Sicherheit auf Sachsens großen Weihnachtsmärkten Betonsperren, Schranken und Wassersäcke sollen Weihnachtsmarkt-Besucher schützen

Die Weihnachtsmärkte in Sachsen sind nicht von terroristischen Anschlägen bedroht. Das schätzt das Landeskriminalamt ein. Dennoch sichern viele Städte ihre Märkte vor möglichen Angriffen ab, um die Besucher zu schützen.

Hell erleuchtet sind die Verkaufsstände auf dem Striezelmarkt in Dresden
Mit dem traditionellen Anschieben der Pyramide und dem Stollenanschnitt öffnete am Donnerstagnachmittag der Striezelmarkt in Dresden. Bildrechte: dpa

Dresden

Vor Wochen sorgten die Dresdner Stadträte noch sachsenweit für Diskussion, weil sie die Anschaffung geplanter neuer Betonsperren durch die Stadtverwaltung für ihren größten Weihnachtsmarkt nicht mittragen wollten. Seit Mittwochnachmittag dreht sich nun die Weihnachtspyramide auf dem Altmarkt. Der Striezelmarkt ist eröffnet und der Streit in den Hintergrund gerückt. Mit einem integrierten Schutzkonzept will die Stadt für Sicherheit auf einem der ältesten deutschen Weihnachtsmärkte sorgen, sagt der Leiter der Wirtschaftsförderung, Robert Franke.

Männer bauen Betonsperren und mobile Krallen zum Schutz des Dresdner Striezelmarktes auf.
Mit Beton- und Miframsperren sichert Dresden den Striezelmarkt auf dem Altmarkt. Bildrechte: Tino Plunert

Dabei setzt Dresden auf vier verschiedene Sicherheitselemente. "Dazu gehören quaderförmige Betonelemente, die verhindern sollen, dass Fahrzeuge in den Markt einfahren können", so Franke. Neu sind zwei Schranken an den Zufahrten des Marktes  sowie mit Wasser gefüllte quadratische Säcke, sogenannte Indutainer. Als vierte Maßnahme hat die Stadt Mifram-Sperren aufgestellt. Das sind mobile Klappbügel, die Fahrzeuge stoppen sollen, aber im Bedarfsfall zur Seite gerollt werden können, um zum Beispiel Händlerfahrzeuge durchzulassen.

Auch die Polizei wird mit einer mobilen Wache und Streifen den Striezelmarkt absichern. "Darüber hinaus wird eine Einsatzgruppe des Stadtordnungsdienstes Streife laufen und ein privater Sicherheitsdienst auf dem Markt unterwegs sein", so Robert Franke.

Chemnitz

Die Stadt hat das mit der Polizei und Feuerwehr abgestimmte Sicherheitskonzept für den Chemnitzer Weihnachtsmarkt, der am Freitag beginnt, etwas überarbeitet. "Wir werden wie im vergangenen Jahr auf die vielen Sandcontainer verzichten. Sie werden lediglich im Eingangsbereich Theaterstraße stehen", kündigt der für Recht Sicherheit und Umweltschutz zuständige Bürgermeister Miko Runkel an. Stattdessen sollen verstärkt Pflanzkübel für Sicherheit vor unerwünschten Fahrzeugen sorgen.

Polizisten sichern den Chemnitzer Weihnachtsmarkt vor möglichen Terrorangriffen.
Polizisten werden auch dieses Jahr wieder auf dem Chemnitzer Weihnachtsmarkt präsent sein. Bildrechte: Harry Härtel

Das bedeute aber nicht, dass die Stadtverwaltung die Sicherheitsmaßnahmen zurückfährt, betont Runkel: "Wir rüsten nicht ab. Wir haben nur nach einer anderen Möglichkeit gesucht, dass das Ganze etwas ansprechender ist." So ein Sandcontainer sieht natürlich nicht so schön aus wie ein Blumenkübel. "Wir wollen uns nicht wie andere Kommunen mit Betonblöcken oder irgendwelchen Absperrgittern einmauern", so der Bürgermeister weiter. Die Pflanzkübel seien eine elegantere Art, für Sicherheit zu sorgen. Darüber hinaus wird sich der Stadtordnungsdienst in den nächsten Wochen bei seinen Rundgängen auf die Innenstadt und den Weihnachtsmarkt konzentrieren und die Polizei bei ihren Streifenfahrten ein Auge auf das Markttreiben haben. Eine Videoüberwachung, wie oft gemunkelt, wird es nicht geben, sagt Miko Runkel.

