Altersarmut Immer mehr Sachsen auf Grundsicherung im Alter angewiesen

Ein Rentner auf einer Bank.
Immer mehr Rentner sind von Altersarmut betroffen und benötigen eine Grundsicherung. Bildrechte: imago images/Future Image

In Sachsen sind immer mehr Menschen auf Grundsicherung im Alter angewiesen. Das teilte die Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Sabine Zimmermann, mit. Demnach mussten im Jahr 2019 11.906 Betroffene die spezielle Sozialhilfe für Rentner in Anspruch nehmen. Im Jahr davor waren es laut Zimmermann 11.731 Rentnerinnen und Rentner.

Zimmermann machte das Problem der Altersarmut auch an der Armutsgefährdungsquote fest. Diese sei von 7,2 Prozent im Jahr 2005 auf 13,4 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Nach dem Mikrozensus lag die sogenannte Armutsgefährdungsschwelle 2018 im bundesweiten Schnitt bei 1.035 Euro für einen Single-Haushalt, in Sachsen waren es 937 Euro.

Armutsgefährdungsschwelle Bei der sogenannten Armutsgefährdungsschwelle handelt es sich um das gesamte Nettoeinkommen inklusive Wohngeld, Kindergeld und anderer Zuwendungen. Wer weniger als diese Summe im Monat zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet.

"Altersarmut nimmt zu, auch in Sachsen. Es ist bitter, dass Menschen in ihrem Ruhestand nicht von ihrer Rente leben können und zum Sozialfall werden", sagte Zimmermann. Für die Zukunft sei ein weiterer Anstieg der Betroffenen zu erwarten, die Grundsicherung im Alter beantragen müssen.

Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann
Die aus Zwickau stammende Abgeordnete Sabine Zimmermann ist Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Bundestag. Bildrechte: dpa

Dazu kommt noch eine nicht geringe Zahl von eigentlich Anspruchsberechtigten, die aber aus Scham oder Unwissenheit keinen Antrag stellen.

Sabine Zimmermann Bundestagsabgeordnete Die Linke

Zimmermann machte darauf aufmerksam, dass häufige Arbeitslosigkeit vor allem im Osten große Löcher bei den Rentenansprüchen hinterlassen habe. Es sei deshalb an der Zeit, dass die Bundesregierung die sich ausbreitende Altersarmut wirklich versuche einzudämmen. Die Grundrente sei dafür nicht ausreichend. Zimmerman forderte eine Erhöhung des Rentenniveaus auf 53 Prozent und eine Abschaffung des Niedriglohnsektors. Negativ wirke sich aus, dass die sächsische Wirtschaftsförderung lange mit niedrigeren Löhnen im Freistaat geworben habe.

Quelle: MDR/bj/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 26.10.2020 | 09:00 Uhr in den Nachrichten

12 Kommentare

Lavendel vor 5 Wochen

@Thomas: Auch wenn das was sie schreiben im Kern stimmt wird es doch nicht der Masse der Problemfälle gerecht. Es ist eben nicht der gesuchte Softwareingenieur der bei Aldi die Regale einräumt sondern eher jemand mit einem sehr niedrigen Qualifikationsprofil, dass einem dann aber eben auch nicht erlaubt einen hohen Lohn zu fordern. Zum Thema Umschulung: Da kommen leider oft Menschen heraus, die diesen Job lediglich aus der Not heraus ergriffen haben, älter sind und oft statt einer betrieblichen Ausbildung lediglich eine schulische Ausbildung durchlaufen haben. Für solche Berufsanfänger ist es dann doppelt schwierig Fuß zu fassen.

Lavendel vor 5 Wochen

Also ich verstehe absolut nicht worauf sie hinaus wollen!
Klar kann man darüber diskutieren, warum manche Menschen mehr als andere verdienen, die Gründe sind aber eigentlich jedem Menschen der nicht wie sie einen auf naiv macht klar.

Selbstverständlich lebt man im Alter besser, wenn man während seiner Erwerbstätigkeit mehr in die Rentenversicherungssysteme eingezahlt hat wie jemand der nur sporadisch und dann auch nur prekär beschäftigt war.

Warum sind "Besserverdiener" bitte Heuchler, nur weil sie mehr verdienen?
Ihr Beitrag ist trotzdem sehr wertvoll für mich, zeigt er doch, warum sie sich in einem Parallelbeitrag von MDR Thüringen so über die Härtefallkommission für Flüchtlinge aufregen. Akzeptierte Härtefälle betreffen für manche Menschen eben nur die eigene Person und Solidarität ist im Idealfall für diese Leute eine Einbahnstraße in die eigene Richtung.

THOMAS H vor 5 Wochen

Mediator: In Bezug eigenes Versäumnis, können Ihnen sicher viele AN mit guten Abschlüssen, Umschulungen und Qualifikationen mitteilen, welchen Lohn sie für die Arbeit nach der Einverleibung und der Abwicklung ihrer vorherigen Arbeitsplätze erhalten haben bzw welche Arbeit sie, zu welchen Bedingungen annehmen mussten, wenn sie aus der Arbeitslosigkeit kamen und nicht sanktioniert werden wollten, wobei die Einführung von ALG-II zu einer Verschärfung der Sanktionierungen geführt hat.

Das Problem "ausreichende/r Verdienst und Rente ohne staatliche Zuschüsse", hätte schon vor vielen Jahren gelöst werden können, wenn die Politik es wirklich gewollt hätte. Die willkürlichen Mindestlohnerhöhungen werden es jedenfalls nicht lösen.

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