Mehrere Menschen warten an einer Bushaltestelle in Chemnitz (Sachsen).
Kein Bus wird kommen - wegen akuten Personalmangels fallen in Chemnitz einzelne Straßenbahn- und Busfahrten vorübergehend aus. Bildrechte: dpa

Die Lage in Chemnitz, Leipzig und Dresden Sächsische Verkehrsbetriebe kämpfen weiterhin mit dünner Personaldecke

Wenn Bahn oder Bus nicht pünktlich kommen, dann ärgern sich die Fahrgäste an den Haltestellen. Als Grund nennen die Verkehrsbetriebe der sächsischen Großstädte Personalmangel. Wie ist die Situation aktuell?

Mehrere Menschen warten an einer Bushaltestelle in Chemnitz (Sachsen).
Kein Bus wird kommen - wegen akuten Personalmangels fallen in Chemnitz einzelne Straßenbahn- und Busfahrten vorübergehend aus. Bildrechte: dpa

Wer dieser Tage in Chemnitz auf die Straßenbahn wartet, der muss sich unter Umständen etwas länger gedulden als sonst. Die CVAG hat nämlich über die Winterferien ihren Fahrplan ausgedünnt. Als Grund nennt der Verkehrsbetrieb akuten Personalmangel wegen Krankheit. Die Leipziger Verkehrsbetriebe haben schon vor Monaten über zu wenig Personal geklagt. Ende letzten Jahres kam es in der Messestadt immer wieder zu Ausfällen auf fast allen Linien. Und in Dresden? Dort fährt der Nahverkehr aktuell offenbar ohne größere Einschränkungen. MDR SACHSEN hat sich bei den Verkehrsbetrieben der sächsischen Großstädte über die aktuelle Lage informiert:

"Temporäre Taktdehnung" in Chemnitz

Der Pressesprecher der Chemnitzer Verkehrs-AG, Stefan Tschök, mit einer Straßenbahn im Hintergrund.
Der Pressesprecher der Chemnitzer Verkehrs-AG, Stefan Tschök, entschuldigt die vorübergehenden Fahrplanausfälle. Bildrechte: Chemnitzer Verkehrs-AG

Während der gesamten Winterferien, bis einschließlich zum 1. März, gilt in Chemnitz ein Übergangsfahrplan. Die Verkehrsbetriebe haben die Taktzeiten für alle Straßenbahnlinien und wichtige Busverbindungen ausgedehnt. Heißt, dass die Abstände zwischen den Fahrzeugen wochentags zwischen sechs Uhr morgens und sieben Uhr abends größer sind. "Das ist uns nicht angenehm und wir hoffen und wünschen uns, eben weil auf Ferien sind und weniger Schüler unterwegs sind, dass unsere Kunden das akzeptieren", sagt Stefan Tschök, Sprecher der CVAG.

Kritik an der Chemnitzer Verkehrs AG übt derweil Susann Mäder, Vorsitzende des Stadtverbandes Bündnis 90/Die Grünen. Ihrer Meinung nach müsste die Attraktivität des Fahrerberufs gesteigert werden - sowohl finanziell, als auch von den Arbeitszeiten her. "Da muss sich die CVAG auch selber hinterfragen, warum sich die Menschen, die sie ausbilden, nach abgeschlossener Ausbildung abwerben lassen", sagt Mäder. Stefan Tschök von den Chemnitzer Verkehrsbetrieben verweist allerdings auf die insgesamt angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt: "Ich kann die persönlichen Gründe für das Ausscheiden von Mitarbeitern nicht nennen. Aber sie dürfen davon ausgehen, dass wir das natürlich analysieren und dass wir der Stadt Lösungsansätze vorlegen, wie wir den Personalbedarf stabilisieren wollen."

Bei Krankschreibungen fallen in Leipzig einzelne Fahrten aus

Bei den Leipziger Verkehrsbetrieben ist die Personaldecke ebenfalls sehr dünn. Momentan gebe es keine größeren Ausfälle im Linienbetrieb, teilt Unternehmenssprecher Marc Backhaus auf Nachfrage von MDR SACHSEN mit. "Es ist aber so, dass wir Fahrten teilweise nicht nachbesetzen können, wenn spontane Krankschreibungen kommen. Dann liegt es an uns, unsere Kunden zu informieren." Der Krankenstand ändere sich allerdings täglich, sodass das Unternehmen die Leipziger nur kurzfristig über Ausfälle informieren könne.

Straßenbahn in Leipzig
Bildrechte: IMAGO

Um neue Mitarbeiter zu finden, müssten die Leipziger Verkehrsbetriebe außerdem neue Wege gehen. Dazu präsentierte sich das Unternehmen am vergangenen Wochenende beispielsweise im Rahmen des Eistraums auf dem Leipziger Augustusplatz. "Allein am Samstag konnten wir innerhalb von drei Stunden über 40 Gespräche mit Interessenten führen", sagt Backhaus. "Wir haben außerdem drei konkrete Bewerbungen entgegengenommen." Bis die Quereinsteiger auf die Straße oder die Schiene kommen, dauere es ungefähr ein halbes Jahr. Auch fünf spanische Busfahrer, die in ihrer Heimat angeworben wurden, befinden sich momentan in Ausbildung. Sie lernen die deutsche Sprache, haben noch einmal Fahrunterricht bekommen und sollen in wenigen Wochen in Einsatz kommen, so Backhaus.

