Mehr Plätze in Schutzhäusern Regierung beschließt besseren Schutz vor häuslicher und sexueller Gewalt

Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen
Die Anzahl gemeldeter Fälle häuslicher Gewalt steigt von Jahr zu Jahr. Bildrechte: dpa

Sachsen will den Schutz vor häuslicher und sexueller Gewalt verbessern. Auf Antrag der Regierungskoalition aus CDU, Grünen und SPD beschloss der Landtag am Nachmittag ein entsprechendes Maßnahmenpaket. Er folgt damit einer europäischen Vorgabe, wonach Informations- und Aufklärungskampagnen und die Inanspruchnahme gesetzlicher und professioneller Hilfsangebote gefördert werden sollen.

"Häusliche Gewalt tötet etwa jeden dritten Tag in Deutschland eine Frau. Betroffen sind Frauen aus allen Bevölkerungsgruppen", sagte Justizministerin Katja Meier (Grüne). Häufig sei die Motivation, Kontrolle über die Partnerin oder ehemalige Partnerin zu gewinnen oder diese zu bestrafen. 2019 seien in Sachsen 9.000 Fälle von häuslicher Gewalt erfasst worden, 600 mehr als 2016, so Meier.

Katja Meier
Um europäische Vorgaben zu erfüllen, müssen laut Katja Meier die Zahl der Plätze in Frauen- und Kinderschutzhäusern sowie in Wohnungen für betroffene Männer von derzeit 270 auf 400 ausgebaut werden. Bildrechte: dpa

Ausbau im gesamten Freistaat

Das beschlossene Maßnahmenpaket sieht laut Katja Meier unter anderem vor, die Anzahl an freien Plätzen in Frauen-, Männer- und Kinderschutzhäusern aufzustocken. Im Erzgebirgskreis und im Landkreis Nordsachsen gebe es derzeit noch keine Schutzhäuser, sondern nur Schutzwohnungen. Hier sei eine Koordinierungsstelle geplant, die bestehende Angebote besser organisiert. Außerdem soll eine Dunkelfeldstudie zur häuslichen Gewalt durchgeführt werden.

Reaktionen anderer Fraktionen

Hanka Kliese (SPD) betonte, dass der Schutz von Frauen und Männern vor Gewalt ein universelles Recht sei, "das wir nicht von der Kassenlage abhängig machen dürfen." Den Linken ging der Antrag nicht weit genug. "Das Hauptproblem liegt in der Finanzierung - denn der Haushaltsvorbehalt bleibt bestehen und es fehlt ein Konzept für die Kofinanzierung durch die Kommunen," betonte die Abgeordnete Sarah Buddeberg.

Sarah Buddeberg (Die Linke) steht anlässlich der konstituierenden Sitzung des sächsischen Landtags vor einer Fotowand.
Laut Buddeberg Ohne wird es ohne eine Lösung in der Frage der Finanzierung weder ein flächendeckendes Netz noch mehr Kapazitäten geben. Bildrechte: dpa

Telefonnummern für Menschen in Not (Auswahl) Kinder- und Jugendtelefon: 0800 1110333
Sucht- und Drogenhotline: 01805 313031
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 0800 0116016
Telefonseelsorge: 0800 1110111 und 0800 1110222
Nummer gegen Kummer: 116111 und 0800 1110333
Elterntelefon: 0800 1110550
Frauen- und Kinderschutzhaus Pirna: 03501 547160 (24 Stunden erreichbar)
Männerschutzwohnung Dresden: 0351 32345422
Hotline Dresdner Jugendamt: 0351 488-4741
Frauennoturf Leipzig: 0341 4798179
Täter*innenberatung Escape: 0351 8104343
Hilfetelefon sexueller Missbrauch: 0800 2255530 und www.hilfetelefon.de

Quelle: MDR/dpa/kh

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.09.2020 | ab 19:00 Uhr in den Nachrichten

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