Nach Brand auf Lesbos Köpping: Sachsen kann Flüchtlinge aus zerstörtem Lager Moria aufnehmen

Menschen fliehen im Dunkeln eine Starße entlang. Im Hintergrund ein riesiger Feuerschein.
Feuer im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos Bildrechte: Reuters

Nach dem Feuer im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos haben sächsische Ministerinnen und Kommunalpolitiker Hilfen angeboten. Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) sagte am Mittwoch: "Ich wiederhole die Aussage von Ministerpräsident Michael Kretschmer, der am Sonntag sagte, dass es Menschen brauche, die Menschlichkeit beweisen, die die Möglichkeiten, die wir haben, auch nutzen. Der Bund sollte nun dringend sein Aufnahmekontingent erhöhen - oder den Bundesländern die Möglichkeit zu eigenen Aufnahmeprogrammen geben. Wir als Freistaat wären dazu in der Lage." Köpping sagte, auch sächsische Kommunen wie zum Beispiel Leipzig hätten sich bereit erklärt. "Ich danke den kommunalen Verantwortlichen für diese Unterstützung."

Petra Köpping
Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) verlangt vom Bund, mehr Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen und bietet Sachsens Hilfe an. Die hatte zuvor schon Ministerpräsident Kretschmer (CDU) in Aussicht gestellt. Bildrechte: dpa

Gemeinsam mit vielen anderen Kommunen in Europa stehen wir bereit, die Menschen aufzunehmen. Wann, wenn nicht jetzt.

Burkhard Jung Leipzigs Oberbürgermeister auf Facebook

Leipzigs OB will helfen - Dresden diskutiert noch

Städtetags-Präsident Burkhard Jung, der auch Leipziger Oberbürgermeister ist, bekräftigte in einem Post bei Facebook die Leipziger Hilfsbereitschaft:

Unterdessen haben Grüne und SPD im Dresdner Stadtrat dazu aufgerufen, dass die Stadt mehr Flüchtlinge aus dem griechischen Lager Moria aufnehmen solle. In der Corona-Pandemie hätten sich die Lebensumstände dort dramatisch verschlechtert. Das Großfeuer im Camp sei auch eine Folge der breiten Ignoranz im Hinblick auf die unhaltbaren Zuständen in Moria, argumentierten die Grünen.

Europaministerin verlangt Hilfen der EU-Staaten

Sachsens Europaministerin Katja Meier (Grüne) verlangte am Rande der aktuell stattfindenden Europaministerkonferenz ebenfalls Hilfen. "Griechenland benötigt jetzt dringend Hilfe der anderen EU-Mitgliedstaaten. Ich fordere die Bundesregierung auf, rasche technische und humanitäre Hilfe anzubieten sowie die Aufnahme der Menschen in der Bundesrepublik zuzusagen", sagte Meier im saarländischen Perl. Zuletzt sei in aller Munde gewesen, dass Deutschland die Aufnahme von rund 890.000 Menschen tatsächlich geschafft habe. "Und ich sage Ihnen, wir können auch das aktuelle Leid überwinden", erklärte Meier angesichts des Brandes im Flüchtlingslager.

Katja Meier
Sachsens Europaministerin Katja Meier setzt sich für europaweite Hilfen für die Flüchtlinge aus Moria ein. Bildrechte: dpa

AfD ohne Mitgefühl

Die gesellschaftspolitische Sprecherin der AfD-Fraktion, Martina Jost, lehnt Solidarität mit den Flüchtlingen ab. "Weder dürfen wir uns mit den mutmaßlichen Brandstiftern von Moria solidarisieren noch mit jenen Migranten aus Griechenland, die gerade die Polizei mit Steinen bewerfen." Sie lehne jede Zusammenarbeit mit "linksradikalen Organisationen ab, die an der illegalen Masseneinwanderung aktiv mitwirken".

Vor dem Brand verheerende Lage in Moria

In Moria auf Lesbos waren vorige Woche die ersten Corona-Fälle festgestellt worden. Das Lager, das ursprünglich für 2.800 Menschen vorgesehen war, war zuletzt mit rund 12.600 Geflüchteten gefüllt, erklärte das griechische Migrationsministerium. Hilfsorganisiationen sprachen hingegen von 15.000 Flüchtlingen. Moria stand unter Quarantäne, als es am Dienstagnacht bei einem Brand zerstört wurde. Die Geflüchteten sind nun von Obdachlosigkeit und weiterer Ansteckung mit dem Corona-Virus bedroht.

Bereits im Juli 2020 schilderten Flüchtlinge die Lage im völlig überbelegten Lager Moria als katastrophal, die Ausgangssperre führte nach Angaben von Betroffenen zu Streit und Gewalt. Die Menschen waren seit März praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. "Jede Nacht gibt es hier im Lager Streit, manchmal gehen Leute sogar mit Messern aufeinander los. Wir fühlen uns unsicher. Moria ist die Hölle auf Erden. Wir bitten die Vereinten Nationen: Helft uns!", flehten drei afghanische Frauen und Mütter in einem Gespräch mit der ARD.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.09.2020 | ab 14:00 Uhr in den Nachrichten

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