Freiberg

Hunderte Besucher drängen sich auf dem Weihnachtsmarkt in Freiberg.
Um die Weihnachtsmarktbesucher zu schützen, hat Freiberg unter anderem die Zufahrtsstraßen zum Obermarkt gesperrt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Am Dienstag öffnete zum 29. Mal der Freiberger Christmarkt als einer der ersten Weihnachtsmärkte in Sachsen. Tausende Besucher werden in den nächsten Wochen in die Stadt kommen, über den Markt bummeln und sich die Bergparade am 8. Dezember ansehen. Damit sich die vielen Gäste auch sicher fühlen können, wird Freiberg einiges tun. Schließlich hat es wie alle anderen Städte ein Sicherheitskonzept für solche Veranstaltungen.

Allerdings spricht Oberbürgermeister Sven Krüger nicht gern darüber. Die Zufahrtsstraßen zum Obermarkt sind demnach gesichert. Es würden genug Sicherheitsleute im Einsatz sein. Auch der Stadtordnungsdienst ist regelmäßig auf Streife, lässt der Oberbürgermeister durchblicken. Mehr zu dem Thema sagt er aber nicht. "Wir wollen,  dass die Menschen, die zu uns kommen, nicht über Sicherheit nachdenken. Das ist unser Job. Sie sollen den Christmarkt genießen, hier eine schöne Zeit haben und sich von Weihnachten und dem Freiberger Christmarkt inspirieren lassen", sagt Krüger.

Leipzig

Betonklötzer mit rot-weißen Sicherheitsstreifen schützen die Zufahrten zum Leipziger Weihnachtsmarkt.
Mit Betonklötzen will die Stadt Leipzig Lieferfahrzeuge zum Langsamfahren zwingen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Neben Chemnitz hat auch Leipzig das mit der Polizei abgestimmte Sicherheitskonzept weiterentwickelt. Das Marktamt der Stadt wird ein spezielles Schnellwarnsystem einrichten. "Es kann zielgerichtet, schnell und nach definierter Einrichtung weitestgehend automatisiert Warnungen an voreingestellte Gruppen versenden", heißt es aus dem Rathaus. Außerdem wird es an den Hauptzugängen Betonsperren und Poller geben. "Die Betonteile zwingen die Lieferfahrzeuge im Marktbereich langsam zu fahren", sagt eine Stadtsprecherin.

Die mobile Sperre in Form eines Polizeiautos wird es dieses Jahr in der Goethestraße  jedoch nicht mehr geben. Jedes Mal, wenn eine Straßenbahn kam, musste der Streifenwagen vor- und zurückfahren. Dieses Jahr soll eine sogenannte Haifischflosse die Zufahrt zur Goethestraße sichern. Dabei handelt es sich um ein spezielles  Betonelement, das zwischen den Straßenbahngleisen aufgestellt wird. Darüber hinaus wird es im Bereich der Katharinenstraße einen Polizeiposten geben. Und die Polizei wird mit Streifen stärker präsent sein als sonst, so die Stadtsprecherin weiter.

