Schule in der Pandemie Mehr Schüler in Sachsen - weiter Kritik am Regelbetrieb nach den Ferien

Nach den Ferien gilt in Sachsens Schulen wieder der Regelbetrieb. Wie wird der für die rund 485.600 Schüler aussehen? Werden sich alle in den Schulen an die vorgeschriebenen Corona-Regeln halten können? Und gibt es überhaupt genügend Lehrerinnen und Lehrer?

Schule, Schüler, Lehrer Mundmaske
Bildrechte: dpa

Für rund 485.600 Schülerinnen und Schüler in Sachsen beginnt am kommenden Montag ein neues Schuljahr. Wie das Kultusministerium am Mittwoch mitteilte, besuchen damit rund 3.370 Kinder und Jugendliche mehr die sächsischen Schulen als im alten Schuljahr 2019/2020.

Neun neue öffentliche Schulen

Den größten Zuwachs haben dabei die öffentlichen Schulen, während es bei den Einrichtungen in freier Trägerschaft einen leichten Rückgang gibt. Im neuen Schuljahr hat Sachsen auch mehr öffentliche Schulen, ihre Zahl ist um neun auf 1.374 gestiegen. Bei den Schulen in freier Trägerschaft blieb die Zahl mit 412 (Vorjahr: 411) weitgehend stabil, heißt es vom Ministerium.

GEW warnt vor Versprechungen und Stundenausfall

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht den geplanten Regelbetrieb ab Montag kritisch, gerüstet seien die Schulen dafür nicht. Die Landesvorsitzende Uschi Kruse warnte davor, Eltern und Schülern zu optimistische Versprechen zu machen. Man müsse unter anderem mit Schulschließungen und Kürzungen der Stundentafel rechnen - etwa in den Fächern Musik und Sport.

Die GEW hätte sich zudem mehr Zeit für die Schulen gewünscht, um sich auf den Schulbeginn in Corona-Zeiten vorzubereiten. "Einen Kaltstart halte ich für schwierig", sagte Kruse. Die GEW ist skeptisch, ob die Hygiene-Regeln wie Lüften und regelmäßiges Händewaschen eingehalten würden. Viele Schulen hätten zu wenige Waschbecken und Fenster dürften nur unter Aufsicht geöffnet werden. Mehr denn je müssten Schüler in kleinen Gruppen unterrichtet werden, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Schüler- und Elternkritik an normaler Klassenstärke

Auch der Landesschüler- und der Landeselternrat kritisierten den Schulstart mit normaler Klassenstärke. Sie halten kleinere Lerngruppen für besser, um das Infektionsgeschehen einzugrenzen. Vertreter beider Verbände hatten sich öffentlich für mehr Vorsicht in den Schulen ausgesprochen, Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts und einen späteren Beginn des Regelbetriebs befürwortet. Das Kultusministerium betonte dagegen, es spreche in Sachsen von einem Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen.

Nicht alle Lehrerstellen besetzt - Probleme im ländlichen Raum

Ein Klassenziel hat das Kultusministerium schon vor Schuljahresbeginn knapp verfehlt: Es wollte 1.100 neue Lehrer einstellen. Nun sind nach Ministeriumsangaben 1.043 Lehrerstellen im Freistaat neu besetzt worden. Unter den neuen Lehrern sind auch 121 Seiteneinsteiger.

Die meisten Einstellungen gab es für Grundschulen, gefolgt von Gymnasien und Oberschulen. Die Einstellungen lägen in allen Schularten unter dem Plan, so das Ministerium. Am deutlichsten zeige sich das bei den Oberschulen: Von 291 geplanten Stellen wurden dort nur 213 besetzt. Ein Problem stellte sich auch in diesem Jahr wieder : 70 Prozent der Bewerbungen galten den Ballungsräumen Dresden und Leipzig und der Schulart Gymnasium. Für die ländlich gelegenen Schulen gibt es laut Kultus weiterhin Probleme, geeignete Lehrer zu finden. Das Einstellungsverfahren für Lehrer laufe weiter, man versuche zudem freie Stellen noch bis zum 1. November mit geeigneten Seiteneinsteigern zu besetzen, heißt es vom Kultusministerium.

Einstellung neuer Lehrer im Schuljahr 2020/21
Schulart Anzahl geplanter Stellen tatsächlich besetzte Stellen
Grundschule 309 299
Oberschule 291 213
Gymnasium 281 226
Berufsbildende Schule 74 66
Förderschule 145 118

Quelle: MDR/ma/kk/dpa/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 26.08.2020 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 26.08.2020 | 14:00 Uhr in den Nachrichten

2 Kommentare

Dynamo vor 3 Wochen

"Wie das Kultusministerium mitteilte, besuchen 3 370 Kinder und Jugendliche mehr die sächsischen Schulen als im alten Schuljahr 2019 / 20. Was soll dieses Gejammere von immer mehr steigenden Schülerzahlen. Beispiel: Es ist dem Kultusministerium rund sieben Jahre vor der Einschulung bekannt, wieviel Schüler ca. (plus, minus vielleicht 50 Kinder) mehr eingeschult werden, bzw. weniger eingeschult werden, als im Vorjahr. Wozu sind denn die Statistischen Ämter da ? Dort wird doch alles registriert, was nur geht. Nachfragen müssen die Mitarbeiter des Kultusministeriums schon alleine. Und schon kann man Pläne aufstellen, die abgearbeitet werden müssen und das Gejammere kann aufhören. Was ist daran so schwer ? 27.08.2020, 22:46

Manfred vor 3 Wochen

Es nervt gewaltig. Alle anderen arbeiten seit Monaten fast normal, sogar ohne Maske und Dauerdesinfektion. Nur wenn die Lehrer normal arbeiten sollen und Kinder ordendlich schulen, gibt es Wiederstand, was ist das für Berufsauffassung. Eventuell doch den falschen Beruf gewählt. Schade für unser Schulsystem.

Mehr aus Sachsen