Kirche
Sachsens Kirchen stoßen für den Religionsunterricht neue Türen auf. Bildrechte: Diana Köhler

Neue Wege Kirchen in Sachsen testen "konfessionell-kooperativen" Religionsunterricht

In Sachsen erhalten derzeit rund 82.000 Schüler evangelischen sowie 7.500 Jungen und Mädchen katholischen Religionsunterricht. Nun wollen die beiden Landeskirchen neue Wege beschreiten.

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Sachsens Kirchen stoßen für den Religionsunterricht neue Türen auf. Bildrechte: Diana Köhler

Die evangelische und die katholische Kirche in Sachsen wollen beim Religionsunterricht künftig enger zusammen arbeiten. Landesbischof Carsten Rentzing und Bischof Heinrich Timmerevers vom Bistum Dresden-Meißen sprachen am Montag in Dresden von einer neuen Form der Zusammenarbeit, die im Schuljahr 2020/2021 an Modellschulen an drei bis vier Standorten starten soll.

Religiös-ethische Bildung ist aus unserer Sicht erforderlicher denn je. Wir wollen, dass nicht nur über das christliche Abendland geredet wird, sondern welche Werte damit verbunden sind und wo die Wurzeln liegen.

Carsten Rentzing evangelischer Landesbischof

In manchen Regionen kaum noch Schüler einer Konfession

Demnach soll der Religionsunterricht nicht mehr nur evangelisch oder katholisch, sondern zusätzlich auch "konfessionell-kooperativ" erteilt werden. Der Unterrichtsstoff wird gemeinsam verantwortet, aber auch Unterschiede zwischen evangelischem und katholischem Glauben werden besprochen. Im Idealfall sollen katholische und evangelische Lehrkräfte sich schuljahresweise abwechseln. Bischof Timmerevers wies jedoch darauf hin, dass es an vielen Schulen nicht Religionslehrer beider Konfessionen gebe.

In manchen Regionen sei es schwer, genügend Schüler einer Konfession zu finden, die in sinnvollen Altersgruppen unterrichtet werden könnten, hieß es. Mit der Zusammenarbeit wollen die Kirchen mehr Schüler beider Religionen erreichen.

Religionsunterricht hilft, eigene und fremde Kulturen besser zu verstehen und Vorurteile abzubauen. Er ermöglicht Freiräume und Dialog für die existenziellen Fragen der Schülerinnen und Schüler nach den Grundfragen des Lebens.

Heinrich Timmerevers Bischof des Bistums Dresden-Meißen

Timmerevers sprach von einer "Bereicherung für die Schüler, die Vielfalt des Christentums kennenzulernen". Bis zum Start im Schuljahr 2020/21 sollen auch die Lehrer weitergebildet werden. Den Angaben nach erhalten derzeit rund 82.000 Schüler in Sachsen evangelischen Religionsunterricht, 7.500 Mädchen und Jungen katholischen Religionsunterricht. Nach Einführung des Religionsunterrichts in Sachsen als ordentliches Schulfach vor 25 Jahren beträgt der Anteil der Teilnehmenden an der Gesamtschülerzahl in öffentlichen und freien Schulen gut 25 Prozent. Etwa ein Viertel bis ein Drittel dieser Schüler gehört nicht der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens an.

Kruzifix auf einem leeren Stundenplan
Bildrechte: imago/Steinach

Informationen zum Religionsunterricht in Sachsen Die sächsische Verfassung schreibt Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach an den öffentlichen Schulen wahlweise mit dem Fach Ethik fest. Evangelische Religion und katholische Religion wie auch das Fach Ethik unterliegen daher grundsätzlich den gleichen Bestimmungen wie die anderen Schulfächer.

Nach dem Schulgesetz für den Freistaat Sachsen wird der Religionsunterricht bisher nach den Bekenntnissen der evangelisch-lutherischen und der katholischen Kirche getrennt angeboten. Mit dem neuen Modell des konfessionell-kooperativen Unterrichtes verantworten die beiden großen Kirchen das Bildungsangebot an den Schulen gemeinsam.

