Dreikönigskirche Dresden
Die Synode tagt in der Dreikönigskirche in Dresden. Ein Antrag von zwölf Synodalen, das gesamte Gesetz zur regionalen Zusammenarbeit zu kippen, wurde am Sonnabend abgelehnt. Bildrechte: IMAGO

Sächsische Landessynode Evangelische Kirche mit existenziellen Zukunftsfragen

Die sächsische Landeskirche rechnet in den kommenden 20 Jahren mit einem massiven Mitgliederschwund von derzeit knapp 700.000 Kirchenmitgliedern auf 416.000. Eine Strukturreform soll die Weichen für die Zukunft stellen. Es ist bereits der zweite Anlauf. Im vergangenen Jahr hatte die Synode eine weitreichende Reform nach heftigen Protesten aus den Gemeinden abgelehnt.

Dreikönigskirche Dresden
Die Synode tagt in der Dreikönigskirche in Dresden. Ein Antrag von zwölf Synodalen, das gesamte Gesetz zur regionalen Zusammenarbeit zu kippen, wurde am Sonnabend abgelehnt. Bildrechte: IMAGO

Die seit Freitag tagende sächsische Landessynode will am Montag über das neue Gesetz zur Strukturreform in der Landeskirche abstimmen. Zuvor hatte sich das Kirchenparlament am Wochenende heftige und mehrstündige Debatten geliefert. Zudem lagen mehrere Änderungsanträge zum Gesetzentwurf des Landeskirchenamtes vor, obwohl die Vorlage bereits mehrere Anregungen der Synodentagung vom Herbst aufgenommen hatte. Sie räumte den Gemeinden viel Spielraum bei der Gestaltung von neuen Strukturen ein.

Gemeinden rücken näher zusammen

Carsten Rentzing
Landesbischof Rentzing sieht keine Alternative zur Strukturreform. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche will die Struktur- und Organisationseinheiten vergrößern. Sie reagiert damit auf die sinkenden Mitgliederzahlen. Vor allem im ländlichen Raum werden die Gemeinden immer kleiner. Das bedeutet weniger Kirchensteuern. Und am Ende auch weniger Pfarrer, Kantoren und Pädagogen.

Mit dem neuen Gesetz soll die Arbeitsfähigkeit der Kirchgemeinden langfristig bis 2040 gesichert werden. Die Gemeinden in Sachsen müssen damit näher zusammen rücken. Dabei sollen sie selbst entscheiden, wie sie eine engere Zusammenarbeit umsetzen können. Möglich sind beispielsweise Zusammenschlüsse von Gemeinden, Kirchspielen, Schwesterkirchverhältnissen oder Gemeindebünden. Das Gesetz schlägt vier Modelle zur Vereinigung von Kirchgemeinden vor. Diese unterscheiden sich unter anderem in der Zuordnung von Pfarrern, Kirchenmusikern und Gemeindepädagogen.

Protest in Dresden

Demonstranten halten ein Transparent mit der Aufschrift 'Keinen Zwang auf eigenständige Profilgemeinden ausüben'
Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Gegner der Neuregelung protestierten bereits am Sonnabend. Rund zehn Demonstranten hatten sich zu einer Mahnwache vor der Dresdner Dreikönigskirche versammelt. Sie äußerten die Sorge, dass mit der Strukturreform individuelle Prägung und Tradition ihrer Gemeinde verloren gehen könnten. Bereits im Vorfeld hatte es heftige Diskussionen zu der geplanten Reform gegeben. Viele Gemeinden fürchten, in immer größer werdenden Gebilden anonym zu bleiben.

Zahlenspiele

Die Landeskirche will außerdem ab 2025 sogenannte missionarische Pfarrstellen schaffen. Unabhängig von der Gemeindemitgliederzahl und Größe soll jeder der derzeit 18 Kirchenbezirke zwei volle, teilbare Pfarrstellen bekommen. Gleichzeitig plant die Landeskirche in den kommenden Jahren eine Reduzierung der Pfarrstellen von derzeit mehr als 500 auf 450. Bis 2040 soll es voraussichtlich nur noch 320 Pfarrer in Sachsen geben.

