Sachsen-Monitor 2018 Ein Freistaat voller Widersprüche

Den meisten Sachsen geht es gut: Sie beurteilen ihre Lebensumstände positiv. Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft. Diese positiven Nachrichten sind dem heute von der Regierung vorgestellten Sachsen-Monitor zu entnehmen. Licht und Schatten liegen darin aber eng beieinander: Gleichzeitig formulieren die Sachsen viele Ängste und Sorgen, ein Großteil ist unzufrieden mit Demokratie, Parteien und Politikern.

von Uta Deckow

Drei Viertel der Sachsen blicken optimistisch in die Zukunft. Daran hat sich grundsätzlich im Vergleich zum Vorjahr nichts geändert. 81 Prozent sind zufrieden mit der eigenen wirtschaftlichen Situation, das liegt sogar noch über dem Bundeswert (78 Prozent).

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Bildrechte: Sachsen-Monitor 2018, dimap

Diese positive Sicht trifft vor allem auf die über 70-Jährigen zu: 94 Prozent der über 70-Jährigen beurteilen ihre eigene wirtschaftliche Situation als sehr gut oder eher gut. Angesichts so mancher öffentlicher Debatte über die Situation von Rentnern ein bemerkenswerter Wert. Mit ihren persönlichen Lebensumständen wie der Wohnsituation, der Beschäftigungssituation, Sauberkeit und Sicherheit öffentlicher Plätze ist die Mehrheit der Sachsen zufrieden.

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Unterschiede bei der Beurteilung der persönlichen Lebensumstände fallen vor allem zwischen den drei Großstädten auf, und zwar hinsichtlich der finanziellen Aspekte: So sind in Chemnitz deutlich mehr Menschen unzufrieden mit ihrer finanziellen Situation, ihrer sozialen Absicherung und den Lebenshaltungskosten als in Dresden oder Leipzig.

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Nicht überraschend: Die Sachsen sind heimatverbunden: 89 Prozent geben an, dass ihnen Heimat wichtig ist. Am häufigsten werden mit dem Begriff Heimat Familie und Freunde verbunden. Und: Die überwiegende Mehrheit der Sachsen (89 Prozent) hält die Demokratie für eine gute Regierungsform. Gefragt dazu, wie die Demokratie in der Praxis funktioniert, sind allerdings deutlich mehr Menschen unzufrieden. Aber immerhin sagen noch 61 Prozent sie seien sehr oder eher zufrieden. Kein so großer Unterschied zu den Bundeszahlen (70 Prozent). Große Unterschiede offenbaren sich aber beim Blick auf die Regionen in Sachsen: Stets fallen die Werte in Leipzig deutlich positiver aus, als in Chemnitz und Dresden.

Katja Meier, Gleichstellungspolitische Sprecherin und Rechtspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag
Katja Meier, demokratiepolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag "Erschreckend ist die geringe Wertschätzung von Verfassung, Grundrechten und Gerichtsentscheidungen. Der anhaltend weit verbreitete Rassismus [...] ist ebenso besorgniserregend, wie der Antisemitismus. Ein Abbau der Ressentiments wird nur erfolgen, wenn Ministerpräsident Michael Kretschmer und die gesamte Staatsregierung selbst Respekt für Grundrechte und gerichtliche Verfahren aufbringen." Meier plädiert zudem den Fragekatalog des Sachsen-Monitors zu vervollständigen. "Im Thüringen-Monitor wird seit dem Jahr 2013 auch nach Einschätzungen und Einstellungen zu Natur und Umwelt gefragt. Vor dem Hintergrund von Klimawandel und Konflikten um Energie- und Agrarpolitik fordern wir, dass entsprechende Fragestellungen künftig auch abgefragt werden." Bildrechte: Katja Meier

Sorgen, Ängste, Widersprüche

All diesen grundsätzlich recht positiven Werten stehen dann doch viele Sorgen, Ängste und auch großes Misstrauen gegenüber. Trotz der positiven Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Situation, sorgen sich die Sachsen am meisten um einen Anstieg der Gegensätze zwischen Arm und Reich. Fast jeder zweite Sachse meint, in Deutschland gehe es eher ungerecht zu und die Aufstiegschancen seien schlecht. Die Anzahl derer ist gestiegen, die sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen und die befürchten, dass die deutsche Kultur und Eigenart verloren gehen.

