01.04.2020 | 16:48 Uhr | Update Rechtsmotivierte Gewalt in Sachsen weiter hoch

Ein junger Mann hebt seine geballte Faust.
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In Sachsen ist die Zahl rechtsmotivierter und rassistischer Angriffe zurückgegangen. Das geht aus Angaben der Opferberatung RAA (Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien und Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie) hervor. Demnach wurden im vergangen Jahr 226 Angriffe registriert. Im Jahr davor waren es 317. Diese seien aber durch die Ausschreitungen in Chemnitz überdurchschnittlich hoch ausgefallen, sagte eine Sprecherin der Opferberatung. Sie betonte, dass im bundesweiten Vergleich die Gewalt in Sachsen auf einem hohen Niveau sei. Regionale Schwerpunkte befänden sich im Landkreis und in der Stadt Leipzig, in Dresden und Chemnitz.

RAA Sachsen e.V. Seit 2005 werden hier Opfer rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt unterstützt und die Angriffe dokumentiert.
Jährlich wird eine Statistik zu rechten und rassistischen Angriffen veröffentlicht.
Der Verein veranstaltet auch Vorlesungen, Workshops und Ausstellungen.

Opfer meist männlich

Bei den Angriffen waren laut RAA-Statistik zum größten Teil Männer betroffen, überwiegend handelte es sich um Körperverletzungen. Es seien aber auch 13 Jugendliche und 17 Kinder attackiert worden. Bei den Angriffen auf Kinder handelte es sich nach RAA-Angaben in fünf Fällen um Bedrohungen aus der Nachbarschaft. In sechs Situationen seien Kinder körperlich attackiert worden, heißt es in der Auswertung.

Sozialministerin Köpping will genauer auf ländliche Regionen schauen

Wir müssen davon ausgehen, dass wir es insbesondere im ländlichen Raum mit einem Dunkelfeld antisemitischer, rassistischer und menschenfeindlicher Gewalt zu tun haben.

Petra Köpping Sozialministerin von Sachsen

Sachsens Sozialministerin Petra Köpping (SPD) geht davon aus, dass nicht alle Taten erfasst wurden. Ein großes Dunkelfeld gebe es insbesondere auf dem Land. Dort strebe der Freistaat die Erweiterung von Beratungs- und Unterstützungsstrukturen an. "Ich begrüße es außerordentlich, dass der Bund beabsichtigt, das Bundesprogramm 'Demokratie leben!' in den kommenden Jahren deutlich aufzustocken", so Köpping.

Pallas: Anlaufstelle für Opfer rechtsextremer Bedrohung

Albrecht Pallas, Sprecher für Innenpolitik der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, lobte die Arbeit der Opferberatung RAA. Gewalt und Bedrohungen durch die extreme Rechte seien eine der ganz großen Herausforderungen unserer Zeit. Deshalb wolle die Koalition die Opfer noch stärker schützen. Man plane, eine zentrale Anlaufstelle bei den Sicherheitsbehörden für die Opfer von rechtsextremen Bedrohungen - zum Beispiel durch sogenannte Feindeslisten - zu schaffen, sagte Pallas.

Köditz: Mehr als 2.400 rechtsmotivierte Straftaten

Laut Fallzahlen der Polizei wurden im vergangenen Jahr sachsenweit mehr als 2.400 rechtsmotivierte Straftaten registriert, betonte Kerstin Köditz, Sprecherin der Linksfraktion für antifaschistische Politik im Landtag. Mit Abstand am häufigsten wurden Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet, wie etwa das Zeigen von Hitlergrüßen oder das Anbringen von Hakenkreuzen. Dann folgten laut Köditz zahlreiche Volksverhetzungen und Sachbeschädigungen und schließlich Beleidigungen, Verleumdungen, Nötigungen, Bedrohungen und Körperverletzungen.

Quelle: MDR/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.04.2020 | ab 14:00 Uhr in den Nachrichten

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