10.06.2020 | 12:36 Uhr | Update Corona: Sachsen gibt knapp 68 Millionen Euro für Kultur und Tourismus

Marie Hänsel (Emilia Zahnlücke), Florian Sievers (Wachtmeister Meier); Kinder- und Jugendchor des Theaters Chemnitz in der Kinderoper "Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt"
Neben den staatlichen Häusern, sind es gerade die kleineren, freien und weniger finanzstarken Vereine und Kultureinrichtungen, die Hilfe benötigen. Bildrechte: Theater Chemnitz/Nasser Hashemi

Der Freistaat Sachsen will den Kultur- und Tourismusbereich in der Corona-Krise mit 68 Millionen Euro in verschiedenen Fördertöpfen unterstützen. Das sagte Kulturministerin Barbara Klepsch nach der Haushaltsklausur des Kabinetts zu. Im dem am Dienstag vorgestellten Hilfsprogramm für Kultur und Tourismus sind auch umfangreiche Hilfen für die staatlichen Kultureinrichtungen drin. Alle corona-bedingten Einnahmeverluste dieser Einrichtungen sollen damit ausgeglichen werden. Deren Verluste beziffert das Ministerium auf 17 Millionen Euro. Die seien im Gesamtpaket von 68 Millionen Euro enthalten.

Verlustausgleich für staatliche Kultureinrichtungen - für freie Szene und Kampagnen

Damit bleiben rund 50 Millionen Euro für die freien Künstler, Kultureinrichtungen und die Tourismus-Kampagnen übrig. Der Pressesprecher des Kulturministeriums, Jörg Förster, sagte MDR SACHSEN, dass der Freistaat gesetzlich dazu verpflichtet sei, Kultureinrichtungen mit staatlicher Beteiligung zur Seite zu stehen. Dazu gehören Einrichtungen wie die Semperoper, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Museum für Ärchäologie in Chemnitz und das Schlesische Museum in Görlitz.

Die Fördermittel im Detail

  • Rund 30 Millionen Euro für freie Kulturträger - darunter Theater, Festivals, Vereine
  • Rund 17 Millionen Verlustausgleich staatliche Einrichtungen
  • Rund 7 Millionen Euro Kulturstiftung des Freistaats Sachsen - im Rahmen seines Förderprogramms "Denkzeit" erhalten auch freischaffende Künstler Unterstützung
  • Rund 2 Millionen Euro für Veranstaltungsformate
  • Rund 1,5 Euro für Kinos
  • Rund 1,5 Millionen Euro für sächsische Filmprojekte
  • Rund 1,5 Millionen Euro für lokale Medien
  • Rund 5 Millionen Euro für Tourismus
  • Rund 1 Millionen für Vermarkung der sächsischen Welterbestätten

Die Gelder bedürfen noch der Zustimmung des Haushaltsausschuss der Landesregierung.

Barbara Klepsch, sächsiche Staatsministerin für Kultur und Tourismus
Barbara Klepsch, sächsiche Staatsministerin für Kultur und Tourismus will mit der Kulturförderung eine "Förderlücke" schließen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In den vergangenen Jahrzehnten haben unzählige mutige und kreative Menschen ein Netz an kulturellen und touristischen Attraktionen aufgebaut, das in seiner Dichte bundesweit einmalig ist.

Barbara Klepsch Kultur- und Tourismusministerin Sachsen

30 Millionen für freie Kulturträger

Knapp die Hälfte des Förderetats - rund 30 Millionen Euro - soll an freie Kulturträger in Sachsen gehen. Dazu gehören Freie Theater, Festivals und Vereine. "Mit diesem Rettungsschirm soll eine Förderlücke geschlossen werden", sagte Klepsch. Profitieren sollten speziell Vereine und gemeinnützige Einrichtungen, "die zur kulturellen Vielfalt" beitragen.

Blick in den Ballsaal der Schaubühne Lindenfels in Leipzig.
Die Schaubühne Lindenfels in Leipzig gehört zu den zahlreichen freien Theatern in Sachsen. Bildrechte: Schaubühne Lindenfels Leipzig

10.000 Euro pro Antragsteller

Den Angaben zufolge bekommt jeder Antragsteller einen einmaligen Zuschuss von 10.000 Euro. In begründeten Einzelfällen könnten auch bis zu 50.000 Euro gezahlt werden. Insgesamt gibt es laut Kulturministerin Klepch etwa 700 freie Kulturträger sowie eine große Zahl an freien Künstlern und Vereinen, die nicht in einem Verband organisiert sind.

