Saupsdorf Drohne
Bildrechte: MDR/Unser Dorf hat Wochenende

Ab ins Dorf Sachsen vergibt Sonderdarlehen fürs Bauen auf dem Land

Die sächsische Regierung fördert Wohneigentum im ländlichen Raum künftig mit 40 Millionen Euro pro Jahr. Eine entsprechende Richtlinie hat das Kabinett am Dienstag beschlossen. Auf diese Weise sollen vor allem junge Familien angesprochen werden, die aufs Land ziehen wollen, verkündete Sachsens Innenminister Roland Wöller. Er hofft, nicht nur das Leben auf dem Dorf zu aktivieren, sondern gleichzeitig den Druck aus dem angespannten Wohnungsmarkt in den Großstädten zu nehmen.

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Was beinhaltet die Förderung?

Es geht um die Möglichkeit, bei der Sächsischen Aufbaubank ein zinsgünstiges Darlehen zu beantragen. Im Moment liegt der Zins bei 0,75 Prozent. Der Abschluss des Darlehens beinhaltet zusätzlich eine feste Zinsbindung über eine Laufzeit von 25 Jahren. So soll dem Nutznießer eine besondere Sicherheit bei seiner Finanzplanung gegeben werden, heißt es in einer Erklärung des Innenministeriums.

Wofür kann man das Geld verwenden?

Gefördert wird der Hausbau sowie der Kauf und die Erweiterung von bestehenden Immobilien mit einem Darlehen zwischen 10.000 und 80.000 Euro. Außerdem kann ein Förderdarlehen zwischen 8.000 und 40.000 Euro für die Sanierung bestehenden Wohneigentums beantragt werden. In allen Fällen wird vorausgesetzt, dass der Wohnraum ausschließlich für den Eigenbedarf genutzt und nicht weitervermietet wird.

Wer profitiert davon?

Das Förderung ist für Menschen aus der Mittelschicht attraktiv, die mit dem Gedanken spielen, dauerhaft in einem Haus auf dem Land zu leben. Auch soll sie Ältere unterstützen, die ihre Wohnungen auf dem Land sanieren oder altersgerecht umbauen wollen. Dabei darf das Jahreseinkommen eines Antragstellers 60.000 Euro nicht übersteigen. Bei Lebenspartnern muss das Jahreseinkommen in Summe unter 100.000 Euro liegen, um den zinsgünstigen Kredit in Anspruch nehmen zu können. Familien mit Kinder können etwas mehr verdienen. Hier erhöht sich der Betrag pro Kind um 10.000 Euro. Das Darlehen des Freistaates kann im Übrigen mit dem Baukindergeld des Bundes kombiniert werden.

Was heißt ländlicher Raum?

Förderfähig sind alle Bauvorhaben, die außerhalb der Großstädte liegen. Es zählt die Gebietszugehörigkeit. Das bedeutet aber auch, dass in Großstädte eingemeindete Dörfer aus der Förderung herausfallen. So ist beispielsweise die fast 20 Kilometer von Dresden entfernte 580-Einwohner-Ortschaft Eschdorf aufgrund der Zugehörigkeit zur Landeshauptstadt kein ländlicher Raum mehr.

Wie lange gilt das Programm?

Das Programm ist zunächst für zwei Jahre vorgesehen und soll im Zuge des Haushaltsbeschlusses für die Jahre 2019/2020 umgesetzt werden. Das Geld kommt aus dem Wohnförderungsfonds des Freistaates.

Kontra: Grüne fürchten weitere Zersiedelung

Als Gießkannenförderung für Häuslebauer kritisiert die Landtagsfraktion der Grünen das neue Programm. Hier werde der Startschuss für eine Zersiedelung Sachsens gegeben, sagt der Fraktionsvorsitzende Wolfram Günther. Er befürchtet viele Neubauten auf grüner Wiese, die zu einer noch geringeren Auslastung der Infrastruktur führten. In der Folge würden langfristig Wassernetze, Abfallversorgung und Nahverkehr teurer. "Alle Bemühungen der letzten Jahre, unsere Innenstädte und Ortskerne zu erhalten und zu stärken, werden durch die Förderrichtlinie konterkariert", erklärt der Grünen-Politiker.

