Sparkassen-FAQ

Wie viel verdient ein Sparkassen-Chef? Was ist der Unterschied zwischen einer Sparkasse und einer Bank? Wer kontrolliert die Geschäfte einer Sparkasse? Wofür wird das Sparkassenwesen kritisiert?


Was ist der Unterschied zwischen einer Sparkasse und einer "normalen" Bank?

Sparkassen sind der Gemeinnützigkeit verpflichtet. Die Eigentümer sind öffentlich-rechtliche Träger, also Städte und Kommunen. Banken und Sparkassen sollten sich grundlegend in ihrer Geschäftsphilosophie unterscheiden. Sparkassen haben in erster Linie die Aufgabe, ein flächendeckendes kreditwirtschaftliches Angebot für alle Kundengruppen sicherzustellen. Durch die Vergabe von Krediten für mittelständische Unternehmen sollen sie die wirtschaftliche Entwicklung in ihrer Region zu fördern. Die Sparkasse Mansfeld-Südharz selbst erklärt: "Ihre Geschäftsergebnisse kommen der Allgemeinheit in der jeweiligen Region zu Gute. Private Banken hingegen sind ihren Anteilseignern verpflichtet. Sie müssen darauf achten, für diese eine möglichst hohe Rendite zu erzielen."


Wie sind Sparkassen entstanden?

Die Geschichte der Sparkassen in Deutschland reicht bis ins Ende des 18. Jahrhunderts zurück. 1778 wurde in Hamburg die "Ersparungsclasse der Allgemeinen Versorgungsanstalt" als weltweit erste Sparkasse gegründet. Die erste Sparkasse, für die eine Kommune die Haftung übernimmt, entstand 1801 in Göttingen. Sparkassen sind gegründet worden, um den ärmeren Bevölkerungsschichten eine sichere und verzinsliche Anlage ihrer Ersparnisse zu ermöglichen. Zwar haben sie sich nach und nach, besonders seit Beginn unseres Jahrhunderts, zu universell tätigen Kreditinstituten entwickelt, doch ist Schwerpunkt ihres Geschäfts noch immer die Sammlung von Spargeldern der Bevölkerung.


Wer kontrolliert die Geschäfte der Sparkassen?

Die Organe einer Sparkasse sind der Vorstand als geschäftsführendes Gremium und der Verwaltungsrat als Aufsichtsgremium. In den Verwaltungsräten der Sparkassen sitzen in der Regel Bürgermeister und Landräte, aber auch städtische Angestellte und Unternehmer. Die Kommunen sind nämlich die Träger der Sparkassen – und sie sollen den Vorstand überwachen. Kritiker meinen: Oft fehlt es ihnen an der Qualifikation. Außerdem sei die Vergütung der Aufsichtsposten häufig sehr üppig. Als die Europäische Bankenaufsicht auf mögliche Interessenkonflikte aufmerksam wurde, wehrten sich mehrere kommunale Verbände heftig. Die Sparkassengesetze seien Ländersache, und das System habe sich insgesamt bewährt. Zu den Kritikern gehört der Frankfurter Wirtschafts-Professor Ralf Jasny. Er zweifelt nicht nur grundsätzlich an der Eignung der kommunalen Kontrolleure, er prangert zudem an, dass viele Verwaltungsräte gleichzeitig Kreditkunden der Sparkasse seien. Umstritten ist auch die Frage, was mit dem Gewinn der Sparkassen passiert. An die Kommune ausschütten müssen sie ihn nicht – es bleibt bei freiwilligen Spenden.


Stimmt es, dass Sparkassenchefs mehr verdienen als Angela Merkel?

Peer Steinbrück, SPD, Mitglied des Bundestages (MdB), Bundesminister der Finanzen a.D.
Löste mit seinem Sparkassen-Spruch 2013 Debatten aus: Peer Steinbrück. Bildrechte: IMAGO

Fast jeder Sparkassenchef in NRW verdient mehr als die Kanzlerin, behauptete einmal der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Stimmt's? Ja, in vielen Regionen, auch in Sachsen, ist das so. Ein Bilanzcheck der westsächsischen "Freien Presse" ergibt: "In der Region verdienen sie alle im Schnitt mehr als Angela Merkel." Die Top-Manager mussten demnach nur im Erzgebirge und im Vogtland Abstriche hinnehmen. In Chemnitz, Mittelsachsen und Zwickau erhöhten sich ihre Bezüge seit 2012 sogar noch kräftig um bis zu 34 Prozent (siehe Tabelle). So erhielt jedes Vorstandsmitglied der Sparkasse Zwickau im Durchschnitt im Jahr 2015 etwa 110.000 Euro mehr als drei Jahre zuvor. In Chemnitz brachte jeder der Chefs im Schnitt 95.000 Euro und in Mittelsachsen annähernd 70.000 Euro mehr an Jahressalär nach Hause als 2012.