Bautzen

Erstmals sorgt die Spreestadt in der Oberlausitz neben den Streifen vom Ordnungsamt mit zwölf Betonelementen an den wichtigen Zugängen für zusätzliche Sicherheit auf dem Wenzelsmarkt, der am 30. November öffnet. Die Elemente werden in Dreier-, Vierer- und Fünfergruppen auf dem Kornmarkt aufgestellt, sind mit starken Drahtseilen verbunden, sehen aus wie Weihnachtsbäume und wiegen jeweils eine Tonne. "Das Ganze geht auf die Initiative einer Bautzener Baufirma zurück, die diese Prototypen entwickelt und der Stadt kostenlos angeboten haben", erklärt Stadtsprecher André Wucht. Die Betonweihnachtsbäume sind nach Ansicht der Stadtverwaltung besser als nackte Betonklötze.

Große Weihnachtsbäume aus Beton sollen den Bautzener Wenzelsmarkt schützen.
Zum Schutz der Wenzelsmarktbesucher hat Bautzen erstmals tonnenschwere Weihnachtsbäume aus Beton aufgestellt. Bildrechte: xcitePRESS

"Bisher war das Thema Terrorgefahr nicht in unserem Sicherheitskonzept enthalten", sagt Wucht. Dass es nun aufgenommen wurde, bedeute nicht, dass es für den Bautzener Weihnachtsmarkt eine Bedrohung gebe, ergänzt der Stadtsprecher. "Wir reagieren mit den Weihnachtsbäumen nur auf die latente Sicherheitslage in Europa." An sich bietet die Anlage der Plätze, auf denen der Bautzener Weihnachtsmarkt stattfindet, schon ein gewisses Maß an Sicherheit. Sie sind für den Verkehr gesperrt und mit Pollern versehen. Wer von der Straße mit dem Auto auf den Kornmarkt fahren will, muss eine hohe Kante überwinden. In Bautzen sind die neuen Weihnachtsbäume aus Beton umstritten. "Wir haben sie dieses Jahr in unser Sicherheitskonzept mit aufgenommen", sagt André Wucht. Ob die Stadt sie nächstes Jahr wieder einsetzt, ist offen.

Quelle: MDR/ris/mwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.11.2018 | 13:00 Uhr in den Nachrichten

AKTUELLES AUS SACHSEN

Großer Kürbis liegt im Feld. 1 min
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Zuletzt aktualisiert: 29. November 2018, 21:03 Uhr

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10 Kommentare

01.12.2018 19:37 Rennstädter 10

@Simone 8:
Sie wollen doch nicht behaupten das vor den Berliner Breitscheidplatz eine derartige massive Sicherung von Weihnachtsmärkten notwendig waren. Da gab es keine "Mitbürger" die mit dem Kriegsruf Allaha akbar einen LKW in die Besucher eines Weihnachtsmarktes steuerten.
Sicher betrachten Sie dies als Einzelfall eines geistig Gestörten.

01.12.2018 16:52 nasowasaberauch 9

An Betonsperren, Wassersäcke, Sandsäcke und high tech-Sperren wie am Striezelmarkt kann ich mich in der Zeit vor 2015 nicht erinnern. Manche finden es offenbar schön und als Ac­ces­soire zum Wheinachtsmarkt gehörend. Man kann sich je nach Standpunkt die Welt schönreden oder auch mit Glühwein schöns...

01.12.2018 09:22 Simone 8

Was ist so schlimm daran, dass die Verantwortlichen für Weihnachtsmärkte analysieren, welche Gefährdungen es für solche Großveranstaltungen prinzipiell gibt und dann entsprechende Maßnahmen ergreifen? Nach dem Anschlag von Nizza gehört zu den potentiellen Gefahren eben auch Anschläge mit Fahrzeugen. Spätestens nach dem Anschlag von Berlin konnte auch in Deutschland kein Verantwortlicher vor dieser Bedrohung die Augen verschließen. So ist das eben, wenn einem nicht irgendwann grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden soll. Genauso haben wir Schulen gesichert als Kinder plötzlich Amokläufe begingen.

