06.06.2020 | 14:37 Uhr | Update Rechtsextreme wollen sich als Bundeswehrreservisten auf "Rassenkrieg" vorbereiten

Marschierende Soldatinnen und Soldaten.
Die Mitglieder der Onlinegruppe, die sich auf einen "Rassenkrieg" in Deutschland vorbereitet, sind zum größten Teil Reservisten der Bundeswehr. Bildrechte: imago/Deutzmann

Mehrere Reservisten der Bundeswehr wollen sich offenbar auf einen vermeintlichen "Rassenkrieg" vorbereiten. Wie die "taz" berichtet, soll die Internetgruppe seit 2015 aktiv sein und sich unter anderem über die Beschaffung von Waffen ausgetauscht haben. Zudem sei ein Dorf in Nordsachsen als Rückzugsort geplant. Dort wolle man sich im Krisenfall verbarrikadieren und militärisch verteidigen.

Regelmäßige Schießtrainings

In den geleakten Facebookchats fänden sich zahlreiche rassistische Äußerungen, so die "taz". Vor dem Hintergrund des Zuzugs von Flüchtlingen sprachen die Männer und Frauen demnach von einem kommendem "Rassenkrieg". Es sei auch über eine teils illegale Beschaffung von Waffen und Munition gesprochen worden. Außerdem habe es regelmäßige Schießtrainings gegeben.

Auch die "Unterwerfung" des Dorfes in Nordsachsen sei diskutiert worden. "Also nicht nur, dass sie sich da selber zurückziehen wollen, um sich selber abzusichern", sagt Christina Schmidt vom "taz"-Rechercheteam. "Sie wollen dann auch dieses Dorf übernehmen und das mit Waffengewalt."

Mitglieder gehören zum rechtsextremen Spektrum

Mitglieder der Gruppe aus Sachsen und Sachsen-Anhalt seien dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen. Wie die Zeitung weiter berichtet, gibt es auch Bezüge zur AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, zu einer Burschenschaft in Leipzig sowie zum Reservistenverband Sachsen. Mitglieder der Gruppe hätten regelmäßig bei Pegida in Dresden und dem Leipziger Ableger Legida demonstriert.

"Das sind alles Männer, die aus anderen Kontexten bereits bekannt sind", erzählt Christina Schmidt vom "taz"-Rechercheteam. "Die Männer dieser Gruppe kennen sich alle aus einer Burschenschaft, das ist die Germania Leipzig." Das sei eine Burschenschaft, die bereits durch ihre guten Verbindungen in die rechtsextreme Szene aufgefallen sei.

AfD-Fraktionsmitarbeiter ebenfalls Mitglied

Aus den Chat-Unterhaltungen geht hervor, dass die Männer ihren Reservistenstatus gezielt für ihre private Kampfvorsorge nutzen wollten, so die "taz". In einer Nachricht soll der spätere AfD-Fraktionsmitarbeiter und Reserveoffizier Michael S. einen Freund aus der Gruppe motiviert haben, sich ebenso als Reservist zu melden.

Michael S. sei seit mindestens 2012 Funktionär des Reservistenverbandes Sachsen, des ehrenamtlichen Teils der Reservistenorganisation. "Gottlob hat Mitteldeutschland bei so manchem Kanaken keinen so tollen Ruf und zudem nicht die gewachsene Kanakeninfrastruktur wie im Westen … Volk will eben am liebsten zu Volk …", schrieb er laut "taz" in einem der Chats.

Verteidungsministerium arbeitet mit Hochdruck an Aufklärung

Das Verteidigungsministerium erklärte, man arbeite mit Nachdruck an der Aufklärung. "Uns ist die Berichterstattung bekannt, und wir haben umgehend mit Überprüfungen der Angaben begonnen", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. "Derzeit liegen noch keine Ergebnisse vor. Wir nehmen den Vorgang sehr ernst und arbeiten mit Nachdruck an der vollständigen Aufklärung des Sachverhaltes."

Für Rechtsextremismus gibt es keine Toleranzräume in der Bundeswehr.

Sprecher des Verteidigungsministeriums

Aufgrund rechtsextremer Vorkommnisse rund um die Preppergruppe "Nordkreuz" in Norddeutschland wurde bereits 2017 eine Arbeitsgruppe vom Bundesamt für Verfassungsschutz und dem Militärischen Abschirmdienst, dem Bundeswehrgeheimdienst, gebildet.

"Prepper" "Prepper" versuchen sich mit Vorräten auf ein weitgehend autarkes Leben während einer schweren Krise oder dem Zusammenbruch staatlicher Strukturen vorzubereiten. Dafür wird von manchen "Preppern" auch der Einsatz von Schusswaffen eingeplant.

Linken-Landtagsabgeordnete Köditz stark beunruhigt

"Das ist äußerst alarmierend: Mitglieder einer extrem rechten Burschenschaft in Leipzig sollen Vorbereitungen für einen ,Tag X' und Planungen für einen ,Rassenkrieg' betrieben sowie konkrete Kampfhandlungen besprochen haben", sagt die für Innenpolitik zuständige Linken-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz. "Ich erwarte von der Staatsregierung, diese groben und gefährlichen Versäumnisse zu korrigieren und endlich genau hinzuschauen." Es gehe nicht nur um "Spinnereien in einem Chat", sondern um Planungen für einen Bürgerkrieg.

Was mich aber am meisten beunruhigt ist die Tatsache, dass sächsischen Behörden und insbesondere dem Landesamt für Verfassungsschutz das alles entgangen sein soll und die Beteiligten bis heute völlig unbehelligt blieben.

Kerstin Köditz Sächsische Landtagsabgeordnete Die Linke

Das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen, der Reservistenverband und das sächsische Innenministerium waren bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Quelle: MDR/al/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.06.2020 | 10:00 Uhr in den Nachrichten

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