16.02.2020 | 08:00 Uhr Samenspender gesucht - Kinderwunsch und -wirklichkeit in Sachsen

Wenn Paare keine Kinder bekommen können, behelfen sie sich bisweilen mit einer Samenspende. Diese können sie privat besorgen oder über eine Samenbank. Doch nicht immer führt dies zum gewünschten Erfolg und auch die rechtlichen Folgen sind mitunter kompliziert. Was müssen Paare und Frauen mit Kinderwunsch beachten?

Becher mit Sperma, im Hintergrund ein Paar mit Schwangerschafttstest in der Hand
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Wieviele Kinder werden in Sachsen per Samenspende gezeugt?

Unterschiedlichen Schätzungen zufolge werden in Deutschland jährlich zwischen 1.500 und 5.000 Kinder per Samenspende gezeugt, für Sachsen werden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Dresden keine Zahlen erhoben.

Wer übernimmt die Kosten bei einer künstlichen Befruchtung?

Die Kostenübernahme bei den privaten Kassen ist sehr unterschiedlich. Dagegen finanzieren die gesetzlichen Kassen nur die ersten drei Versuche anteilig zur Hälfte. Ein staatlicher Zuschuss für die Behandlungen kann in neun Bundesländern beantragt werden, darunter Sachsen. Für Ehepaare werden im Freistaat bei den ersten drei Versuchen bis zu 50 Prozent der Kosten übernommen, höchsten aber 900 Euro. Beim vierten Versuch verdoppeln sich dem Ministerium zufolge die Beträge auf bis zu 1.800 Euro, weil die gesetzlichen Krankenversicherungen diesen Versuch nicht mehr mitfinanzieren. Für nicht verheiratete Paare ist der Zuschuss geringer, für schwul/lesbische Paare gibt es keine Förderung.

Im Jahr 2018 stellte Sachsen rund 880.500 Euro für Kinderwunsch-Behandlungen zur Verfügung, wie das Sozialministerium auf Anfrage von MDR SACHSEN mitteilte. Gefördert wurden demnach 1.344 Ehepaare und 84 nichteheliche Lebensgemeinschaften. Ingesamt wurden 1.883 Behandlungen gefördert.

Die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung sind in Deutschland allerdings eingeschränkt. Viele Paare fahren deshalb ins Ausland, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten bei einer künstlichen Befruchtung?

Nach der Insemination liegt die Chance einer Schwangerschaft bei Frauen bis 40 Jahren im Schnitt bei 16 bis 19 Prozent pro Versuch.

Welche Möglichkeiten gibt es, eine Samenspende zu bekommen?

Eine Samenspende bekommen Paare in der Regel über eine Samenbank. In diesem Fall wird die anonyme Spende von der privaten Einrichtung an das Kinderwunschzentrum versendet, in dem der Samen von einem Arzt auf die Frau übertragen wird. Eine solche Samenspende über eine Samenbank kostet mehrere tausend Euro, hinzu kommen die Kosten in einer Klinik. Bei deutschen Samenbanken können Paare oder Frauen einen Spender nach Haar-und Augenfarbe, Größe, Gewicht, Bildungsstand und Blutgruppe aussuchen. In Sachsen gibt es keine Samenbank, die nächstgelegene ist in Berlin.

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So bewegt sich ein menschliches Spermium in der Simulation im dichten Zervixschleim.

Di 19.03.2019 15:52Uhr 00:10 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/Spermium-Spermien-Sperma-Bewegung100.html

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Wer kommt als Samenspender infrage?

In Deutschland kommen als Spender nur Männer zwischen 18 und 40 Jahren infrage. Sie müssen in hohem Maße fruchtbar sowie körperlich und geistig gesund sein. Männer, in deren Familien chronische oder bekannt vererbbare Erkrankungen wie Epilepsie, Herzfehler, Asthma, Rheuma oder psychiatrische Erkrankungen auftreten, werden als Spender nicht angenommen. Alle Samenspender werden auf Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis oder eine Chlamydien-Infektion untersucht.

Was muss bei privaten Samenspenden beachtet werden?

Manche Paare, oft in lesbischen Lebensgemeinschaften, oder Frauen, die sich auch ohne Partner noch einen Kinderwunsch erfüllen wollen, versuchen einen privaten Spender zu finden. Im Internet gibt es mehrere Portale, auf denen Samenspender und Paare mit Kinderwunsch inserieren. Meist wird ein Kind dann durch die Bechermethode gezeugt; dabei führt die Frau das Sperma mit einer Spritze oder Kappe ein. Aber auch der natürliche Weg über Sex ist möglich. Um eine Untersuchung auf mögliche Infektions- oder Erbkrankheiten müssen sich Spender und Empfänger selbst kümmern.

Bei privaten Samenspenden müssen die rechtlichen Folgen bedacht werden: Der Spender kann unter Umständen auf Unterhalt oder Erbe verklagt werden, aber auch selbst Ansprüche geltend machen. Außerdem gibt es bei durch private Samenspenden gezeugten Kindern keine Auskunftspflicht der Eltern, die Identität des leiblichen Vaters offenzulegen. Auch eine finanzielle Unterstützung durch Krankenkassen oder Bundesländer ist nicht möglich.

Grafik - Sperma-Krise 1 min
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Spermien waren schon mal fitter, flotter und mehr. Studien zufolge sinkt bei Männer in den Industrieländern die Spermaqualität seit Jahrzehnten.

Mo 21.10.2019 11:11Uhr 00:45 min

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Können andere Spenderkinder den Namen ihres biologischen Vaters erfahren?

Durch Samenspende in einer Klinik gezeugte Menschen können seit dem 1. Juli 2018 Informationen über ihre biologische Herkunft verlangen. Seither gibt es ein bundesweites Samenspender-Register, in dem die Daten von Spendern und Empfängerinnen für die Dauer von 110 Jahren gespeichert werden - allerdings nur, wenn die künstliche Befruchtung nach dem 30. Juni 2018 erfolgt ist.

Der Spender seinerseits wird juristisch freigestellt. Das heißt, er kann nicht mehr auf Unterhalt oder Erbe verklagt werden. Seit Einrichtung des Spenderregisters sind dort 750 Geburten registriert worden, wie der Sprecher des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information, Sven Borowski, MDR SACHSEN sagte. Seither habe es eine Anfrage von Eltern gegeben, die die Identität des Spenders erfahren wollten. Eine Registrierung von Kindern, die durch private Samenspenden gezeugt wurden, ist in dem Register nicht möglich.

Was ist mit Kindern, die vor Einrichtung des Samenspender-Registers gezeugt wurden?

Kinder anonymer Samenspender, die vor Einrichtung des Registers gezeugt wurden, haben grundsätzlich auch das Recht, den Namen ihre leiblichen Vaters zu erfahren. Das wurde in zwei höchstrichterlichen Urteilen entschieden, zuletzt vom Bundesgerichtshof im Januar 2015. In diesen Fällen müssen die beteiligten Kliniken oder Ärzte Auskunft über den biologischen Vater geben. Doch oft fehlen die Unterlagen, wenn die anonyme Samenspende mehrere Jahrzehnte zurückliegt.

Allerdings könnten diese Spender in bestimmten Fällen zu Unterhalt verpflichtet werden. Nach Informationen des Vereins Spenderkinder ist dies aber bisher noch nie der Fall gewesen.

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Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Dienstag Direkt | 30.10.2019 | 20:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2020, 08:00 Uhr

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