@Rennstädter 7:
Komisch, aber auf mich wirken Weihnachtsmärkte sehr offen und freundlich. Was für einen Unsinn von einer Festung willst du uns hier erzählen? Vermutlich haben nur Rechtspopulisten das Gefühl, dass sie sich dort in einem Kriegsgebiet befinden und auch das nur, wenn sie anderen Menschen Angst einjagen wollen um ihre fremden- und asylfeindliche Ideologie zu verbreiten.

01.12.2018 07:04 Rennstädter 7

Irgendwie leben wir in einer verkehrten Welt, kontrollieren und nachschauen wer das ist der nach Deutschland rein will können wir nicht - wir sind ja so bunt und weltoffen. Weihnachtsmärkte in von Polizisten mit Maschinenpistolen bewachte Festungen mit verbarrikadierten Zugängen verwandeln das geht.
Nicht das ich etwas gegen Menschen habe die wirklich unsere Hilfe benötigen, beim überwiegenden Teil hat man das Gefühl sie wollen in Europa gut leben ohne viel tun zu müssen. Denn warum wollen alle die zum Beispiel im sicheren Italien, oder Spanien angekommen sind unbedingt nach Deutschland? Vielleicht sollte man an den Absprungorten der afrikanischen Mittelmeerländer den zukünftigen Neubürgern mal erklären wie das Dablinabkommen für „Flüchtlinge“ funktioniert!

01.12.2018 02:27 Mediator 6

Die Rechtsausleger hier im Forum können einen ja bei ihrer verzerrten Wahrnehmung der Realität echt leid tun. Trotz ihrer Schwarzmalerei sind die Weihnachtsmärkte wie jedes Jahr gut besucht und die Menschen haben Spaß. Gerne vergessen DIESE ängstlichen Sachsen, dass die einzigen Terroranschläge die es seit 2015 in Sachsen gab durch Deutsche begangen wurden. Ich bin froh, dass man Großveranstaltungen gegen bekannte Risiken absichert. Dazu gehören Massenpaniken, Feuer, ein großer Anfall verletzter Personen oder die Gefahr eines Amoklaufes bzw. Terroranschlages. In einer Welt, in der immer mehr Verrückte nach einer Idee für ihren großen "Abgang" suchen, tut man gut daran sich dagegen zu wappnen. Es ist ja nicht so, also ob nicht auch Deutsche in jüngster Vergangenheit in suizidaler Absicht in eine Menschenmenge gerast sind. Vielleicht sollte man den Braunbären mal sagen, dass man eher vom Blitz erschlagen wird als Opfer eines Anschlags zu werden.

30.11.2018 09:38 Jakob 5

@1 - Richtig, "Sachse", das hat sich seit dem 11. September 2001 grundlegend verändert.

30.11.2018 07:09 peter 4

Es ist sowas von traurig, dass die schönste Zeit des Jahres mit solchen Mitteln beginnen muß!
Die Gründe sind bekannt. Besinnlichkeit kann hier wohl nicht mehr aufkommen, Freude und Spaß gleich garnicht.
Wo sind wir nur hingeraten?

29.11.2018 23:37 Monika Malz 3

Der ist gut, laut LKA sind keine Anschläge auf Weihnachtsmärkte geplant.
Und gestern habe ich unter mdr,de gelesen

"Generalstaatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Anschläge auf Weihnachtsmärkte
Es ist ein Szenario, dass sich keiner vorstellen möchte: ein Anschlag auf die Weihnachtsmärkte in Dresden und Chemnitz. Doch genau das sollen zwei schon in U-Haft sitzende Beschuldigte geplant haben."

29.11.2018 18:32 bürger 2

Ist es doch nicht beschämend und traurig, dass man jetzt neurdings die Weihnachtsmärkte mit Betonpollern schützen muss.
Aber wenn man den wahren Grund dafür nennt, ist man ja eigentlich schon wieder Nazi.
Abartig.

29.11.2018 16:16 Sachse 1

Also ich kann mich noch an Weihnachtsmärkte ohne Terrorsperren, schwerbewaffnete Polizisten etc. erinnern. War irgendwann vor 2015.

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