03.02.2020 | 13:54 Uhr MDR-Rundfunkräte mit vielen Fragen zum Semperopernball

Die Debatte um die Übertragung des Semperopernballs im MDR-Programm hat am Montag den Rundfunkrat beschäftigt. In der turnusgemäßen Sitzung in Leipzig nutzten einige Rundfunkrätinnen und -räte die Möglichkeit, Fragen zu den Ereignissen der vergangenen Woche zu stellen.

MDR-Intendantin Karola Wille hat auf der Sitzung der Rundfunkräte am Montag darauf verwiesen, dass der Semperopernball seit Jahren Bestandteil des MDR-Programms ist. Nach der Entscheidung des Opernball-Vereins, dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi den St.-Georgs-Orden zu verleihen, habe man abgewogen, ob der Ball überhaupt übertragen werden soll, so Wille. Vor dem Hintergrund der Bedeutung des Balls für die Öffentlichkeit sei dann die Entscheidung gefallen, die Verleihung nicht zu zeigen. Stattdessen soll es im Rahmen der Übertragung Beiträge zur politischen Situation in Ägypten geben, erklärte Wille weiter.

"Müssen wir das Spiel trotz der Quote mitspielen?"

Dass die Übertragung des Semperopernballs innerhalb des Rundfunkrates kritisch gesehen wird, zeigt die Stellungnahme von Nora Goldenbogen, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Dresden. "Müssen wir das Spiel trotz der Quote mitspielen?", fragte sie in die Runde. Zudem stellte sie in Frage, ob die Übertragung nicht am Auftrag des MDR vorbeigehe. Als Antwort bekam Goldenbogen von einigen Rundfunkräten applaudierende Zustimmung.

Lindenberg: Medienpartnerschaften überdenken

Anregungen zu einer möglichen Fortsetzung der Übertragung gab es auch. Rundfunkrat René Lindenberg (SPD-Landesverband Thüringen) gab zu bedenken, dass in der Öffentlichkeit oft der Eindruck entstünde, der MDR selbst sei der Veranstalter des Balls. Dass das nicht der Fall ist, müsse besser kommuniziert und Medienpartnerschaften prinzipiell überdacht werden.

Zukünftige Übertragung soll später geklärt werden

Über die zukünftige Übertragung des Balls soll später entschieden werden, ergänzte Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi. Der Vertrag mit dem Opernball-Verein sei nur für dieses Jahr geschlossen. Zudem soll abgewartet werden, ob und welche Konsequenzen der Verein nach dem Ball möglicherweise zieht. "Dann diskutieren wir weiter", so Jacobi. Die Kosten der Übertragung belaufen sich laut Jacobi auf rund 530.000 Euro.

Was war geschehen?

Nachdem bekannt geworden war, dass der Semperopernball-Verein den St.-Georgs-Orden an den ägyptischen Präsidenten al-Sisi verliehen hat, sagte Moderatorin Judith Rakers ihre Teilnahme am Ball ab. Auch Moderator Roland Kaiser zeigte sich von der Verleihung irritiert, entschied sich letztlich aber für die Moderation. Nach Rakers' Rückzug hatte sich Mareile Höppner bereit erklärt, den Ball zu moderieren. Weil sie massiv bedroht worden war, sagte sie ihr Engagement ab.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 03.02.2020 | 19:00 Uhr

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.02.2020 | ab 20 Uhr | Aufgefallen, das sächsische Kulturmagazin

Zuletzt aktualisiert: 03. Februar 2020, 13:54 Uhr

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