Eine Schulklasse freut sich über Ferien.
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Rechtsanwalt erklärt Ist es eine Straftat, die Schule zu schwänzen?

Es sind Ferien und der eine oder andere hat sicher mal überlegt, vor Ferienbeginn in den Urlaub zu starten. Doch darf man sein Kind früher aus der Schule nehmen, um ein paar Tage eher in den Urlaub starten zu können? Rechtsanwalt Thomas Kinschewski gibt Antworten.

Eine Schulklasse freut sich über Ferien.
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MDR SACHSEN-Moderator Maik Teschner: Herr Kinschewski, dürfen das Eltern einfach so oder ist es eine Straftat, die eigenen Kinder illegal krank zu melden?

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski: Ja, das weiß man, dass man das nicht darf. Das ist aber in Deutschland keine Straftat, sondern eine Ordnungswidrigkeit, die je nach Bundesland mit Bußgeldern mit bis zu mehreren Tausend Euro belegt werden kann.

Wie ist es in Sachsen?

Das höchste Bußgeld bei uns beträgt 1.250 Euro. Berlin ist Spitzenreiter, da kann man für fortgesetztes Schulschwänzen bis zu 2.500 Euro bezahlen. Andere Bundesländer sehen das locker, da gibt es ein paar Euro pro Tag. Man muss wissen: Schulrecht ist Ländersache. Das heißt, wie und wann Schulschwänzen verfolgt wird und vor allen Dingen den Urlaub verlängern, durch Krankmeldung des Kindes, das ist Ländersache und von Land zu Land verschieden.

Fortgesetztes Schulschwänzen haben Sie gerade gesagt, das heißt, die 1.250 Euro in Sachsen werden nicht gleich fällig, wenn man beim ersten Mal erwischt wird? 

Irgendwie kennt jeder jeden, der sein Kind mal einen Tag vor Ferienbeginn krank gemeldet hat, um den günstigeren Flug zu kriegen. Das wird als Kavaliersdelikt betrachtet. Die Bußgeldbehörden der Länder sehen das zunehmend kritisch, weil es eben auch die Vorbildfunktion der Eltern betrifft.

Es ist nicht nur eine Unsitte, sondern es wird tatsächlich auch verfolgt. Und die Statistik spricht da eine deutliche Sprache. Wir hatten in Sachsen 4.788 Fälle, wo wirklich Bußgelder verhängt wurden. Das heißt, es werden viel, viel mehr Fälle von Schulschwänzerei natürlich nicht erfasst. Leipzig ist in Sachsen absoluter Spitzenreiter mit 2.164 Fällen, gefolgt von Landkreis Bautzen mit immer noch 503 Fällen.

OK, wie oft "darf" man denn schwänzen?

Gar nicht. Es gibt kein Freikontingent.

Bekommt man diese Strafe sofort aufgebrummt?

Ja, also da muss natürlich ein bisschen was passieren. Das einfache Schulschwänzen mal einen Tag oder zwei Stunden – da gibt es nicht gleich ein Bußgeld. Allerdings, gibt es auch Extremfälle in Berlin, da hat eine Frau neun Monate auf Haft auf Bewährung bekommen, weil ihr Kind über 1.000 Tage gefehlt hat.

Aber wie kann man das denn nachweisen?

Der Airport Heraklion Kazantzakis International Airport, Innenaufnahme in der antiquierten und lieblos gestalteten Check-In Halle. EIne Familie mit Kindern wartet auf den Koffern sitzend auf ihre Abfertigung.
Typische Situation zum Ferienbeginn - Familie gibt Gepäck auf Bildrechte: imago/MiS

Die Nichtpräsens in der Schule ist belegbar. Wir bleiben mal bei den Fällen, wo die Flughafenpolizei Reisende aus dem Verkehr fischt, in Nordrhein-Westfalen oder auch München. Die Flughafenmitarbeiter sind angewiesen ganz genau darauf zu achten, ob in der Schulzeit Eltern mit offenbar schulpflichtigen Kindern verreisen wollen. Und dann gibt’s tatsächlich in Nordrhein-Westfalen eine richtige Anweisung, ob es eine Schulbefreiung gibt und zeigen lassen. Wenn es die nicht gibt, wird in der Schule angerufen, auch wenn die Eltern dann ihren Flug verpassen. Und wenn die Schule sagt: Nein, die sind im Krankenstand, dann wird im Extremfall das Ordnungsamt gerufen und Mithilfe der Polizei werden Eltern und Kind zurückgeführt.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05.10.2018 | 13 - 18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2018, 16:16 Uhr

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1 Kommentar

05.10.2018 17:24 Dresdner mit Tochter in Zürich 1

Warum nehmen wir uns nicht einmal ein Beispiel aus der Schweiz. Dort gibt es pro Schuljahr zwei sogenannte "Jokertage" (also ein Herausnehmen aus dem Unterricht ohne Angabe von Gründen) für jeden Schüler, über den die Eltern frei verfügen bzw. entscheiden können. Alles weitere Fehlen muss nachweisbar begründet werden. Damit wird dem geschilderten "Blaumachen" doch der Riegel vorgeschoben.