Aufnahmen vom Sächsischen Palais in Warschau - Rückseite des Sächsischen Palais‘ vom Sächsischen Garten aus gesehen.
Bildrechte: Muzeum Warszawy

Sachsens Schatz in Polen Der Traum vom Wiederaufbau des Sächsischen Palais in Warschau

Im Zentrum Warschaus klafft seit Jahrzehnten eine große Lücke im Stadtbild. Hier hatte mehr als 200 Jahre lang das Sächsische Palais gestanden, einstmals die königliche Residenz Augusts des Starken. Nun setzt sich eine polnische Initiative für den Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schlosses ein - und wird ausgerechnet von der deutschlandkritischen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) unterstützt.

von Holger Lühmann

Aufnahmen vom Sächsischen Palais in Warschau - Rückseite des Sächsischen Palais‘ vom Sächsischen Garten aus gesehen.
Bildrechte: Muzeum Warszawy

In Warschau lassen sich bis heute viele sächsische Spuren finden. Etwa das Nobelviertel Saska Kepa (dt.: sächsische Flussinsel) am Weichselufer, das einstmals als königliches Jagdrevier während der sogenannten Sachsenzeit diente. Doch auch im Zentrum der polnischen Hauptstadt ist das Erbe der Sachsen sichtbar. Der Sächsische Garten etwa ist einer der größten städtischen Erholungsorte - und das inmitten von Wolkenkratzern. Der knapp 16 Hektar große Park lädt mit seinen barocken Skulpturen und Springbrunnen Touristen und Geschäftsleute des nahegelegenen Bankenviertels gleichermaßen zu Spaziergängen und Mittagspausen ein.

Skulpturen-Park im Sächsischen Garten in Warschau.
Der Skulpturen-Park im Sächsischen Garten in Warschau lädt zum Erholen ein. Bildrechte: MDR/Holger Lühmann

Ort von nationaler Bedeutung

Ein Teilstück des früheren Palais dient heute als Grab des Unbekannten Soldaten.
Ein Teilstück des früheren Palais dient heute als Grab des Unbekannten Soldaten. Bildrechte: MDR/Holger Lühmann

Aus Sicht der Historikerin Aneta Chalus ist der geschichtsträchtige Park jedoch unvollständig, denn ihm fehle das Sächsische Palais nebenan, zu dem die königlich-sächsische Grünanlage gehört hatte. "Vom Sächsischen Palais sind heute nur noch Reste des Säulengangs zu sehen", sagt die Historikerin. "Es ist das einzige Teilstück, das die Nachkriegszeit überdauert hat." Heute befindet sich in dem 25 Quadratmeter großen Säulengang das Grab des Unbekannten Soldaten. Die ganztägige Wache einer polnischen Ehrengarde der Armee demonstriert die nationale Bedeutung dieses Ortes.

Bald könnte sich das verlorene Teilstück wieder in das ursprüngliche Bauwerk einfügen - zumindest wenn es nach der Initiative Pałac Saski 2018 geht. Die Gruppe, bestehend aus Archäologen, Juristen, Kulturliebhabern und Historikern, setzt sich seit Jahren auf verschiedene Weise dafür ein, dass die Leerstelle einem Neubau weicht, der sich architektonisch am früheren Schloss der Sachsenzeit orientiert.

Finanzielle Unterstützung aus Deutschland gefordert

Mateusz Matyszczyk ist trotz der schwierigen politischen Stimmung in Warschau optimistisch, dass das gelingt: "Die derzeitige Stadtpräsidentin von Warschau positioniert sich wegen der hohen Baukosten gegen den Wiederaufbau des Schlosses, doch in diesem Jahr finden Kommunalwahlen in Polen statt, zu denen sie nicht erneut antreten will."

Damit könnte der Widerstand aus dem Rathaus enden. Die Hoffnung der Aktivisten ruht nun auf dem Kandidaten der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS). Der Warschauer Sejm-Abgeordnete Andrzej Melak hat sich bereits mehrfach für den Wiederaufbau ausgesprochen, auch wenn er nicht verhehlt, dass er sich finanzielle Unterstützung aus Berlin und Dresden wünscht.

Die deutschen Besatzer haben im Zweiten Weltkrieg fast die gesamte Stadt zerstört. Es wäre also eine großartige Geste, wenn die deutsche Regierung oder das Land Sachsen für die Schäden aufkommen - und damit auch für die Kosten, die der Wiederaufbau des Schlosses verschlingen würde.