Förderung für freischaffende Künstler im Programm "Denkzeit"

Freischaffende Künstler können im Programm "Denkzeit" eine Förderung beantragen, um ihre Existenz zu sichern und die Umsatzeinbußen zu kompensieren. Pro Antrag werden bis zu 2.000 Euro ausgezahlt. "Dieses Förderstipendium richtet sich vor allem an freie Künstler, die von den anderen Hilfsprogrammen nicht partizipieren konnten", sagte Klepsch. "Künstlerischen Leistungen einen Wert beizumessen, ist unser Ziel und eine gesellschaftliche Notwendigkeit". Das Bewerbungsportal für die Förderstipendien werde erst geöffnet, wenn das Geld vom Haushaltsausschuss des Freistaats bewilligt worden ist, erklärte Alexandra Schmidt, Sprecherin der Kulturstiftung.

Zwei Millionen Euro für Veranstaltungsbranche

Gefördert werden sollen laut Ministerin auch Veranstaltungsformate in Zeiten von Corona. Dies solle über das Programm "Denkzeit event" geschehen, das mit zwei Millionen Euro ausgestattet ist. "Die Politik kann nicht überall Einnahmeverluste ausgleichen. Aber wir können Impulse setzen und Ideen fördern, die uns helfen, diese für Kultur und Tourismus besonders schwere Krise zu überstehen", sagte Klepsch.

Klepsch: Ohne Unterstützung würden Kinos sterben

Unterstützung erhalten auch die Kinos in Sachsen. Durch Corona sind viele Filmproduktionen nahezu zum Erliegen gekommen, Filmstarts wurden verlegt, einige Filme wanderten sofort in Streaming-Dienste, fast zwei Monate waren die Kinos geschlossen, erklärte die Ministerin. "Ohne weitere Unterstützung würde ein Kinosterben einsetzen, vor allem im ländlichen Raum“, sagte Klepsch.

Die Schauburg in Dresden
Besonders kleinere Kinos in den Stadtteilen oder auf dem Land leiden unter den Umsatzeinbußen der Corona-Krise. Die Schauburg in Dresden hatte erst vor zwei Jahren umfassend in eine Sanierung investiert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

1,5 Millionen Euros an Kinos

Deswegen könnten Betriebe mit bis zu fünf Beschäftigten einen einmaligen Zuschuss von bis zu 9.000 Euro beantragen. Betreiber mit mehr Beschäftigten können bis zu 15.000 Euro erhalten. Die Abwicklung erfolgt den Angaben zufolge über die Sächsische Aufbaubank. Insgesamt 1,5 Millionen Euro erhalten die etwa 90 Kinos in Sachsen - zwei Drittel von Ihnen haben übrigens maximal fünf Beschäftigte. Mit ebenfalls jeweils 1,5 Millionen Euro werden laut Ministerium zudem sächsische Filmprojekte und lokale Medien bezuschusst.

Fünf Millionen Euro für Tourismus in Sachsen

Unterstützung erhält auch der Tourismus in Sachsen. "Wenngleich inzwischen wieder Touristen nach Sachsen kommen, verzeichnet die Branche enorme Verluste", sagte Klepsch. Insgesamt fünf Millionen Euro reicht der Freistaat an den Tourismus aus. Davon erhalten die acht Tourismusregionen insgesamt 2,9 Millionen Euro, "um Projekte und Ideen für die Zeit nach Corona voranzubringen".

Reaktion der Tourismusbranche

Die Tourismusbranche reagierte verhalten auf die Ankündigungen und verwies auf die Verluste, die über Monate in Hotellerie und Gaststättengewerbe hingenommen werden mussten. Auch mit Blick auf die wieder anlaufende Saison, könnten die nicht wieder ausgeglichen werde, sagte der Präsident des Landestourismusverbandes Rolf Keil.

Wir begrüßen, dass die ersten Gelder fließen. Aber im Rahmen der Haushaltsplanung müsste noch mehr Geld eingestellt werden, um die Verluste der Branche auszugleichen.

Rolf Keil Präsident des Landestourismusverbandes Sachsen

Eine Million Euro für sächsische Welterbestätten

Sachsen investiert zudem laut Klepsch eine Millionen Euro, um die Aufmerksamkeit für die sächsischen Unesco-Welterbestätten zu steigern. Eine Werbekampagne für Urlaub in Sachsen unterstützt das Land mit 900.000 Euro. Rund 200.000 Euro sind für den Sachsen-Auftritt auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) 2021 und 2022 eingeplant. "Urlaub in Deutschland steht dieses Jahr bei vielen Bürgern im Fokus. Wir müssen alles dafür tun, um möglichst Viele für Urlaub in Sachsen zu begeistern", erklärte die Ministerin.

Wie sieht der neue Doppelhaushalt 2021/2022 aus?

Hartmut Vorjohann 2 min
Der sächsische Finanzminister Hartmut Vorjohann hofft auf die Steuerschätzung im September. Bildrechte: IMAGO

Quelle: MDR/kt/dka

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.06.2020 | 14:00 Uhr in den Nachrichten

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