Dresdner Mitarbeiter wechseln vom Schreibtisch ans Lenkrad

Tatra-Straßenbahn in Dresden
Bildrechte: IMAGO

Auch bei den Dresdner Verkehrsbetrieben macht sich der hohe Krankenstand im Tagesgeschäft bemerkbar. Allerdings eher hinter den Kulissen als an der Haltestelle. "Bei uns gibt es im Moment wieder eine Krankheitswelle", sagt Falk Lösch, Sprecher der DVB auf Nachfrage. "Wir können unsere Fahrdienste aber weitestgehend besetzen, müssen also keine Linien ausdünnen." Zugute kommt den Dresdnern, dass sie auf rund 40 studentische Hilfskräfte zurückgreifen können, die besonders die vorlesungsfreie Zeit nutzen, um sich etwas dazuzuverdienen.

"Hinzu kommt ein hoher Anteil unserer Mitarbeiter in Verwaltung und Technik, die im Besitz eines gültigen Führerscheins für Bus oder Bahn sind", erklärt Lösch. Diese Mitarbeiter decken momentan beispielsweise Engpässe in den Spitzenzeiten oder an den Wochenenden ab. Konkret heißt dass, dass ein Büroangestellter morgens am Schreibtisch arbeitet und sich nachmittags hinter das Buslenkrad setzt. "Und man darf nicht vergessen: Viele unserer Fahrerinnen und Fahrer machen zusätzliche Dienste an ihren freien Tagen. Die können sie später dann abbummeln."

Wir können unsere Fahrdienste im Moment weitestgehend besetzen, müssen also keine Linien ausdünnen.

Falk Lösch Sprecher der Dresdner Verkehrsbetriebe

Rückläufige Bewerberzahlen und Tarifpflicht

Obwohl das bestehende Personal in Dresden momentan ausreicht, um den Linienverkehr ohne Einschränkungen abzudecken, sehen sich die dortigen Verkehrsbetriebe auch mit rückläufigen Bewerberzahlen konfrontiert. Das hätte laut Lösch aber auch mit dem demografischen Wandel zu tun: "Dazu kommt, wenn sie in der ÖPNV-Branche sind, sind sie an Tarifverträge gebunden. An die halten wir uns natürlich auch, können deshalb nicht einfach 200 Euro auf den Lohn eines Fahrer drauflegen." Im Vergleich zur Privatwirtschaft seien die Nahverkehrsbetriebe da benachteiligt. Das treffe die DVB aber vor allem im Bereich der technischen Mitarbeiter. "Viele technische Azubis wechseln nach ihrer Ausbildung in die Privatwirtschaft", so Lösch. Dort könne man teilweise einfach mehr verdienen.

Quelle: MDR/cg/nk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.02.2019 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

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Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2019, 20:57 Uhr

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8 Kommentare

19.02.2019 14:18 Fränki 8

Alle nur das große Maul.Die nur rummeckern Busführerschein oder für die Straßenbahn den Schein und abgeht es.Aber da muß man ja Spät.-Nachtschicht oder auch Wochenende arbeiten.Also dann mitmachen oder stille sein.

19.02.2019 11:59 PeKa 7

Naja, wenn irgendwann mal die in den chinesischen Start-up-Unternehmen entwickelten autonom fahrenden Busse und Bahnen auch in unseren Städten Fuß gefasst haben, dann wird es keine Fahrtausfälle mehr geben.

19.02.2019 10:13 Andre1058 6

Als Bewohner des oberen Erzgebirges hört sich die Diskussion um eine geringfügige "Dehnung" der Taktzeiten im ÖPNV der Stadt Chemnitz schon fast belustigend an, denn hier gibt es viele Ortschaften, die über den Tag äußerst selten einen Bus zu sehen bekommen. Von den Wochenenden oder der Ferienzeit gar nicht zu sprechen.
Allerdings stimme ich den Kommentatoren dahingehend zu, dass trotz Tarifbindung, die Gehälter der Kollegen, gemessen an der unglaublichen Verantwortung für Ihre Fahrgäste, deutlich zu gering sind. Ich bin den Bus-und Straßenbahnfahrern sehr dankbar, dass sie uns und unsere Kinder sicher und pünktlich ans Ziel bringen und das haben sie besonders in den letzten Winterwochen wirklich gut gemacht.

19.02.2019 08:41 Pattel 5

Bei einer soliden Personalplanung und einer richtigen Bezahlung wäre das nicht eingetreten. Die Verantwortlichen scheren sich ein Dreck drum,nur fürs eingene Gehalt
gewirtschaftet.

18.02.2019 21:24 ReneS 4

Das ist wohl der Witz des Tages:

"Dazu kommt, wenn sie in der ÖPNV-Branche sind, sind sie an Tarifverträge gebunden. An die halten wir uns natürlich auch, können deshalb nicht einfach 200 Euro auf den Lohn eines Fahrer drauflegen."

Natürlich kann man jederzeit den Angestellten eine freiwillige monatliche Zulage bezahlen. Habe ich bei Siemens in Leipzig selbst über viele Jahre bekommen und die war deutlichst über 200€. Richtig ist wohl, dass sich das einfach keiner für das Hungergehalt in Verbindung mit den Arbeitszeiten, Verantwortung etc. mehr antut - wenn man alternativen hat.
Als nächstes sind es bestimmt wieder die "fehlenden Fachkräfte". Ich kann leider diesen Unsinn nicht mehr hören!

18.02.2019 20:09 reiner202 3

Ich sage nur,: Stadt der Moderne. Jetzt wollen sie auch noch Kulturhauptstadt werden,dann geht gar nichts mehr.

18.02.2019 19:49 wwdd 2

Zu 1, Man kann am Montag auch vormittags oder nachts arbeiten und darf dann nachmittags brüllen.

18.02.2019 18:09 Runter vom Sofa 1

Sind denn die Montagsbrüller alle in Lohn und Brot?

Wenn nicht, dann sollten die sich bei den Verkehrsbetrieben arbeitswillig melden.

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