09.10.2019 | 19:51 Uhr | Update Nach Schießerei mit zwei Toten in Halle verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in Sachsen

Nach einer Schießerei mit zwei Toten in Halle haben die Behörden in Sachsen reagiert. Polizisten sichern jüdische Einrichtungen in ganz Sachsen, kontrollieren Autobahnen Richtung Tschechien und Polen. Mittlerweile gibt es aber keine akute Gefährdung mehr. Auch der Bahnverkehr in Halle und im Großraum Leipzig rollt wieder.

Polizisten sichern Synagoge Dresden
Bildrechte: Roland Halkasch

Nach den tödlichen Schüssen in Halle nahe einer Synagoge mit zwei Toten hat die Polizei die Sicherheitsmaßnahmen in Sachsen erhöht. "Aufgrund der aktuellen Ereignisse in Halle haben wir die Schutzmaßnahmen für die Dresdner Synagoge und den jüdischen Friedhof erhöht", sagte Polizeisprecher Marko Laske MDR SACHSEN. Details zu den Maßnahmen nannte er nicht. Auch die jüdischen Einrichtungen in Leipzig und Chmnitz sind gesichert worden. Laut Innenministerium sind alle Polizeidienststellen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Ein eigens einberufener Einsatzstab leitet von Leipzig aus die Maßnahmen. Innenminister Roland Wöller sagte, dass die sächsische Polizei die Beamten in Sachsen-Anhalt mit Einsatzkräften und Technik unterstützt.

Ganz gleich, welchen Hintergrund eine solch grausame Tat auch hat, ich verurteile sie auf das Schärfste. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer.

Roland Wöller Innenminister Sachsen (CDU)

Bundespolizei verstärkt Kontrollen

Die Bundespolizei in Mitteldeutschland hatte seit dem Nachmittag ihre Einsatzkräfte verstärkt und sicherte die Bahnhöfe in Mitteldeutschland sowie die Flughäfen in Leipzig/Halle und Dresden ab. Via Twitter erklärte die Behörde, dass sie die Verkehrswege nach Polen und Tschechien verstärkt kontrolliere.

Die Anschläge in Halle sind kein alleiniges Problem der jüdischen Gemeinde - sie treffen uns und unser Zusammenleben insgesamt.

Thoms Feist Beuaftragter der Sächsischen Staatsregierung für das Jüdische Leben

Bildergalerie Polizei in Alarmbereitschaft - jüdische Einrichtungen abgesichert

Ein Polizist läuft eine Straße entlang
Ein Polizist läuft am Mittwochmittag in Halle zum Einsatz, nachdem Schüsse vor der Synagoge im Paulusviertel abgegeben wurden. Bildrechte: dpa
Ein Polizist läuft eine Straße entlang
Ein Polizist läuft am Mittwochmittag in Halle zum Einsatz, nachdem Schüsse vor der Synagoge im Paulusviertel abgegeben wurden. Bildrechte: dpa
Polizeifahrzeug
Nach Schüssen und einem Angriff auf eine Synagoge in Halle floh ein mutmaßlicher Täter. Die Polizei fuhr mit schwerem Gerät vor. Bildrechte: MDR/Jörg Wagner
Zwei Polizisten mit Maschienengewehren stehen vor der synagoge Dresden am 9.10.2019. Sie sind in alarmbereitschaft, nachdem am Mittwochmittag vor der Synagoge in Halle/Saale zwei Menschen erschossen worden sind.
Aufgrund der Sicherheitslage sichern Polizisten in Dresden die Synogoge in der Altstadt ab. Bildrechte: Tino Plunert
Polizeischutz für jüdischen Friedhof in Dresden am 9.10.2019 nach der Schießerei in Halle/Saale vor der Synagoge.
Polizisten stehen nun auch vor dem jüdischen Friedhof in Dresden. Bildrechte: Roland Halkasch
Polizeibeamte bewachen am 9.10.2019 die Synagoge in Chemnitz.
Auch vor der Synagoge in Chemnitz fuhren Polizisten vor. "Dass nun jüdische Einrichtungen von zusätzlichen Polizeikräften gesichert werden ist zwar richtig und notwendig, es ist allerdings auch das Zeichen eines Ausnahmezustandes, der schnellstens beendet werden muss", sagte der sächsische Bauftragte für das Jüdische Leben, Thomas Feist. Bildrechte: Harry Härtel
Ein Polizeiauto steht am 9.10.2019 vor dem jüfischen Friedhof in Zittau.
Normalerweise ist der jüdische Freidhof in Zittau abgeschlossen. Am Mittwochnachmittag fuhr ein Polizeiauto vor zum besonderen Schutz der Einrichtung. Bildrechte: LausitzNews/Erik-Holm Langhof
Eine Polizeistreife sichert die Neue Synagoge in Erfurt
In Sachsens Nachbarland Thüringen verstärkte die Polizei ebenfalls ihre Präsenz vor jüdischen Einrichtungen wie hier in Erfurt vor der Synagoge. Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt
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Mehr Polizeikräfte fürs Lichtfest in Leipzig

