Trockenheit und zu viele Nährstoffe im Wasser Talsperren in Sachsen kämpfen mit Blaualgen

Blick auf das Strandbad an der Koberbach-Talsperre
Wegen Blaualgen haben Behörden vor dem Baden in der Koberbach-Talsperre bei Zwickau gewarnt. Jetzt sind auch mehrere Brauchwasseranlagen in Sachsen vom Algenbefall betroffen. Bildrechte: MDR/Gert Friedrich

Sachsens Talsperren kämpfen mit Blaualgen. Wie die Landestalsperrenverwaltung (LTV) auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte, treten in Brauchwasseranlagen in vielen Teilen Sachsens Blaualgen auf. Betroffen sind die Talsperren Horstsee, Döllnitzsee, Göttwitzsee, Großer Teich Torgau und Schadebach II im Landkreis Nordsachsen. Blaualgen gibt es auch im Landkreis Leipzig in den Speicherbecken Witznitz und Lobstädt. Im Landkreis Altenburger Land wachsen die Algen in der Talsperre Schömbach, im Landkreis Mittelsachsen in der Talsperre Baderitz.

Warnungen vor Blaualgen in Talsperren Bautzen und Koberbach

Erst in den vergangenen Tagen hatten die Behörden wegen der Blaualgen vor dem Baden in den Talsperren Bautzen und Koberbach bei Zwickau gewarnt. Die Sichttiefe ist dort kleiner als einen Meter. "An allen übrigen EU-Badegewässern des Freistaats, ist das Baden möglich", hieß es von der Landestalsperrenverwaltung.

LTV: "Deutliches Trockenjahr"

"Das Jahr 2020 ist bisher, wie auch die letzten beiden Jahre 2018 und 2019, ein deutliches Trockenjahr", hieß es von der LTV. In den Trinkwassertalsperren seien die Algen im Juni und Juli jedoch moderater gewachsen als in den letzten drei Jahren. Durch den niedrigen Füllstand in Verbindung mit einer Baumaßnahme sei die Algenentwicklung an der Talsperre Dröda leicht erhöht. "Da das Rohwasser jedoch aus tieferen Schichten entnommen wird, war die Rohwasserbereitstellung an das Wasserwerk nicht betroffen", hieß es.

LTV bewirtschaftet 87 Talsperren

Die Landestalsperrenverwaltung bewirtschaftet 87 Talsperren, Hochwasserrückhaltebecken und Speicherbecken in Sachsen. Davon sind 23 Trinkwassertalsperren, zehn Anlagen sind als EU-Badegewässer ausgewiesen. Drei Anlagen werden gerade saniert und sind deswegen gesperrt: der Knappensee, der Silbersee (Speicher Lohsa) sowie der Speicher Borna.

Luftaufnahme Silbersee Lohsa.
Der Silbersee ist gerade wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Bildrechte: LMBV/Peter Radke

Blaualgen durch Hitze und Nährstoffe

Blaualgen kommen den Angaben zufolge in geringen Mengen in fast jedem Gewässer vor. Durch im Wasser gelöste Nährstoffe werde das Wachstum der Algen angeregt. Hohe Temperaturen förderten diese Entwicklung. Durch das Wachstum der Algen sowie ihrem späteren Absterben werde dem Wasser deutlich Sauerstoff entzogen, hieß es. Grundsätzlich führten geringere Wasserstände zu einer höheren Belastung. Auch kleinere Talsperren seien wegen ihrer geringeren Selbstreinigungskraft einer höheren Belastung ausgesetzt.

Studie zeigt Auswirkungen des Klimawandels auf Blaualgen

Eine Studie der TU Dresden mit Beteiligung der Arbeitsgemeinschaft Trinkwassertalsperren (ATT) aus dem Jahr 2019 zeigt, dass die Folgen des Klimawandels die Gewässer beeinflussen. Die Talsperren müssten längere Trockenzeiten ebenso ausgleichen können wie plötzlich auftretenden Starkregen. Aufgrund steigender Wassertemperaturen könne sich das Wachstum von Algen verstärken.

Quelle: MDR/tb/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 29.07.2020 | 14:00 Uhr in den Nachrichten

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