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Bei aller Zustimmung grundsätzlich zur Demokratie, spiegelt sich die Unzufriedenheit mit der erlebten Demokratie dann noch stärker in einer Skepsis gegenüber den politischen Institutionen. Dieser Vertrauensverlust hat weiter zugenommen. Wie in den Vorjahren zeigt sich: Je weiter entfernt Parlamente und Regierungen vom lokalen Umfeld sind, desto geringer ist das Vertrauen der Sachsen in sie. Die größte Skepsis wird Parteien entgegengebracht. Mit einer Einschränkung: Der Partei, der die Befragten besonders nahestehen, wird wiederum das größte Vertrauen entgegengebracht. Besonderes Ansehen genießen Polizei und Bürgermeister, eher miserabel ist der Ruf des EU-Parlamentes.

Wie auch an anderen Punkten offenbaren die Ergebnisse des Sachsen-Monitors eben auch bei Fragen nach der Demokratie etliche Gegensätze und vermeintliche Widersprüche. 89 Prozent der Sachsen finden Opposition wichtig, kaum einer (6 Prozent) meint, man dürfe notfalls seine Überzeugungen mit Gewalt durchsetzen. Aber: Jeder zweite meint, man brauche in diesen Zeiten unbedingt eine starke Hand, fast die Hälfte meinen, es würde zu sehr Rücksicht auf die Rechte von Minderheiten genommen in Deutschland. Immerhin jeder Zehnte hält eine Diktatur für die bessere Staatsform.

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Stolz auf das im Freistaat erreichte – ist eine Mehrheit von 88 Prozent, aber eine Mehrheit von 61 Prozent ist auch der Ansicht, dass die Leistungen Ostdeutscher nach der Wende nicht angemessen gewürdigt wurden. 63 Prozent meinen, nach der Wiedervereinigung sei vielfach neues Unrecht geschaffen worden. 52 Prozent stimmen der Aussage zu, Ostdeutsche seien Bürger zweiter Klasse in Deutschland.

Mehrheit sorgt sich wegen "zu vieler Ausländer"

Einen Forschungsschwerpunkt des Sachsen-Monitors der bundesweit stets für Aufsehen sorgt, bildet stets die Messung von Ressentiments, also "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit". Jeder zweite Sachse (56 Prozent) sieht demnach eine "gefährliche Überfremdung" der Bundesrepublik durch "zu viele Ausländer". Je größer der soziale Status, desto geringer die Sorge. Inzwischen geben 21 Prozent (+6 zu 2017) an, ihr persönliches Wohnumfeld sei überfremdet, häufiger in größeren Städten. Nahezu jeder zweite Sachse fühlt sich durch die Muslime manchmal "wie ein Fremder im eigenen Land", 41 Prozent würden Muslimen gern die Zuwanderung nach Deutschland untersagen. Besonders ausgeprägt sind diese Einstellungen bei Menschen, die ihre eigene Zukunft eher pessimistisch sehen, die beklagen, Ostdeutsche seien Personen zweiter Klasse und die meinen, es werde zu viel Rücksicht auf die Rechte von Minderheiten genommen. Und das wiederum ist häufiger anzutreffen, je schlechter der soziale Status ist.

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Die Umfrage Für den Sachsen-Monitor 2018 wurden im Zeitraum vom 28. Juni bis 23. August 2018 insgesamt 1.011 Personen in Sachsen befragt. Wie in den Jahren zuvor wurde die Befragung mittels eines standardisierten Fragebogens in persönlichen Interviews durchgeführt.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR | 13.11.2018 | 13:00 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2018, 19:43 Uhr

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33 Kommentare

15.11.2018 14:58 der_Silvio 33

@32 Eulenspiegel; "Daraus ersehe ich nur das ihnen meine Ansichten nicht gefallen und das sie Probleme haben diese andere Ansicht zu ertragen."
Ihre Ansichten müssen mir nicht gefallen; aber ertragen kann ich sie gerade noch, auch wenn es öfter schmerzt - im Bauch vor lachen oder im Genick vom Kopf schütteln.