Die Stadt Leipzig hat sich am Nachmittag mit den Organisatoren des Lichtfestes nochmals über die Sicherheitsmaßnahmen beraten, erklärte ein Stadtsprecher MDR SACHSEN. Das Fest fand jedoch wie geplant am Abend mit mehreren zehntausend Besuchern statt. "Das umfängliche Sicherheitskonzept ist auch auf Geschehnisse wie aktuell in Halle vorbereitet. Wir haben eine Kräfteaufstockung geprüft und sichern verstärkt Einrichtungen des jüdischen Lebens", hieß es. Und: "In Leipzig gibt es aktuell keine Gefahrenlage", twitterte die Polizei.

Wir trauern um die Opfer in Halle. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und Freunden. Das Friedensgebet und Lichtfest wollen wir dennoch nach jetzigem Stand wie geplant durchführen.

Burkhard Jung Oberbürgermeister Leipzig (SPD)

Leipzig in Alarmbereitschaft

Anlässlich der Ereignisse ein Halle hatte die Polizeidirektion Leipzig bis zum frühen Abend ein Bürgertelefon unter Tel.: 0341-2 55 34 00 geschaltet.

 Polizeit fährt zum Einsatzort
Die Polizei fährt von Halle aus Richtung Autobahn bei Leipzig. Bildrechte: dpa

Aus Sicherheitsgründen hatten eine Grundschule und eine Oberschule in Markranstädt bei Leipzig Amok-Alarm ausgelöst. Die zuständige Polizei teilte mit, dass es sich dabei lediglich um eine Schutzmaßnahme handelte, und es keinen ernsthaften Hintergrund gebe. Grundschulen in Leipzig-Dölitz und Lindenau forderten Eltern auf, ihre Kinder aus den Hort-Einrichtungen abzuholen.

Die Polizei hatte am Nachmittag ihre Fahndung auf den Großraum Leipzig ausgeweitet nach dem oder den flüchtigen Tätern. Augenzeugen berichteten auch von einem Hubschrauber über Leipzig. In Gohlis war demnach ein Räumpanzer der Polizei unterwegs. V

Polizei mahnte Zurückhaltung an

Die Polizei dementierte bei Twitter Berichte, dass sich ein Tatverdächtiger im Bereich des Stadtgebiets Leipzig aufhalten soll. Grundsätzlich bat die sächsische Polizei darum, Spekulationen zu unterlassen. "Die Polizei wird informieren, wenn es neue Erkenntnisse gibt. Im Moment arbeiten alle Einsatzkräfte mit Hochdruck."

Die Lage in Halle

Wegen des Polizeieinsatzes waren das Paulusviertel und der Hauptbahnhof Halle abgeriegelt worden. Ein Mann ist in einem Döner-Bistro und eine Frau vor der Synagoge erschossen worden. Mindestens zwei Menschen sollen verletzt worden sein. Der mutmaßliche Täter wurde am Nachmittag festgenommen.
Bis gegen 18:30 Uhr hatte die Polizei die Anwohner Halle und in Landsberg gewarnt, zu Hause zu bleiben und sich von Fenstern und Türen fernzuhalten. Mittlerweile ist die akute Gefährdungslage aufgehoben worden. Die Polizei schrieb: "Sie können wieder auf die Straße, die Warnungen sind aufgehoben."

Ein Augenzeuge hatte einen der mutmaßlichen Täter im Kampfanzug bei der Schießerei gefilmt:

Mehr Informationen finden Sie hier:

Hauptbahnhof Leipzig Ersatzhalt für gesperrten Bahnhof Halle

Wegen des Polizeieinsatzes hatte die Deutsche Bahn den Hauptbahnhof Halle gesperrt. Mittlerweile kann der Bahnhof wieder angefahren werden, teilte die Bahn mit. Die Züge waren zuvor über Leipzig umgeleitet worden. Auch der Linienverkehr des Nahverkehrsbetriebs HAVAG war komplett zum Erliegen gekommen.

Angriff am höchsten Feiertag der Juden

Max Privorozki, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt, sitzt vor einer Menora.
Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorotzki sagte, die Synagoge zum Zeitpunkt des Angriffs vollbesetzt. Bildrechte: dpa

Die tödliche Schießerei am Mittwoch in Halle fand zu Jom Kippur statt. In der jüdischen Religion gilt dieser Tag als höchster Feiertag und wird auch Versöhnungstag genannt. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorotzki, sagte, dass sich in der Synagoge rund 80 Menschen aufgehalten hatten, als mehrere Täter versuchten, ins Gotteshaus einzudringen. "Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen", sagte Privorozki. Der Mann habe wie von einer Spezialeinheit ausgesehen. "Aber unsere Türen haben gehalten."

Quelle: MDR/kk/dpa/epd/AFP

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.10.2019 | 14:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 09.10.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2019, 19:51 Uhr

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