U-Untersuchung Jugendliche
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Gesundheitsvorsorge U-Untersuchungen in Sachsen: Schulanfänger top, Teenies flop

Die Gesundheit ihrer Kinder, liegt Eltern am Herzen. Solange sie klein sind, nutzen Familien meist lückenlos die freiwilligen Vorsorgetermine. Das ändert sich aber drastisch auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Dann sinkt die Bereitschaft, die U-Untersuchungstermine wahrzunehmen. Warum das so ist und wie man gegensteuern kann, weiß die Pressesprecherin des Berufsverbands der Kinderärzte Dr. Barbara Teichmann aus Leipzig.

von Kathrin König

U-Untersuchung Jugendliche
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Wie werden die Vorsorgeuntersuchungen für Kinder in Sachsen angenommen?
Barbara Teichmann:
In den ersten zwei, drei Lebensjahren nehmen Eltern die U-Untersuchungen grundsätzlich sehr gut an. Je größer die Kinder werden, desto größer sind die Abstände zwischen den Untersuchungen und desto seltener kommen die größeren Kinder in die Praxen. Da haben wir große Probleme, die jungen Menschen direkt zu erreichen.

Dr. Barbara Teichmann
Die Leipziger Kinderärztin Dr. Barbara Teichmann setzt sich dafür ein, dass auch Teenies alle U-Untersuchungen wahrnehmen. Bildrechte: privat/Barbara Teichmann

Warum sollten Heranwachsende denn zu diesen Jugenduntersuchungen kommen?
Von der Struktur her gehören 12- bis 15-Jährige noch zum Kinderarzt. Der Kinderarzt ist oft eine Vertrauensperson, die der Jugendliche schon seit seiner Kindheit kennt. Ihm kann er Fragen zum Erwachsenwerden stellen, die er sich zu Hause oft nicht traut, zu fragen. Ich erlebe oft, dass Jungen und Mädchen schüchtern vor mir sitzen und dann überrascht sind, dass ich ganz sachlich über sexuelle Themen und Gesundheit mit ihnen spreche.

Die letzte Untersuchung ist wichtig, damit ein Kinderarzt den Jugendlichen ruhigen Gewissens ins Erwachsenenalter entlassen kann. Dabei geht es um einen Gesundheitscheck, Überprüfung des Impfstatus, Kontrolle von Haltungsschäden. Man spricht auch über Berufspläne und was man da gesundheitlich beachten sollte.

Was kann man tun, um auch Heranwachsende nach der Grundschule für Vorsorge zu erreichen?
Wir müssen die Jugendlichen informieren und direkt mit Ihnen in Kontakt kommen - über Apps und Internetangebote. Gesundheitsvorsorge sollte auch Thema in der Schule sein. In den Praxen eignen sich spezielle Jugendsprechstunden, wo dann auch Infomaterial ausliegt, das speziell Pubertierende betrifft.

Es gab ja auch mal Info-Briefe vom Sozialministerium an die Eltern, damit sie die Untersuchungen nicht vergessen.
Ja, so ein Erinnerungssystem vermissen wir sehr. Für Kinderärzte ist es schwierig, so etwas selbst aufzubauen. Es wäre hilfreich, wenn die Gesundheitsämter oder die Krankenkassen solch ein Erinnerungssystem übernehmen würden. Dort liegen die Daten der Mitglieder ja vor.

Arzt im Gespräch mit Kind und Mutter
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Was ist mit der Eigenverantwortung der Eltern? Sie sind doch für Ihre Kinder zuerst zuständig?
Seit 2005 gibt es bis zum fünften Lebensjahr des Kindes jährliche Vorsorgeangebote. Das ist wirklich ein Gewinn, dass kleine Kinder kontinuierlich betreut werden. Wenn das Kind in der Grundschule ist, werden die zeitlichen Abstände für Vorsorgeuntersuchungen größer und nicht jeder hat das dann noch regelmäßig im Blick. Man kennt das von sich als Erwachsenem ja auch.

Es werden auch nicht alle U-Untersuchungen von den Kassen übernommen. 30 bis 50 Euro kosten diese Checks. Es ist dann auch eine Frage der Bereitschaft, etwas für medizinische Leistungen bezahlen zu wollen.

50 Euro sind viel Geld für Familien, wenn sie haushalten müssen.
Ja. Man kann bei seiner Kasse auch die Kostenübernahme beantragen, wenn die das nicht bezahlt. Der bürokratische Aufwand dafür ist für manche dann ein Hemmnis, das auch abschreckt. Man muss diese Leistung schon wirklich wollen, um den Aufwand anzugehen. Jetzt heißt es für die Kassenärztliche Vereinigung, die Lücken für Jugendliche bis zur Pubertät zu schließen und mit den Kassen die Kostenübernahme zu klären.

Zahlen zur Nutzung der Vorsorgeuntersuchungen

  • 81 Prozent der Schulanfänger können einen kompletten Vorsorgestatus nachweisen. Das heißt, sie haben an allen U-Untersuchungen von der U2 bis zur U9 teilgenommen.
  • Die Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen ist in Sachsen nach Einschätzung des Sozialministeriums generell hoch: Die Beteiligung an den U2- bis U7-Untersuchungen lag im Schuljahr 2016/17 bei rund 98 Prozent. •
  • Die U9-Untersuchungen selbst liegen dann nur noch bei 87 Prozent der Nutzung.
  • Nach Angaben des Berufsverbands der Kinderärzte Sachsens nehmen die beiden letzten beiden Vorsorgeuntersuchungen nur noch rund ein Drittel der sächsischen Kinder und Jugendlichen wahr.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 11.08.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 11. August 2018, 15:24 Uhr

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