"Die ganze Empirische Sozialforschung und der Mikrozensus wollen sie hier unter den Tisch fallen lassen."
Ich lasse nicht unter den Tisch fallen, sondern äußere meine Zweifel darüber, daß die Meinung von 1.011 Menschen die Meinungen von 4Mio. Menschen widerspiegeln soll.

Und dass sie mich so angehen, spricht wohl dafür, daß sie Probleme damit haben, meine Äußerungen zu ertragen.

15.11.2018 13:33 Eulenspiegel 32

Hallo der_Silvio 31
„Schauen Sie selbst auf ihre Kommentare hier & aus der Vergangenheit zu anderen Artikeln an!“
Daraus ersehe ich nur das ihnen meine Ansichten nicht gefallen und das sie Probleme haben diese andere Ansicht zu ertragen.
„Da brauch ich nicht suchen; 0,0277% repräsentiert für mich nicht die Mehrheit. Mag sein, daß dies auf einen Teil der sächs. Bevölkerung passt, aber die Mehrheit? - nein!“
Die ganze Empirische Sozialforschung und der Mikrozensus wollen sie hier unter den Tisch fallen lassen. Das würde ja ihre ihre ganze Argumentation widerlegen.
"Ihr Problem ist doch das ihnen die Grunderkenntnisse dieser Befragung ihnen nicht passt."
Und das wissen sie jetzt woher?“
Also ihre ganze Argumentation gegen diese Befragung ist doch nur ein Witz.
Machen sie sich doch erst ein mal Sachkundig nach welchen Methoden solche Umfragen durchgeführt und bewertet werden.

15.11.2018 10:29 der_Silvio 31

@30 Eulenspiegel; "Dann erklären sie mir doch einmal..."
Schauen Sie selbst auf ihre Kommentare hier & aus der Vergangenheit zu anderen Artikeln an!
"Und jetzt suchen sie nach Möglichkeiten diese Umfrage in Frage zu stellen."
Da brauch ich nicht suchen; 0,0277% repräsentiert für mich nicht die Mehrheit. Mag sein, daß dies auf einen Teil der sächs. Bevölkerung passt, aber die Mehrheit? - nein!
"Ihr Problem ist doch das ihnen die Grunderkenntnisse dieser Befragung ihnen nicht passt."
Und das wissen sie jetzt woher?
Was hier im Artikel halbwegs neutral dargestellt ist, was die Ausländerfrage betrifft, würde gestern mehrfach im Radio auf verschiedenen Sendern mit 'steigender Ausländerfeindlichkeit' beschrieben - ohne Hintergründe zu beleuchten und zu hinterfragen.
Das wird dazu führen, daß einige Kommentatoren künftig auf die zunehmende Ausländerfeindlichkeit verweisen - mit Hilfe dieser 'Studie'.

14.11.2018 23:20 Eulenspiegel 30

Hallo der_Silvio
„Und dann kommen (wieder) die Wessi's, wie hier z.B. Eulenspiegel, und wollen uns sagen, wie wir was zu tun und zu denken haben.“
Dann erklären sie mir doch einmal womit ich hier irgendjemand gesagt habe was er zu tun und zu denken hat. Ich bin neugierig.
Es war mit Sicherheit nicht meine Absicht hier jemand Vorschriften zu mache. Ich wollte nur Denkanstöße geben. Und da sind Informationen über die Möglichkeiten der Empirischen Sozialforschung sehr wichtig. Ihr Problem ist doch das ihnen die Grunderkenntnisse dieser Befragung ihnen nicht passt. Und jetzt suchen sie nach Möglichkeiten diese Umfrage in Frage zu stellen. Ja und da haben sie so ihre Probleme mit.

14.11.2018 21:55 der_Silvio 29

1.011 Personen sollen repräsentativ für 4.081.000 Einwohner von Sachsen sein?!? - 0,0277%
Und dann kommen (wieder) die Wessi's, wie hier z.B. Eulenspiegel, und wollen uns sagen, wie wir was zu tun und zu denken haben.
0,0277% der sächsischen Bevölkerung können kaum für die restlichen 99,9723% sprechen.

