Ein Fünf-Euro-Schein vor dem Logo der Agentur für Arbeit
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Sozialbericht der Landesregierung Weniger Sachsen im sozialen Abseits

Sachsens Sozialministerin Klepsch freut sich: Die soziale Lage im Freistaat entwickelt sich positiv, das Armutsrisiko sinkt. Doch der jetzt vorgelegte Sozialbericht zeigt auch Probleme und Herausforderungen auf.

Ein Fünf-Euro-Schein vor dem Logo der Agentur für Arbeit
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Die soziale Lage der Menschen in Sachsen hat sich deutlich verbessert. Zugleich ist das Armutsrisiko im Freistaat vergleichsweise gering. Das geht aus dem Sozialbericht hervor, den die zuständige Ministerin Barbara Klepsch am Dienstag vorgestellt hat. In der Studie wird die Entwicklung in den Jahren 2005 bis 2015 betrachtet. In dieser Zeit sind demnach unter anderem das Durchschnittseinkommen und die Lebenserwartung gestiegen, aber auch der Anteil älterer Menschen und die Zahl der Pflegebedürftigen. Gesunken ist dagegen die Einwohnerzahl, aber auch die Arbeitslosenquote und die Zahl der Familien und Paare mit Kindern, die auf Arbeitslosengeld angewiesen sind.

Familien haben mehr Geld, Alleinerziehende weiter Probleme

Sachsens Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Barbara Klepsch.
Sozialministerin Klepsch begrüßt die positive Entwicklung der soziale Lage. Bildrechte: Staatsministerium/Christian Hüller

Besonders die Familien und Paare mit Kindern hätten vom wirtschaftlichen Aufschwung in Sachsen profitiert, erklärte Klepsch. Ihnen gehe es deutlich besser als 2005. Nur noch fünf Prozent seien auf Arbeitslosengeld angewiesen. Zudem bezogen 2015 etwa 16 Prozent aller Familien mit minderjährigen Kindern Hartz-IV-Leistungen, 2005 waren es noch 25 Prozent.

Anders sieht das bei Alleinerziehenden aus. Hier ist die Armutsgefährdungsquote zwar von 2005 bis 2014 gesunken, 2015 jedoch wieder deutlich angestiegen. Im Gesamtvergleich liegt sie damit fast unverändert bei über 35 Prozent. Andererseits stieg der Anteil der erwerbstätigen Alleinerziehenden binnen zehn Jahren von 62 auf 73 Prozent.

Sachsen wird älter und gebrechlicher

Ein Seniorenpaar sitzt mit einer Pflegerin zusammen.
Immer mehr alte Sachsen brauchen Hilfe. Bildrechte: Colourbox.de

Als größte Herausforderung in den kommenden Jahren nannte Klepsch die Alterung der Gesellschaft. Vor allem auf dem Land gibt es immer mehr ältere und immer weniger junge Menschen - auch, weil es die Jüngeren in die Großstädte zieht. Die medizinische Versorgung müsse an diese Entwicklung ebenso angepasst werden wie die Organisation der Pflege, sagte die CDU-Politikerin - auch mit Blick auf den nach 2015 sprunghaften Anstieg der Pflegefälle durch die Pflegereform.

Klepsch setzt dabei auch auf das Modell "Nachbarschaftshelfer". Die hohe Bereitschaft der Menschen, sich für den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu engagieren, müsse weiter gestärkt werden.

SPD: Es muss noch mehr getan werden

Die in Sachsen mitregierende SPD erklärte, der Sozialbericht zeige, dass ihre Ideen für eine Reform des Sozialstaats auch für Sachsen der richtige Weg seien. Er zeige aber auch, wo konkreter Handlungsbedarf bestehe, so beispielsweise bei Alters- und Kinderarmut. Für den Sozialbericht waren 420 Indikatoren auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte untersucht worden. Die Sozialministerin kündigte an, künftig solle die Analyse schon auf der Gemeindeebene ansetzen, um mehr "Tiefenschärfe" zu erzielen.