Bisher nehmen evangelische und katholische Schüler am Religionsunterricht ihres Bekenntnisses teil. Vorgesehen sind jeweils zwei Wochenstunden. Schülerinnen und Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, besuchen den Ethikunterricht.

Nach Angaben der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und des katholischen Bistums Dresden-Meißen kann zweistündiger Religionsunterricht aber längst nicht flächendeckend im Freistaat angeboten werden. Oft wird nur eine Wochenstunde im Fach Religion unterrichtet. Vor allem die Grundschulen sind vom Unterangebot betroffen. Besser sieht es in der gymnasialen Oberstufe aus: Dort werden die Fächer Ethik und Religion zu fast 100 Prozent angeboten.

Im Einvernehmen mit den Kirchen sind die Fächer Evangelische Religion und Katholische Religion grundsätzlich für Anmeldungen aller Schülerinnen und Schüler offen. Mädchen und Jungen, die einer anderen Kirche oder Religionsgemeinschaft angehören und aufgrund dessen nicht am Unterricht in den Fächern Evangelische Religion oder Katholische Religion teilnehmen, können ersatzweise die religiöse Unterweisung ihrer Gemeinschaft besuchen.

Lehrkräfte, die das Fach Evangelische Religion erteilen, müssen einer evangelischen Kirche angehören und im Besitz der kirchlichen Unterrichtserlaubnis sein. Ebenso verhält es sich mit den Lehrern im Fach Katholische Religion. Sie müssen der katholischen Kirche angehören und im Besitz der kirchlichen Bevollmächtigung sein.

Quelle: MDR/dk/dpa/KNA/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.01.2019 | ab 15:00 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2019, 15:27 Uhr

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42 Kommentare

09.01.2019 02:53 DER Beobachter @ Teufel in Reinkultur 41 42

Nach den Mythen ist der Teufel ja ein gefallener Engel, ein zwar kritischer, aber doch selbstgefälliger Verräter an allem, was Mensch als gut, ehrlich und anständig empfindet...

08.01.2019 18:00 Ein Teufel in Reinkultur 41

Arme Teufel brauchen keine Götter.

08.01.2019 17:20 Jakob T. 40

Ich würde mir einen Religionsunterricht im Dialog auch mit muslimischen Anteilen wünschen:
In meiner Oberstufenzeit hatten wir im evangelischen Religionsunterricht (der übrigens wenn er gut gemacht ist in keinster Weise der Bekehrung sondern dem Wissenserwerb über Religionen dienen soll), eine muslimische Mitschülerin, deren Beiträge und Neugierde den Unterricht für mich oft erst richtig spannend gemacht haben.
Wenn ich mir ansehe, wie oft gegen "Den Islam" gehetzt wird und auf "Die Kirche" geschimpft wird, würde ich mir wünschen, dass die Urheber solchen Protests sich mit diesen Religionen, und deren Organisationsformen inhaltlich mehr auseinandersetzen.

Es bleibt mein Appell: Der Ort, zum eigenen Bekenntnis, welches auch immer das sei, zu finden, ist nicht der Religionsunterricht, dieser ist aber der Ort, über eigene und fremde Religionen zu lernen.

08.01.2019 16:45 Robert Paulson 39

@Beobachter (24): Korrekter Hinweis Deinerseits. Ich hätte klarer machen sollen, dass es sich um den RU in der heutigen, aktuellen Form handelt, auf den ich mich beziehe. Also das Konkordat regelt die Mitbestimmung der kath. Kirche bei Lehrplänen für RU, Lehrerausbildung und -einstellung (Stichwort missio canonica). Die ev. Kirchen haben die entsprechenden Formulieren in ihren Staatskirchenverträgen im Wesentlichen übernommen und den modus vivendi angepasst.
Da es vor dem Reichskonkordat nur Konkordate mit einzelnen deutschen Ländern (v.a. Bayern und Preußen) gab, gab es auch unterschiedliche Regelungen in den Landesgesetzen. Erst 1933 wurde dies vereinheitlicht, und gilt heute unverändert fort. Das BVerfG hat das 1957 festgestellt. Eine Abweichung von den Regelungen in den Schulgesetzen ein Verstoß gegen internationales Völkerrecht, aber kein Bruch des Grundgesetzes. Wenn man mal ne wirklich komplizierte rechtliche Lösung benötigt, möge man sich an die Deutschen wenden...

