04.08.2019 | 10:51 Uhr Internet und kostenfreies WLAN in Seniorenheimen kein Standard in Sachsen

Zwei Bewohnerinnen beschäftigen sich im Seniorenheim Käthe-Richter-Haus mit ihrem Tablet. In Seniorenheimen fristete das Internet ein Nischendasein. Doch die Pflegeeinrichtungen denken um - auch weil sich ihre Kundschaft verändert.
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Seniorenheime in Sachsen haben immer häufiger Internet, aber Bewohner nutzen die Angebote wenig. Das Internet spiele in Heimen zunehmend eine größere Rolle, bestätigte die Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt in Sachsen, Ulrike Novy. Sie verwies auf therapeutische Möglichkeiten. So gebe es ein Projekt, bei dem Menschen mit Demenz bei Musikvideos mitsingen könnten, Fotos zur Erinnerung und Rätsel gezeigt würden. Auch Video-Sprechstunden der Heimbewohnern mit einem Arzt würden so einfacher. Wie gut alle Seniorenresidenzen in Sachsen mit Internet ausgestattet sind, ist nicht bekannt.

Senioren mailen und suchen Infos im Netz

Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen verwies auf eine bundesweite Umfrage. 2018 hatte nur etwas mehr als ein Drittel (37 Prozent) von 575 befragten Pflegeheimen ihren Bewohnern WLAN angeboten. Kostenloses Netz gab es demnach nur bei 6 Prozent. Dabei wird das Internet für Senioren Studien zufolge immer interessanter: Sie nutzen das Internet vor allem für E-Mail-Kommunikation und zu Informationssuche. So recherchierten 85 Prozent der Internetsurfer ab 65 Jahren im Netz nach Informationen zu Waren und Dienstleistungen, 67 Prozent lasen Online-Nachrichten und -Zeitungen.

Pflegebedürftige kaum Interesse am Internet

Eine Frau spielt im Seniorenheim mit ihrem Tablet Mahyong.
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"Bei Sanierungen wird Internet nachgerüstet. In Neubauten ist es vorhanden", sagte der DRK-Sprecher in Sachsen, Kai Kranich. Das DRK betreibt in Sachsen 34 stationäre Seniorenheime mit rund 2.600 Plätzen und 2.100 Mitarbeitern. Durch ambulante Pflegedienste könnten viele Menschen bis ins hohe Alter zu Hause leben, erklärte Kranich, gab aber zu bedenken: Wenn sie dann in die Senioren-Residenzen kämen, seien viele von ihnen sehr pflegebedürftig. "Das Interesse dieser Menschen, im Internet zu surfen oder zu kommunizieren ist in der Regel gering."

In einen Heim in Freital bei Dresden können sich die Bewohner in ihren Zimmern einen Internet-Router installieren lassen, 5 von 116 Bewohnern hätten davon Gebrauch gemacht. Ähnlich die Lage in Dippoldiswalde: nur eine Anfrage dafür. Im Raum Döbeln-Hainichen hingen nutzten Bewohner das Internet, um mit ihren Angehörigen im Ausland in Kontakt zu bleiben. "Dennoch wird das Internet vor allem für die Betreuer immer wichtiger", sagte Kranich. So lasse sich über das Internet unkompliziert ein Video-Sprechstunden beim Arzt organisieren.

Hallo-Oma-App für Technik-Ängstliche

Laut dem privaten Heim-Betreiber K&S haben in dessen Seniorenresidenzen alle Zimmer einen internetfähigen Telefonanschluss. Künftig solle an zentralen Orten wie der Cafeteria frei zugängliches WLAN installiert werden, hieß es. Bei weniger technikaffinen Bewohnern sei die "Hallo-Oma"App des Betreibers sehr beliebt: Mit der könnten Verwandte und Freunde den Bewohnern auf digitalem Weg Nachrichten und Fotos senden. Die würden dann für die Empfänger in Papierform ausgedruckt.

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.08.2019 | 12:00 Uhr

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