Gala Sächsisches Wort des Jahres
Die Gala fand im Dresdener Schauspielhaus statt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wahl 2018 Sächsische Wörter des Jahres gekürt

Diggschn, knaubln oder Beschmuh? Die Entscheidung über die sächsischen Wörter des Jahres 2018 ist gefallen. Auf einer Gala wurden am Mittwoch das Schimpfwort des Jahres, das beliebteste, das schönste und das am meisten bedrohte Wort gekürt.

Gala Sächsisches Wort des Jahres
Die Gala fand im Dresdener Schauspielhaus statt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Flädz, Iesche und Blinse - so etwas sagt der Sachse, wenn er sich ordentlich ärgert. Oder Diggnischl. Dieser Ausdruck ist am Mittwoch zum Schimpfwort des Jahres 2018 gekürt worden. Außerdem hat die Jury der Ilse-Bähnert-Stiftung den "Beschmuh" zum schönsten Wort, friemeln zum beliebtesten und "dorwiern" (quengeln, nerven) zu dem am meisten bedrohten sächsischen Wort des Jahres 2018 erklärt.

Zum nunmehr elften Mal wurden die Lieblingswörter der Sachsen am 3. Oktober verkündet. Die Gala zur feierlichen Verkündung fand traditionell im Dresdener Schauspielhaus statt. SZ-Autor Peter Ufer, MDR-Sachsenradio-Moderator Andreas Berger und der Kabarettist Tom Pauls präsentierten die Gewinner.

Ein Arsenal von Kraftausdrücken

Ein alter Mann gestikuliert wütend mit den Händen
So sehen "Diggnischl" aus, wenn sie unbedingt ihre Meinung durchsetzen wollen. Bildrechte: Colourbox.de

"Sachsen verfügen über ein umfangreiches Arsenal von Kraftausdrücken und Schimpfnamen, die sie der Jury ja massenhaft zugeschickt haben", sagte Autor Peter Ufer. "Diese Verbalkonzentrate unterscheiden sich vom Rest der deutschen Sprache vor allem durch den Dialekt und einige sehr spezielle Vokabeln", so Ufer mit Verweis auf Wörter wie "Nieselbriehm" oder "Nulbe". Das habe immer auch etwas Versöhnliches: "Selbst der größte Rüffel macht so noch Hoffnung."

Das Wort "Beschmuh" als schönstes Dialekt-Wort des Jahres entspricht der sächsischen Variante des Schmu oder der Schummelei. Laut Ufer stammt es aus der Gaunersprache, dem Rotwelschen. "Beschmuh ist ein Vertrauensbruch, weil da einer schwindelt, sich unlauter einen Vorteil verschafft, weil er hinterhältig seine Interessen durchsetzt und die anderen mit freundlichem Blick getäuscht hat.".

Gala Sächsisches Wort des Jahres
Auch der Leipziger Kabarettist Gunter Böhnke war bei der Gala in Dresden dabei. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die sächsischen Wörter des Jahres 2018 Das Schimpfwort: Diggnischl
Als Diggnischl bezeichnet man in Sachsen Menschen, die immer ihren Kopf durchsetzen wollen/müssen.

Das bedrohte Wort: Dorwiern
Kinder dorwiern, wenn sie quengeln, wenn sie unbedingt etwas haben möchten. Das Wort könnte vom "torquieren" abstammen, das martern oder quälen bedeutet. Sächsisch-Experten verweisen auch auf turbieren. Das wurde früher zu jemandem gesagt, der störte oder Beunruhigendes sagte.

Das schönste Wort: Beschmuh
Der Beschmuh bedeutet es soviel wie Schöntuerei, Täuschung eines anderen.

Das beliebteste Wort: Friemeln
Friemeln bedeutet: etwas (Dinge) miteinander verbinden, knifflige Zusammenhänge verknüpfen, sich etwas (einen Sachverhalt oder Informationen) zurechtlegen

Rettung der sächsischen Mundart

Seit 2008 kürt die Ilse-Bähnert-Stiftung die Sächsischen Wörter des Jahres. Mit der Aktion will die Jury aussterbende sächsische Wörter retten und die sächsische Mundart als wichtigen Teil der deutschen Sprache fördern und beleben.

Jedes Jahr kürt eine Jury die Sächsischen Wörter des Jahres. Erstmals in diesem Jahr gab es eine Sonderkategorie des Schimpfwortes.

Immer im Frühjahr werden die Sachsen aufgerufen, ihre Wort-Vorschläge einzureichen. Gekürt wird das Wort des Jahres immer am Tag der Deutschen Einheit, am 3. Oktober, bei der großen Sachsen-Wort-Gala im Dresdner Schauspielhaus.

Gala Sächsisches Wort des Jahres
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir wollen erstens, dass das Sächsische nicht in Vergessenheit gerät. Zweitens sollen die Sachsen ihre Sprache ruhig mit Selbstbewusstsein sprechen. Und drittens wollen wir bestimmte Wörter retten.