08.01.2019 14:41 Udo Degen 38

@35
Ich glaube nur was ich sehe, seit dem es Fernsehen gibt, alles.
Bin von der heiligen Inquisition !!!!
Nein, ich achte auch Geistliche wenn sie vernünftig sind und auch bleiben.

08.01.2019 13:03 DER Beobachter @ Maria A. 37

Schon recht, nur fürchte ich, erinnert eine solche, im Grunde politisch schweigende Kirche eben zu sehr an die Amtskirche im Kaiserreich, unterm Adolf, in der DDR, den Militärdikaturen... Zur Selbststilisierung der "wahren Gläubigen" hatten übrigens nicht nur Religionskritiker, sondern ebenso gerade Luther und Bonhoeffer ziemlich deftige Worte... ;

08.01.2019 12:47 DER Beobachter @ catarina 36

Sie zitieren das DDR-Atheistische Geschwätz mit dem Lenin-Zitat (wobei der mit der russischen zarennahen Staatskirche wohl Recht hatte, die im übrigen gerade durch die Nähe Putins und der orthodoxen Kirche wiederbelebt wird...). Lenin hat Marx allerdings falsch zitiert, der da in der Hegelkritik mit seinem "Religion ist das Opium DES Volkes" durchaus differenzierter war. Der bezog sich darauf, dass das feudalistisch und manchesterkapitalistisch gequälte Volk sich seine Religion zwangsläufig selber schaffe... Ich halte es da lieber mit Bonhoeffer, der den Christen als in Verantwortung vor in der Verantwortung für die (auch und gerade politische) Gesellschaft sieht...

08.01.2019 12:28 DER Beobachter @ Udo Degen 35

Mit meinem Kommentar wies ich darauf hin, dass zumindest im großstädtischen Bereich die Anzahl der auf Ethik umgetrimmten sonst nicht mehr brauchbaren Lehrer ebenso zurückgeht wie die von in den Reli-Unterricht "abkommandierten" Pfarrer und Gemeindediakone. In beiden Fächern gibt es mittlerweile immer mehr fachwissenschaftlich und pädagogisch gut ausgebildete Fachlehrer, und ich kenne nicht wenige Reli-Lehrer, die genauso Amtskirchen- und "Pfaffen"- kritisch sind wie kritisch zu den Evangelikal-Wortfrömmelnden... Die hier und auch von Ihnen benutzte Abwertung Geistlicher per se als "Pfaffen" beweist letztlich, wie ahnungslos-meilenweit eine ganze Anzahl ostdeutscher Atheisten von der gegenwärtigen (nicht historischen!) Realität entfernt sind.

08.01.2019 12:18 Maria A. 34

Feststellung: Es ist hier keinerlei Behauptung gefallen hinsichtlich einer Bewertung. Wir sind alle nur Menschen, ob nun gläubig oder nicht! Es geht eigentlich nur darum, Trennendes zu überwinden und zusammen zu stehen in schwierigen Zeiten... Beobachter, Kirche wirkt nur gesellschaftlich positiv, wenn sie sich neutral verhält. Wenn man sich agitieren lassen möchte, reichen dazu die Medien vollauf zu. Kirche sollte immer ein echter Hort für Nächstenliebe sein und bleiben. Somit der letzte Zufluchtsort für politisch Verfolgte. Ansonsten erhält ihr Wirken ein Geschmäckle und vergrault den wahren Gläubigen...

08.01.2019 11:11 Feststellung 33

Man muß nicht Christ sein um ein guter Mensch zu werden oder zu sein. Selbst die Pioniere wurden angehalten alten und kranken Menschen zu helfen ,die Eltern zu achten , usw. wo ist Gott, wenn er stark Gläubige und die immer für andere da waren ,über Jahre an unheilbaren Krankenheiten leiden läßt , da hilft kein beten ???

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