Zukunftsplan Landesbauernverband plant sächsischen Schlachthof zur Stärkung der Region

Ein Mitarbeiter mit Mund-Nasen-Schutz zerlegt Schweinekeulen
In Belgern steht der einzige noch existierende große Schlachthof in Sachsen. Das soll sich nach dem Willen des Landesbauernverbandes ändern. Die Verantwortlichen haben eigenen Angaben zufolge bereits viele Partner im Boot. Bildrechte: dpa

Der sächsische Landesbauernverband (SLB) plant die Gründung eines regionalen Schlachthofs im Freistaat. Laut SLB-Präsident Torsten Krawczyk soll die Ernährungswirtschaft so krisensicherer werden. Außerdem wolle man damit die regionale Wertschöpfungskette ausbauen.

Bisher lange Wege und hohe Kosten

Aktuell gibt es im Freistaat laut SLB 169 Schweinehalter, die jährlich rund 492.000 Schlachtschweine heranziehen. Es gebe mittlerweile in der Region jedoch nur noch einen Schlachthof. Dadurch müssten die Tiere weite Wege zur Schlachtung in Kauf nehmen. Das sei einerseits Stress für die Tiere, bedeute aber auch hohe Kosten für Viehzüchter. Außerdem würden sich durch die Transportwege auch Gruppen durchmischen, das heißt, es sei nicht immer nachvollziehbar, welches Schwein von welchem Hof kommt.

Ferkel stehen auf der Ladefläche eines Tiertransportanhängers.
Um Schweine zum Schlachthof bringen zu können, müssen teils lange Strecken in Kauf genommen werden. Das bedeutet Stress für die Tiere und kann sich negativ auf die Fleischqualität auswirken. Bildrechte: dpa

Erzeuger wollen krisenresistenter werden

Das soll sich mit einem regionalen Schlachthof ändern. Vorteile seien kürzere Wege, mehr Mitspracherecht für Viehzüchter, eine bessere Vernetzung der regionalen Erzeuger und höhere Transparenz für Kunden. Außerdem versprechen sich die Verantwortlichen mehr Krisensicherheit. Gerade die aktuelle Situation, in der sowohl die Corona-Pandemie als auch die Schweinepest den Bauern zusetze, zeige die Notwendigkeit einer regionalen Lösung.

"Schweinestau"

Sachsens Schweinehalter haben aktuell mit einem sogenannten Schweinestau zu kämpfen. Aufgrund der Corona-Pandemie waren die Kapazitäten in den Schlachthöfen zuletzt geringer. Außerdem werde aufgrund der Schweinepest, die in Brandenburg und Sachsen bereits nachgewiesen wurde, kein Fleisch in die asiatischen Länder exportiert. Die Folge sind dem SLB zufolge volle Ställe, mittlerweile zu große Tiere und ein enormer Preisverfall.

Rückendeckung vom Ministerium

Nach Angaben von SLB-Präsident Krawczyk ist das Interesse groß, viele Partner unterstützten die Idee bereits. Und auch das sächsische Landwirtschaftsministerium ist von der Idee angetan. Minister Wolfram Günther (Bündnis 90/Die Grünen) sagte auf Anfrage von MDR SACHSEN: "Ein Schlachthof, der aus der Branche heraus und in zentraler Lage in Sachsen entsteht, würde uns unserem Ziel näher bringen, die regionale Wertschöpfung zu stärken."

Geplant ist nun laut Landesbauernverband eine Machbarkeitsstudie zu dem Vorhaben. Geld dafür erhält der SLB den Angaben zufolge vom Freistaat. Landwirtschaftminister Günther sagte, im Rahmen des Konjunkturprogramms des Landwirtschaftsministeriums könne die Machbarkeitsstudie finanziell unterstützt werden. In Kürze solle es auch einen Schlachthofgipfel geben.

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.01.2021 | 17:00 Uhr in den Nachrichten

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