25.11.2019 | 07:00 Uhr Silbermond sind zurück: Das große MDR SACHSEN-Interview

Die Band Silbermond ist zurück - nach vier Jahren Pause gibt‘s das neue Album "Schritte". Die MDR SACHSEN-Moderatoren Elena Pelzer und Silvio Zschage sind mit Stefanie Kloß und Andreas Nowak von Silbermond im Gespräch.

Hat man nach so langer Pause keine Sorge, dass die Fans weg sind?

Stefanie Kloß: Für uns fühlt sich das gar nicht so lange an. Mit der Platte "Leichtes Gepäck" haben wir das letzte Konzert im Oktober 2017 gespielt. Und dann haben wir schon angefangen, so ein bisschen Ideen zu spinnen. Dann haben wir eine kleine Pause eingelegt - für ein zusätzliches Bandmitglied. Und dann haben wir schon weiter geschrieben. Also für uns waren es ungefähr so zweieinhalb Jahre, die wir jetzt an der neuen Platte gearbeitet haben. In der Zeit mussten die Fans ein bisschen warten. Das ist für uns als Band eine ganz normale Zeit. Wir schreiben die Songs, wir tüfteln im Studio. Wir wollen wirklich am Ende das Beste für jedes Lied. Und das braucht halt ein bisschen.

Ein Kind zu bekommen ist ein sehr emotionaler Moment. Hat sich das beim Texten bemerkbar gemacht? Die Platte wirkt sehr nachdenklich und emotional.

Stefanie Kloß: Irgendwie war alles, was in den letzten zweieinhalb Jahren passiert ist, ausschlaggebend für die Songs, die jetzt auf der Platte sind. Ob dass das Leben ist, was gerade um uns herum passiert, wie wir mit schwierigen Situationen in der Gesellschaft umgehen, wie wir gerade miteinander reden. Manchmal mache ich mir Sorgen, ob das alles in die richtige Richtung geht. Mutter zu werden ist für mich wahrscheinlich der krasseste Schritt gewesen in den letzten zweieinhalb Jahren. Und klar denkt man dann über einige Themen auch nochmal ganz anders nach.

Über zwei Jahre haben Sie an den Texten geschrieben. Kann es da sein, dass man zum Schluss sagt, die vom Anfang, die gehen jetzt nicht mehr, weil vieles doch anders gekommen ist im eigenen Leben?

Stefanie Kloß
Mutter werden war für Stefanie Kloß ein "krasser Schritt". Bildrechte: MDR/Gaby Conrad

Andreas Nowak: Es gibt Texte, die gehen ganz schnell von der Hand, die passieren so, aber es gibt auch Texte, die sind ein bisschen sperriger, die brauchen ihre Zeit. Das ist wie ein junger Wein, der am Anfang noch bisschen holzig schmeckt. Und dann braucht er einfach ein bisschen seine Zeit.

Stefanie Kloß: Es gibt auf der Platte kein einziges Lied, bei dem ich jetzt nicht in einem Jahr sagen würde, dass das ein Thema ist, zu dem ich nicht mehr stehe. Oder bei denen ich dann Dinge anders sehen würde. Wir haben zehn Songs auf diesem Album, bei denen wir alle sagen, das sind wirklich zehn kleine Geschichten, die uns in den letzten zweieinhalb Jahre bewegt haben. Die finde ich auch noch in einem Jahr gut. Da hänge ich mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster. *lacht*

Bei einem Titel haben wir die Luft angehalten und nicht mehr gesprochen "In meiner Erinnerung" …

Silbermond "Schritte"
"Schritte" ist das sechste Studioalbum von Silbermond. Bildrechte: Verschwende Deine Zeit GmbH

Stefanie Kloß: Im Studio konnte ich "In meiner Erinnerung" kein einziges Mal durchsingen. Jetzt, wenn wir so unterwegs sind, geht es schon ab und zu, dass ich es schaffe. Aber nur, wenn sehr wenige Leute im Raum sind. Aber je mehr Leute da sind … Was mich gerade unglaublich friedlich stimmt, sind die Geschichten, die uns Leute schicken und was sie uns schreiben. Sie lassen uns teilhaben an ihren Lebensgeschichten. Und das berührt mich wahnsinnig. Weil die genau an dem Lied das sehen, was wir eigentlich wollten. Es tut natürlich weh, zurückzuschauen.

Mein Vater ist sehr früh gestorben. Ich war erst 18, dachte, dass ich eigentlich so einen Platz in mir gefunden hätte, wo das bleiben kann. Und wo es nicht so schnell wieder hochkommt. Jetzt ist es aber wieder da. Vielleicht auch, weil während unser Album-Produktion vier Menschen aus unserem engsten Umfeld gestorben sind. Es ist ein neues Leben dazugekommen. Und dann guckt man nochmal ganz anders auf Themen wie Lebenszeit.

Wir alle wissen, wo das Leben anfängt. Aber wir wissen nicht, wann und wo es aufhört.

Stefanie Kloß

Wie sollte man im Hier und Jetzt leben?

Silbermond am 26.07.2019 in Chemnitz
Silbermond geben am Dresdner Elbufer im August 2020 zwei Konzerte. Bildrechte: MDR JUMP/Ralph Köhler

Stefanie Kloß: Wir verschieben so viel auf nächste Woche oder auf morgen oder übermorgen. Es ist gerade so stressig... Dabei sollte man sich fragen, warum? Lass' uns heute den Tag zu dem machen, der gut ist. Und wenn du abends ins Bett gehst, sollst du sagen können: Ich habe mit meinen Leuten eine gute Zeit gehabt. Und das ist schön, dass die Leute das merken, dass es darum geht. Es geht nicht ums Zurückschauen und das es noch mal wehtut, sondern es geht ums Jetzt. Und dass wir jetzt diese Lebenszeit nutzen können, um daraus eine gute zu machen.

Kunst ist die höchste Form von Hoffnung, hab ich jetzt mal gelesen. Das fand ich irgendwie total schön.

Andreas Nowak

Wenn ein neues Album rauskommt, sind die Fans voller Hoffnung, dass es auch eine Tour dazu gibt. Und die gibt es. Es soll die größte Tour in der Bandgeschichte werden.

Stefanie Kloß: Es sind große Hallen, ja, das stimmt. Wir sind auch wieder in Leipzig, in der Heimat unterwegs. Klar, wir haben schon ein bisschen Muffensausen, müssen wir schon sagen. Auf der anderen Seite machen wir uns ehrlich gesagt keine Sorgen, weil wir kennen, gerade in der Heimat, unsere Leute. Die sind wahnsinnig herzlich. Die empfangen uns immer mit offenen Armen.

Ihr Sohn kommt mit? Hat der Kleine schon seinen Backstage-Pass?

Stefanie Kloß: Natürlich, der ist ausgestattet von Kopf bis Fuß. Mal kommt er mit, ein paar Tage auch nicht. Er ist natürlich fester Bestandteil der Crew.

Silbermond auf Tour in Sachsen: 25.01.2020 - Leipzig
21.08.2020 - Dresden
22.08.2020 - Dresden

Quelle: MDR/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.11.2019 | 05-10 Uhr

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