Mehrere Hundert Menschen protestieren. Auf einem Banner steht: Zukunftsmarkt, volles Werk. Warum Görlitz, Herr Kaeser?
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Gemeinsam gegen Werksschließungen Siemens-Mitarbeiter protestieren mit Trommeln und Autokorso

Rund 400 Siemens-Werker aus Görlitz und Leipzig haben am Donnerstag in Berlin gegen die geplanten Werksschließungen demonstriert. Insgesamt kamen 2.500 Mitarbeiter von Siemenswerken aus ganz Deutschland in die Hauptstadt.

Mehrere Hundert Menschen protestieren. Auf einem Banner steht: Zukunftsmarkt, volles Werk. Warum Görlitz, Herr Kaeser?
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Die Belegschaft des Görlitzer Turbinenwerkes von Siemens war am stärksten bei den Protesten in Berlin vertreten: Rund 300 von ihnen hatten sich schon kurz vor vier Uhr morgens auf den Weg gemacht, um ihrer Wut über die geplante Werksschließung Luft zu machen. Aus dem Leipziger Siemenswerk kamen rund 80 Mitarbeiter nach Berlin. Anlass ist die jährliche Betriebsrätetagung in Neukölln. Steffen Reißig von der IG Metall Leipzig sagte, der Protest zeige, dass die Beschäftigten das Spiel von Siemens nicht mitmachten, neue Mauern zwischen Ost und West, Norden und Süden zu bauen. "Wir stehen geschlossen gegen diese Kahlschlagpolitik."

Lautstark durch die Innenstadt

Insgesamt waren 2.500 Siemens-Werker aus ganz Deutschland nach Berlin gekommen. Ihr Protest war nicht zu überhören und erfasste große Teile der Berliner Innenstadt. Vor der eigentlichen Kundgebung startete bereits ein Autokorso am Dynamowerk von Siemens im Bezirk Spandau. Rund 200 Autos - geschmückt mit Transparenten und Gewerkschaftsfahnen folgten laut Angaben der IG-Metall hupend einem Motivwagen, der Siemens-Chef Joe Kaeser zeigen sollte. Die Verkehrsinformationszentrale Berlin sprach auf Twitter von 100 Fahrzeugen.

Schulz: Politik kann Job-Erhalt nicht erzwingen

Auf der eigentlichen Kundgebung vor dem Tagungshotel in Berlin-Neukölln sprachen dann unter anderem der SPD-Vorsitzende Martin Schulz, Gewerkschaftsvertreter sowie die Betriebsratsvorsitzenden verschiedener Siemenswerke. Schulz kritisierte die Entscheidung des Managements erneut scharf und mahnte den Konzern zu gesellschaftlicher Verantwortung. Man habe aber keinen direkten Einfluss auf das Unternehmen.

Der SPD-Parteivorsitzende Martin Schulz spricht in Berlin, am Rande der Siemens-Betriebsrätetagung der IG-Metall, zu den demonstrierenden Siemens-Beschäftigten.
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Ich kann den Unternehmen nicht auferlegen, dass sie Arbeitsplätze erhalten müssen. (...) Ich kann Siemens nicht zwingen.

Martin Schulz, SPD-Vorsitzender

Schulz nannte die Streichung tausender Jobs volkswirtschaftlich irrsinnig und verantwortungslos. "Dass durch Arbeitsplatzabbau die Effizienz des Unternehmens gesteigert wird, heißt übersetzt: Damit wir noch ein bisschen mehr Gewinn machen, schmeißen wir die Leute raus. Das ist asozial."

Gewerkschaft. "Inakzeptables Vorgehen"

Mehrere Hundert Menschen protestieren. Auf Schildern ist die Aufschrift Leipzig und darunter durchgestrichen Werksschliessung zu lesen.
Zur Kundgebung in Berlin kamen 2.500 Siemens-Werker aus ganz Deutschland. Bildrechte: MDR/Birgit Menzel

Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall betonte, dass der massive Angriff auf Jobs und Standorte von Siemens in Deutschland mit Blick auf die Rekordgewinne inakzeptabel sei. "Gerade ein Unternehmen wie Siemens muss wirtschaftliche Durststrecken in einzelnen Geschäftsfeldern auch aushalten können.“ Vergangene Appelle der Arbeitnehmerseite, das Unternehmen für die Zukunft wetterfest zu machen, seien ignoriert worden.

Birgit Steinborn, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates von Siemens sagte in ihrer Rede: "Standortschließungen und scheinbar alternativloser Stellenabbau sind keine Lösung und schon gar keine Basis für Verhandlungen." Die Beschäftigungsabkommen und der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen müssten Bestand haben.