Ausgewählte Zahlen zum vorgestellten Sozialbericht Sachsen
Entwicklung Einwohnerzahl 2005: 4,27 Millionen

2015: 4,08 Millionen
Lebenserwartung Frauen:

2005: 82,5 Jahre

2015: 83,6 Jahre

Männer:

2005: 76,4 Jahre

2015: 77,6 Jahre
Zahl der Pflegebedürftigen 2005: 119.905 Menschen

2015: 166.792 Menschen
Zahl der Erwerbstätigen 2005: 1,82 Millionen

2015: 1,9 Millionen
Arbeitslosenquote gesamt 2005: 18,3 Prozent

2015: 8,2 Prozent
Hartz-IV-Leistungsberechtigte gesamt 2005: 510.186 (Quote: 11,7 Prozent)

2015: 358.339 (Quote: 15,2 Prozent)
Mittlerer Tageslohn Frauen (vollzeitbeschäftigt / teilzeitbeschäftigt / geringfügig beschäftigt):

2005: 58 / 48 / 5 Euro

2014: 72 / 49 / 8 Euro

Männer (vollzeitbeschäftigt / teilzeitbeschäftigt / geringfügig beschäftigt):

2005: 63 / 51 / 7 Euro

2014: 76 / 48 / 5 Euro
Armutsgefährdungsquote (Einkommen von weniger als 60 Prozent des landesweiten Äquivalenzeinkommens laut OECD): 2005: 13,7 Prozent

2015: 12,9 Prozent

Quelle: MDR/dpa/epd/stt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.02.2019 | ab 16:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 12.02.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 20:08 Uhr

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3 Kommentare

13.02.2019 14:21 Wolpertinger 3

@13.02.2019 09:48 Hartmut Koch
"Allgemein verbindliche Tarifverträge werden gefordert, aber von den unsozialen Regierungen abgelehnt. "
Dafür ist allerdings erfoderlich, dass beide Vertragsparteien dieses beantragen.
Normalerweise sind die Arbeitgeber hier immer sehr schnell mit dem Schlagwort "Tarifautonomie" präsent. Der Staat habe sich nicht in die Wirtschaft einzumischen.
Natürlich nur solange, bis die Firma (der Konzern) den Bach runtergeht. Dann darf gerne unterstützt werden um Arbeitsplätze zu sichern.

13.02.2019 09:48 Hartmut Koch 2

SPD, die mit Hartz IV die Armut gebracht hat.
Wenn, wie in den Einzelhandel Leipzig fast alle Einzelhandelsbetriebe ihre Tarifverträge kündigen, bleibt für viele gelernte Beschäftigte nur der Mindestlohn, leider genauso viel wie ein Ungelernter.
Allgemein verbindliche Tarifverträge werden gefordert, aber von den unsozialen Regierungen abgelehnt.
Lieber nur 12€ im Tarifvertrag fordern und bekommen, als 15€ fordern und 9,09€ bekommen!
Mit diesem Mindestlohn und 6 Stunden Arbeitszeit ist kein Alleinstehender in der Lage sein Lebensunterhalt zu verdienen.
Er ist gezwungen zusätzlich Hilfe zum, Lebensunterhalt zu beantragen. (Aufstockende Hartz IV Leistungen)
Er wird zum Schuldner der Arbeitsagentur,da Jeder Cent der man zusätzlich während den Bewilligungszeitraum bekommt, Nachtschichtzuschläge, Prämien auf die Einzelhandelskarte , Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld) zurückgezahlt werden muss. (Von was?)
Die Schuldenspirale steigt, die SPD weiß von nichts.

13.02.2019 08:25 na so was 1

Die "kleinen Leute" müssen um jede, noch so geringe, Lohnerhöhung bei gleichbleibend guter Arbeit kämpfen und beim Chef "betteln". Dann gibt es noch eine andere Schicht in der Bevölkerung, die so etwas nicht machen müssen. Diese wissen aber genau, einmal im Jahr bekommen wir eine Gehaltserhöhung. Wir brauchen dafür aber auch nicht mehr zu tun als bisher, bei uns heißt das übrigens nicht Lohnerhöhung, bei uns heißt das Diätenerhöhung.
Obwohl man unter Diät eigentlich etwas versteht, wo man auf bestimmte Sachen verzichten muss. Auch der Spruch, warum bist du denn sowas nicht geworden, zieht nicht und würde das Problem auch nicht lösen.

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