtschaftsminister messen lassen. Ich vertraue jetzt darauf dass wir unbürokratisch und schnell Hilfe bekommen. Ansonsten wäre das Vertrauen tatsächlich erheblich beeinträchtigt. Aber ich vertraue auf das Versprechen, denn es wurde schließlich gestern öffentlich verkündet.

Quelle: MDR/nj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.03.2020 | 09:40 Uhr

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