14.11.2018 19:22 Fakt 28

>>Ekkehard Kohfeld, #26:
"Nein die Politiker wurden dafür gewählt diese Aufgaben für ihre Wähler zu erfüllen..."<<

Oh oh, da haben Sie aber einiges komplett falsch verstanden. Die Politik ist nicht dafür zuständig, sich um das Schicksal einzelner Wähler oder Bürger zu kümmern, das war vielleicht in der DDR der Fall, wo dem Bürger alles vorgekaut wurde.
Die Politik ist dafür zuständig, die Rahmenbedingungen zu schaffen - was jeder einzelne daraus für sich macht, muss er selbst in die Hand nehmen, so wie Gaihadres es offensichtlich vorgemacht hat. Mit vor der Glotze oder dem PC zu sitzen und Kompetenz vorzugaukeln wird das nichts, da ist schon Initiative gefragt. Nennt sich Eigenverantwortung.

14.11.2018 18:41 Karl Frühling 27

Die Umfrage hat nicht der MDR gemacht. Auftraggeber ist das Land Sachsen, die Staatsregierung.
Der MDR, b.z.w. die Mitarbeiterin Frau Deckow
hat den Monitor gelesen und ihre Sicht an Hand der Daten ausgewertet. Das Ergebnis kann man hier lesen. 1011 Personen standen Rede und Antwort.
Dies ist kein Spiegelbild der aktuellen Gesellschaft, nur ein kleiner Glassplitter von vielen.

14.11.2018 17:45 Ekkehard Kohfeld 26

Gaihadres 2 Warum geht es Ihnen denn schlechter? Was tun SIE ganz persönlich für eine Verbesserung Ihrer Situation? Ich habe 10 Jahre unter HarzIV-Niveau gelebt, um nach der Ausbildung das Abitur nachzuholen und zu studieren. Gejammert hab ich nie, denn ich hatte ein Ziel. Haben Sie noch Ziele, werte Kommentatoren? Die Schuld bei anderen zu suchen ist doch etwas zu einfach. ##Immer die selben Ausreden und Worthülsen,immer auf die Opfer schieben die haben ja selber schuld ist ja so einfach.Nein die Politiker wurden dafür gewählt diese Aufgaben für ihre Wähler zu erfüllen und nicht nur dumm rum zu quatschen und die Diäten zu erhöhen,scheint in Deutschland neue Mode zu sein die Opfer zu Tätern zu machen.Wie gesagt genau dafür wurden die Politiker gewählt um diese Aufgaben für ihr Wähler zu erfüllen,sonst brauchen wir sie nicht,nicht ablenken.

14.11.2018 16:20 Hempel U. Sofa 25

Das das EU-Parlament abstinkt ist doch logisch, findet sich doch kein Schwein mehr rein was die überhaupt machen. Keiner weis was Themen der Landes-/Bundes-/Europapolitik sind.
Ich persönlich widme meine Freizeit lieber der Familie und meinen Hobbies als das ich mich mit damit auch noch auseinandersetze. Aber das ist wohl kein Problem der Sachsen generell denke ich.

Bei der Überfremdung sollte wirklich mal ins Detail gegangen werden, europäisches Ausland ist kulturell, gesellscahftlich etc. etc. weniger problematisch für den einzelnen als der Orient.

14.11.2018 13:20 Eulenspiegel 24

„Den meisten Sachsen geht es gut: Sie beurteilen ihre Lebensumstände positiv. Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft.“
Ist doch klar. Das muss doch gelogen sein!
Und dann noch dieser Satz:
„Mehrheit sorgt sich wegen "zu vieler Ausländer"
Und dabei dieses"zu vieler Ausländer" mit Anführungszeichen. Das ist doch alles total offene Provokationen.
Ja wirklich?? Oder nur der Versuch ein Spiegelbild der Wirklichkeit zu geben. Also bei uns gibt es Tausende Versuche die Wirklichkeit zu spiegeln. Jeder kann sich das aussuchen welches ihm an besten gefällt damit er sich mit der Realität nicht befassen muss. Diese Realität“ Den meisten Sachsen geht es gut“ ist doch nun wirklich nicht zu ertragen.

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