Andrzej Melak Sejm-Abgeordneter

Wiederaufbau-Pläne liegen bereit

Nachbau des Sächsischen Palais in Warschau - Modell
Das Modell ist ein Nachbau des Sächsische Palais' in Miniatur. Bildrechte: Joanna Borowska

Doch das würde wohl nicht billig werden. Experten rechnen mit Planungs- und Baukosten in einem hohen dreistelligen Millionenbereich. Die Diskussion um einen möglichen Wiederaufbau ist allerdings nicht ganz neu. Pläne dafür liegen schon seit Jahren in der Schublade. Bereits Anfang der 2000er- Jahre hatte man den Wiederaufbau ins Visier genommen. In den Jahren 2006 und 2008 wurden sogar Grabungen durchgeführt, um das Terrain zu erkunden. Das Ergebnis der Bodenuntersuchung hat Archäologen und Statiker davon überzeugt, dass ein Wiederaufbau auf dem zum Teil erhaltenen Fundament möglich wäre.

Nun hängt alles von der polnischen Politik ab. Die Sächsische Staatskanzlei hat MDR SACHSEN auf Anfrage schriftlich mitgeteilt, dass der Freistaat das Bauprojekt in Warschau nicht mitfinanzieren könne, zumal man in Dresden von den Diskussionen nichts wisse. Es bestünden für Sachsen ohnehin keine Fördermöglichkeiten im Ausland.

Vorderansicht des Sächsischen Palais‘ in den 1920er Jahren.
Die Vorderansicht des Sächsischen Palais in den 1920er- Jahren. Bildrechte: Muzeum Warszawy

Das Sächsische Palais ... ... gilt als wichtigstes Erbe sächsischer Herrschaft in Warschau. Kurfürst August hatte das Bauwerk 1713 in Auftrag gegeben, um einen repräsentativen Herrschaftssitz in Polen zu haben. Einer der Planer des Stadtschlosses war Carl-Friedrich Pöppelmann, der Spross einer Baumeister-Dynastie in höfischen Diensten. Sein Vater hatte bereits die Bauleitung für den Dresdner Zwinger inne. Das Palais in Warschau geht zurück auf die Epoche, als die sächsischen Herrscher in gleichzeitig die polnische Krone innehatten (1697 - 1706 und 1709 - 1763). In dieser Zeit haben Kurfürst August der Starke sowie seine Nachfolger August III. und Friedrich August III. den städtebaulichen Charakter Warschaus entscheidend mitgeprägt. Sie ließen die polnische Hauptstadt durch Künstler und Architekten aus Sachsen und anderen Teilen Deutschlands umgestalten und ausbauen. Bis heute haben diese Spuren in der Stadt die Zeiten überdauert, wenngleich viele Palais und Parkanlagen durch Krieg und Sozialismus leiden mussten. Das Sächsische Schloss wurde 1944 von der Deutschen Wehrmacht gesprengt. Der geplante Wiederaufbau zeigt jedoch, dass man sich des sächsisch-polnischen Erbes bewusst ist.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 29.01.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2018, 17:18 Uhr

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6 Kommentare

02.02.2018 11:19 Sächsin 6

Verstehe ich nicht. Aber Gräfin Cosel musste ja wegen Kritik an der Polenpolitik und Ihrer Nähe zu England ihr halbes Leben auf Stolpen verbringen.

01.02.2018 20:19 Johanna-Maria Wiese 5

Ach, wie toll wäre es, wenn das Sächsische Palais in Warschau wiederentstehen könnte. Dann gäbe es einen schönen gemeinsamen Erinnerungsort, der über die schreckliche Vergangenheit der Nazi-Zeit hinausgeht, die - leider - noch immer die deutsch-polnischen Beziehungen prägen.

01.02.2018 19:29 Pessoa 4

Noch ein Disneyland für Erwachsene, ach, nö, es gibt sicher Projekte, die dauerhaft Menschen in Deutschland und Polen verbinden, aber Retro-Pomp wie in Dresden, das ist doch eher für die langsam aussterbende Generation?

01.02.2018 13:42 ach so 3

Warum nicht? Für den Aufbau der Frauenkirche wurde auch in Großbritannien viel Geld gespendet. Warum soll es nicht möglich sein das Deutsche sich am Aufbau des Sächsischen Palais nicht beteiligen? Gerade jetzt!

01.02.2018 08:40 Hans 2

Der Wiederaufbau wäre ein weiterer guter Grund, mal wieder in die schöne Stadt Warschau zu reisen!

31.01.2018 20:00 Einer aus der Kreisliga 1

Ich bin ja auch sehr für historische Gebäude. Sie atmen sehr viel Geschicht und ich finde es interessant, dass sich junge Polen für den Wiederaufbau einsetzen. Hört man sich aber bei den regierenden rechtsnationlen PIS Politikern um, dann wollen diese, dass Sachsen die Kosten trägt.
So ist das halt heute in Polen: EU Normen, Solidarität und Rechtsstaatlichkeit aufgeben aber Geld aus der EU (Deutschland) kassieren wollen.