Pro: Regierung sieht Wohneigentum auch als Alterssicherung

Verfallendes Haus an einer Straße
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„Jede Familie und jede Person, die sich mit Wohneigentum an eine kleinere Gemeinde bindet, trägt zur Zukunft des ländlichen Raumes bei", meint hingegen Sachsens Innenminister Wöller.

Wohneigentum sei darüber hinaus die beste Altersvorsorge und trage insbesondere im ländlichen Raum dazu bei, dass unter Umständen mehrere Generationen unter einem Dach, auf einem Grundstück oder in unmittelbarer Nähe zueinander leben könnten. Das wiederum werde auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für viele junge Menschen erleichtern, betonte der Minister.

Neue Förderung löst nicht Leerstand beim kommunalen Wohnungsbau

Albrecht Pallas, wohnungspolitischer Experte der SPD-Landtagsfraktion, sieht die neue Förderrichtlinie als einen Schritt in die richtige Richtung, um mehr Menschen im ländlichen Raum zu halten. Es sei ein Anfang. "Perspektivisch müssen wir auch in den Landkreisen mehr für die kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen und damit auch für Mieterinnen und Mieter tun", sagt der SPD-Politiker hinsichtlich des hohen Leerstandes in vielen kleinen und mittelgroßen Städten. "Mir ist wichtig, dass regelmäßig die Entwicklung in den Wohnungsmärkten und die Wirksamkeit unserer Förderinstrumente, beobachtet und überprüft werden“, so Pallas.

Quelle: MDR/ma/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.12.2018 | ab 15 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 15:59 Uhr

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4 Kommentare

06.12.2018 07:18 Zeitgeist 4

Wohnraum ist die beste Altersvorsorge sagt Minister Wöller. Ja stimmt wenn es funktioniert. Wie haben dann seine politischen Vorgänger gedacht, wenn der Hausbauer auf dem Land ab Ü 50 keine Arbeit fand und mit Ü 60 nach 10 Jahren " Unterernährung " dann in den Ruin ging. Echte Fachkräfte bei guter Bezahlung werden doch nur in der Region Karlsruhe und Co. Westen gesucht. Schweiz, Osterreich auch. Im Klartext dann in der Woche 1000 km pendeln? Und das zum Erhalt des Hauses auf dem Lande wo weder Bus / Zug noch fährt, kein Postamt, Arzt, Kneipe, Schule oder Laden zum Einkauf vorhanden ist ? Danke Ihr Träumer für 20 versaute Lebensjahre !

06.12.2018 03:50 Waldmännchen 3

Macht doch endlich eine Förderung in den Kleinstädten , dass die nicht aussterben, in Innenstädten ist doch schon alles da, Abwasser Wasser und baut nicht auf der grünen Wiese. Alte Häuser kostenfrei an junge Menschen abgeben, und wer Immobilien besitzt und nichts daran macht innerhalb 3 Jahre wird enteignet.Überall kaufen Menschen Häuser und lassen Sie leerstehen ob auf dem Land oder in der Stadt.

05.12.2018 19:21 Kritischer Bürger 2

Ist die ggf. noch vorhandene Dorfidylle den Politikern noch ein Dorn im Auge! Es bleibt zu hoffen das die Infrastrukturen auf dem Lande nicht viele junge Familien anregen auf ein Dorf zu ziehen. Diese Menschen, ("Neu-Dörfler") werden noch Jahre oder gar Jahrzehnte nach Einzug immer fremd bleiben, wenn diese sich nicht anpassen können oder wollen.

05.12.2018 17:45 Hardy 1

Es müssen sich halt noch Leute finden, die dann auch da wohnen wollen...
Was soll ich aufs Land ziehen, wenn ich dann jeden Tag ewig zur Arbeit und eh die Kinder durch die Gegend fahren muss. Oftmals fehlt auf den Dörfern auch noch so einiges an Infrastruktur jeglicher Art.
Statt solcher Maßnahmen sollte endlich wieder bezahlbarer und sozialer Wohnraum dort entstehen, wo die meisten Menschen wohnen möchten, also in den größeren Städten. Dort gibt es in aller Regel aber nur ausschließliche prestigekräftige Bauvorhaben und solche privater Investoren, z.B. Hotels oder Wohnungen für die obere Mittelschicht.
Man darf den Wohnungsbau nicht Spekulanten überlassen und das dann ausgleichen wollen, indem man Leuten ein bisschen was schenkt, wenn sie aufs Land ziehen. Die Preise dort sind eh günstiger und wer hinwill, kann das auch so.

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