Die Verwaltungsräte beziehen in Sachsen eine sogenannte Pauschalentschädigung, die sich je nach Bilanzsumme der Sparkasse auf zwischen 1.500 und 2.900 Euro jährlich beläuft. Je Sitzung gibt es eine extra Pauschale von maximal 300 Euro. Die Vorsitzenden des Verwaltungsrats können dem Landesrecht gemäß doppelt so hohe Bezüge bekommen.

Tabelle Sparkassen-Bezüge
Bildrechte: MDR/Bart Lorsheijd

Wer profitiert vom Sparkassen-Sponsoring?

Knapp eine halbe Milliarde Euro spenden Deutschlands Sparkassen jedes Jahr direkt oder über Stiftungen für wohltätige Zwecke. Im Jahr 2016 liegen den Journalisten des Recherchenetzwerks CORRECTIV erstmals die kompletten Spendenlisten von 32 Sparkassen vor. 32 von 403 - der Rest verweigerte jede Auskunft. Gefördert wurden demnach Golfclubs, Karnevalsvereine – und Geburtstagsfeiern des örtlichen Sparkassenchefs. Rein formal sei daran nichts zu beanstanden, meint CORRECTIV, denn "die Liste, was nach deutschem Recht unter gemeinnütziges Engagement fällt, sei lang." Dennoch: Brauchen Golfclubs Geld von der Sparkasse? Karnevalsvereine? Schützenvereine? Oder sind das nicht vielmehr verdeckte Marketing-Ausgaben, die der Kundengewinnung und -pflege dienen, nicht aber der Förderung wohltätiger Zwecke?" fragt CORRECTIV.


Wie ist das Preis-Leistungsverhältnis von Sparkassen?

Es gibt teure und es gibt preiswerte Sparkassen - jede hat ihr eigenes Gebührensystem. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt: "Ein guter Indikator für die Wahl einer Filial-Bank sind die monatliche Grundgebühr für das Online Konto (unter vier Euro) und die monatliche Grundgebühr für das große Service Konto (unter zehn) sowie der Dispozins (unter neun Prozent).

Legt man Tenhagens Kriterien an die Gebührentabellen der zwölf sächsischen Sparkassen an, wäre tatsächlich nur eine uneingeschränkt zu empfehlen: die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien. Bei allen anderen elf Sparkassen liegt der Dispozins über neun Prozent oder die Kontoführungsgebühren sind zu hoch.

Dass sich die Kontoführungsgebühren je nach Sparkasse in Sachsen stark unterscheiden, fällt besonders bei den kostengünstigen Konten auf. Bei diesen sind wenige Leistungen inklusive. Am meisten bezahlen muss man für ein solches Konto bei der Sparkasse Mittelsachsen, nämlich 5 Euro Kontoführungsgebühren im Monat. Die Kontoführungsgebühren bei den anderen Sparkassen liegen zwischen drei Euro und 4,90 Euro.

Großstädter kommen bei diesen Konten etwas besser weg. Denn in Chemnitz, Leipzig und Dresden sind die EC-Karten inklusive. Bei den anderen neun Sparkassen kosten sie beim Online-Konto zwischen sechs und zwölf Euro pro Jahr.  

Die "all inclusive"-Konten der Sparkassen kosten mit drei Ausnahmen unter zehn Euro im Monat. Bei der Kreissparkasse Döbeln, der Ostsächsischen Sparkasse Dresden und der Sparkasse Leipzig zahlt man dafür zwischen elf Euro und 13 Euro. Überweisungen, Daueraufträge oder Geldein-, und Auszahlungen sind im Preis inbegriffen. Außer im Erzgebirge, Muldental, Mittelsachsen und bei der Kreissparkasse Bautzen sind hier EC-Karten inklusive.

Eines haben jedoch alle Konten gemeinsam, egal ob großes Service Paket oder kleines Online Konto: Für eine Kreditkarte muss man jährlich bis zu 36 Euro zahlen. Übrigens geben einige Sparkassen explizit an, dass die für das Online-Banking benötigte App kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Das ist eigentlich Standard.


Welchen Einfluss hat der Niedrigzins der Europäischen Zentralbank auf die Sparkassen?

Durch den von der Europäischen Zentralbank vorgegebenen Leitzins von null Prozent schwinden die Erträge der Banken. Damit soll ein Klima für Investitionen geschaffen werden. Kredite sollen für Unternehmen leicht zu bekommen sein.  Die Zins-Einnahmen aus dem Kredit- und Einlagengeschäft, machen aber den wichtigsten Teil der Einnahmen für deutsche Banken aus. Das gilt insbesondere für die weitverbreiteten Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Etwa drei Viertel ihrer Einnahmen stammen aus Zinsgeschäften. Die Kredite sind für den Verbraucher deutlich günstiger, aber für die Banken ein immer schlechteres Geschäft.

Quelle: MDR/br/sparkasse.de/dsgv/Freie Presse/wirtschaftslexikon24/REVOsax (Landesrecht)/CORRECTIV

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2019, 09:29 Uhr

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