Die Synode ist das gesetzgebende Organ der sächsischen Landeskirche. Ihr gehören 712 Kirchgemeinden an.

Quelle: MDR/epd/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.04.2018 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 15:28 Uhr

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9 Kommentare

17.04.2018 07:16 Loe Lose 9

@1, ich sehe es ähnlich, die Realitätsferne der Kirchenfürsten lässt mich mit dem Kopf schütteln. Themen wie Christenverfolgung, Judenhass, Intoleranz der eigenen Bevölkerung gegenüber werden nicht offen angesprochen. So ist es auch mit vielen anderen Themen. Manchmal habe ich bei der Kirche das Gefühl eine linksgrüne Partei vor mir zu haben. Das stößt mich zumindest ab.

16.04.2018 22:21 Loe Lose 8

@1, ich sehe es ähnlich, die Realitätsferne der Kirchenfürsten lässt mich mit dem Kopf schütteln. Themen wie Christenverfolgung, Judenhass, Intoleranz der eigenen Bevölkerung gegenüber werden nicht offen angesprochen. So ist es auch mit vielen anderen Themen. Manchmal habe ich bei der Kirche das Gefühl eine linksgrüne Partei vor mir zu haben. Das stößt ab.

16.04.2018 21:12 Anna Monda 7

In einer Gesellschaft, in der unendlicher Konsum die Menschen glücklich macht, sind Lidl und Co die Heilsbringer. Materialisierte Verheißungen. Seelsorge erscheint dann obsolet. Aber es schmerzt uns, die wir täglich viel daran setzen, etwas von Gnade und Erbarmen in die Welt zu tragen. Es bleibt natürlich eine je individuelle Frage: Wo finde ich Trost?

16.04.2018 16:50 Axel 6

"von derzeit knapp 700.000 Kirchenmitgliedern auf 416.000." ist aber eine brachiale Quote. Allein mit der Demographie läßt sich dies aber nicht erklären. Gibt´s denn seitens der Kirchen Anhaltspunkte oder Erklärungen für diesen 'Schwund'?

16.04.2018 16:29 REXt 5

Richtig so! Wer sich nicht um seine „Schäfchen“ kümmert u. auf „Abwege“ geht, hat eben das Nachsehen!

16.04.2018 15:47 Fragender Rentner 4

Gibt es niemanden mehr der/die eintreten wollen?

16.04.2018 13:37 Chemnitzer 3

Die Kirche und der Glaube an irgendeinen sogenannten Erlöser sollte Privatsache sein und endlich in einer strickten Trennung zwischen Staat und Kirche Ausdruck finden.
Die Finanzierung der verschiedenen Religionsgemeinschaften durch den Staat mittels Steuern ist überholt.

16.04.2018 12:25 Chris 2

ist das ein wunder wo diese sich überall mit reinhängen was denen garnichts angeht, die sollten sich von der Politik raushalten, machen diese aber nicht.

16.04.2018 09:54 Wachtmeister Dimpfelmoser 1

Seitdem und solange die Kirchen eine proislamische Ökumene predigen, obwohl Christen weltweit von Muslimen verfolgt werden, und Lichtgestalten wie Heinrich Bedford-Strom aus vermeintlichem Respekt vor ihren Gastgebern am Tempelberg ihr Kreuz abnehmen, ist diese Kirche für mich gestorben mit geringerer Chance der Wiederauferstehung als Jesus. Innerhalb der drei großen vermeintlich philanthropischen Strömungen - Staat/Politik, Kirche/Religion und Gesundheitswesen/Pflege/Medizin - entfernt sich die Kirche neben der Politik ebenfalls immer mehr von ihren Idealen und konzentriert sich stattdessen auf Pfründe, Vertuschung, medienwirksames AfD-Bashing und die Unterstützung der Kanzlerin. Dafür ist den Menschen ihre Kirchensteuer mit Recht zu schade.