Siemens-Personalchefin Janina Kugel erklärte, das Unternehmen wolle im Dialog mit den Sozialpartnern und der Politik zu fairen Bedingungen für die Mitarbeiter kommen und so möglichst viel Beschäftigung erhalten. Dafür trage Siemens die Verantwortung.

Siemens-Aus im November verkündet

Nach wochenlangen Spekulationen hatten sich die Befürchtungen von Werksschließungen am 16. November 2017 bestätigt. An diesem Tag hatte Siemens verkündet, zwei Standorte in Sachsen komplett zu schließen. Mehr als 900 Mitarbeiter aus dem Görlitzer Turbinenwerk sowie 270 aus dem Werk Leipzig-Plagwitz sind davon betroffen. Die Mitarbeiter aus dem Görlitzer Werk hatten daraufhin eine Petition zur Rettung des Werkes gestartet. Bislang haben mehr als 16.000 Menschen unterschrieben.

Quellen:MDR/dpa/vis/kb

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Fernsehen: MDR SACHSENSPIEGEL | 23.11.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2017, 08:46 Uhr

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8 Kommentare

24.11.2017 16:29 karstde 8

Der olle Marx hat doch recht. Der Arbeiter besitzt nichts weiter als seine Arbeitskraft die er verkaufen muss. Er nennt das glaube ich, das Verhältnis von Kapital und Lohnarbeit.
Kapitalismus ist doch Geil.
Hätten die mal alle Marx gelesen und wären nicht der Bild-Zeitung hinterher gerannt, dann würden die begreifen, was man mit dem Menschen in dieser kapitalistischen Gesellschaft macht.
Aber man kann endlich Bananen kaufen für einen schmalen Taler.

24.11.2017 08:24 Frederick Jung 7

@Eulenspiegel
Die "Energiewende" ist so "notwendig", wie der Sieg des Sozialismus vor 1989 historisch gesetzmäßig war. Wie können Menschen mit gesundem Verstand nur auf diesen grünen Leim gehen?

23.11.2017 17:15 Eulenspiegel 6

Hallo Frederick Jung 2
„Die Stellenstreichung bei Siemens sind eine direkte Folge der auch von der Schulz-SPD aktiv betriebenen so genannten Energiewende.“
Das die Energiewende notwendig ist und das sie kommen wird steht schon seit vielen Jahren fest. Wenn also die Stellenstreichung bei Siemens etwas mit der Energiewende zu tun hat so kommt die Frage warum zeigt Siemens seiner Belegschaft gegenüber keine soziale Verantwortung und bemüht sich auch nicht seine Leute in Arbeit zu halten. Denn schließlich ist so eine Belegschaft mehr als nur ein Arbeitsfaktor zur Profitmaximierung den man nach geblieben ein-oder ausschalten kann.

23.11.2017 15:46 Sophia 5

Ich denke es werden überall händeringend Fachkräfte gesucht? Da sollte es doch ein leichtes sein, die ehemaligen Siemens-Werker, welche ohne Zweifel sehr gut ausgebildet sind, schnell wieder in Arbeit zu bringen. Oder ist es doch nicht so, dass in Dtl. Fachkräftemangel herrscht? Fragen über Fragen.

23.11.2017 15:38 Fragender Rentner 4

Hoffendlich haben sie Erfolg!

Die Frage ist aber, was war schon alles vor der BT-Wahl 2017 über Siemens und seine Vorhaben bekannt?

Was hatte die GroKo schon gewußt?

23.11.2017 14:01 Matthias - Sie haben nichts gelernT 3

Trommeln gegen den eigenen Arbeitsplatzabbau. Man müsste darüber Lachen , wenn es nicht so ernst wäre. Aber die Mitarbeiter von Siemens haben aus der Geschichte nichts gelernt.
Warum besetzen diese nicht das Schkeuditzer Autobahnkreuz Innerhalb von Stunden kommt dann im Osten alles zum erliegen und schneller als diese glauben können nimmt sich die Regierung dem Problem an.
Wissen sie eigentlich, das es um ihre Existenz geht? Zu erkennen ist dieses im moment nicht.

23.11.2017 12:15 Frederick Jung 2

"Schulz nannte die Streichung tausender Jobs volkswirtschaftlich irrsinnig und verantwortungslos."
Die Stellenstreichung bei Siemens sind eine direkte Folge der auch von der Schulz-SPD aktiv betriebenen so genannten Energiewende. Für wie dumm hält der SPD-Vorsitzende die Wählerschaft? Was für ein erbärmlicher Heuchler steht dieser Partei heute vor! In die gleiche Kategorie gehört übrigens auch die grüne Berliner Wirtschaftssenatorin, die mit Berliner Arbeitern Seit´an Seit` gegen den Stellenabbau bei Siemens in der Hauptstadt "protestiert".

23.11.2017 12:10 Mensch 1

Wenn Trump sagt America first muss Mutti springen.