Peter Ufer Jurymitglied
Die bisherigen Sächsischen Wörter des Jahres:
Jahr Beliebtestes Wort Schönstes Wort Bedrohtestes Wort Schimpfwort
2018 friemeln

(knifflige Zusammenhänge verknüpfen
Beschmuh

(Schummelei, Schwindelei)
dorwiern

(quengeln, nerven)
Diggnischl

(Mann, der seine Meinung durchsetzen will)
2017 andadschn

(antasten, anfassen)
Schmieche

(Zollstock, Gliedermaßstab)
Reformande

(Strafpredigt, Zurechtweisung, Verweis)
 
2016 diggschn

(eingeschnappt sein)
Bibbus

(kleines Teil)
Mäffdl

(kleines Auto)
 
2015 Blaadsch

(ungeschickter Mensch)
Dämmse

(drückende Hitze, Schwüle)
Eiforbibbsch

(etwa wie "Ach Gott")
 
2014 Gelumbe

(nutzlose Dinge)
Däschdlmäschdl

(Liebschaft)
forblembern

(trödeln, Zeit vergeuden)
 
2013 Hitsche

(Fußbank)
forhohnebibln

(verspotten)
schnorbslich

(köstlich)
 
2012 didschen

(Lebensmittel in Flüssigkeit eintunken)
plumbn

(Wasser pumpen, heftiger Starkregen, schnell und viel trinken)
Renfdl

(Brotkanten)
 
2011 katschn

(laut kauen oder schmatzen)
bomforzionös

(großartig, aber etwas pompös)
Haderlump

(Taugenichts/ Landstreicher in abgerissener Kleidung)
 
2010 Hornzsche

(Rumpelkammer oder altes, verwahrlostes Haus)
bäbbeln

(Fußballspielen/ Kicken als Freizeitvertreib)
dschidschoriengrien

(kräftige, "giftige" Grüntöne)
 
2009 färdsch

(fertig)
fischelant

(clever, rührig, auf Zack)
Asch

(Aufwaschschüssel oder große Waschschüssel)
 
2008 nu

(als Lückenfüller oder Synonym für "ja")
muddln

(vor sich hin arbeiten, sein Ding machen, etwas ziel- und lustlos bei der Sache sein)
lawede

(instabil, ausgeleiert, marode)
 

Quelle: /MDR/cs/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 03.10.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 3.10.2018 | ab 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2018, 14:12 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

11 Kommentare

19.10.2018 20:29 Regine Wollin 11

gegsch…...wie in ;du siehst aber gegsch aus'

04.10.2018 12:06 Rasselbock 10

Wie macht man sich im Rest von DE unbeliebt? Man spricht sächsich.

03.10.2018 23:29 Bärbel 9

Ich find es klasse,dass unser sächsisch nicht in Vergessenheit gerät und ich verleugne meine sächsische Herkunft auch nie.
Ich hätte noch ein paar Worte, die auch dazu gehören..
Z.B. STERZE was soviel bedeutet wie Topfdeckel oder GAG einen Jacke ,
Es gibt sicherlich noch gaaanz viele Wörter ..natürlich kommt es auf die Aussprache an..weiter so..

03.10.2018 20:57 Frank Jacob 8

Der sächsische Dialekt, mit seinen verschiedenen Variationen, ist halt absolut einmalig!

03.10.2018 20:21 Fragender Rentner 7

Und warum keinen Goohlgopp?

03.10.2018 19:19 reisender 6

"Laut Ufer stammt es aus der Gaunersprache, dem Rotwelschen."

Rotwelsch wurde von Nicht-Sesshaften gesprochen. Rotwelsch als Gaunersprache zu bezeichnen ist beleidigend und diskriminierend. Es sei denn der MDR ist der Meinung, dass Nicht-Sesshafte gleich Gauner sind. Der Peter Ufer hat Medienwissenschaften und
Geschichte und eben nicht Sprachwissenschaften studiert. Er scheint also hier nicht so die Expertise zu haben.

03.10.2018 17:58 optinator 5

Als 1957 in Roßwein geborener Ur-Sachse, meine Mutter noch uriger, dann 1960 in den Harz gezogen, musste ich mir vor einigen Tagen sagen lassen : du quatsch wie der Olaf Schubert. Der ist zwar in Plauen geboren, lebt aber jetzt so wie ich weis in Dresden. Da nuschelt er och so !
Der Sachse kommt halt immer durch. Bei den ganzen Wörtern kommt meine Kindheit voll zu Tage, Mutter hat das Alles benutzt und toll so seine Vergangenheit in das Gedächtnis gerufen zu bekommen. Wie habe ich gelacht!!!

03.10.2018 16:58 der Uwe 4

Was auch fetzt sind:
Rudewalle, pratschn, dinge nunner, Mootwulf , Ardappl, zorknietschn, illern, Bemme, dorheeme , druffsemmeln , vorschwebbern, Radscher, hinratschn, genorr, Maarsack.....

03.10.2018 16:41 Hans Herrmann 3

Eine köstliche, treffliche und zum Mit-und Nachdenken anregende Veranstaltung - einfach scheen!

03.10.2018 15:42 #hartesdweichesthartesgweichesk# 2

#wieichsprechsoschreibichfriemelmirmeineigenesdeutsch_mdrforen#