Ein Baum ist auf einen Triebwagen gefallen.
Bildrechte: Städtebahn Sachsen

Umgestürzte Bäume Städtebahn prüft juristische Schritte

Ein Baum ist auf einen Triebwagen gefallen.
Bildrechte: Städtebahn Sachsen

Die Städtebahn Sachsen beklagt die mangelnde Instandhaltung der Strecken durch die Deutsche Bahn AG. Geschäftsführer Torsten Sewerin sagte, der Vegetationschnitt werde vernachlässigt. In den vergangenen beiden Jahren seien deshalb zehn Züge der Städtebahn in umgestürzte Bäume gefahren, zuletzt am 14. Dezember zwischen Kamenz und Pulsnitz.

Städtebahn: Schaden von einer Millionen Euro

Ingesamt ist der Städtebahn nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren ein Schaden von rund einer Million Euro entstanden. Hinzu kämen weitere Kosten für den Ersatzverkehr und ein Imageschaden. Die Städtebahn prüfe nun juristische Schritte gegen die DB Netz AG als Besitzer der Strecken. Auch das Eisenbahnbundesamt sei eingeschaltet worden. Sewerin sagte: "Der Vorstand der DB Netz AG sowie deren Vertriebs- und Rechtsabteilungen scheinen taub zu sein." Mehrfach habe die Städtebahn in den vergangenen Jahren den desolaten Zustand und die mangelhafte Pflege angesprochen."Es passiert rein gar nichts - ganz im Gegenteil: Die Strecken wachsen immer mehr zu, so dass auch der Lack an den Zügen im Außenbereich zerstört wird und das Erscheinungsbild des Unternehmens erheblich leidet."

Pro Jahr zahlt die Städtebahn rund zehn Millionen Euro an die DB Netz AG für die Nutzung der Gleise und Bahnstationen.

Auf den Strecken der Städtebahn Sachsen GmbH fahren unsere Züge wie im Strauch- und Baumtunnel.

Geschäftsführer Torsten Sewerin

Vegetationspflege deutschlandweit ein Problem

Desiro-Triebwagen der Städtebahn Sachsen
Die Städtebahn befürchtet auch einen Imageschaden, für den sie nicht kann. Bildrechte: MDR/L. Müller

Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) als Besteller der Züge erklärte auf die Frage nach Vorfällen auf Strecken anderer Unternehmen in der Region, dass das Problem mit Vegetationspflege deutschlandweit bekannt sei. Sprecher Christian Schlemper sagte: "Wir erwarten, dass die DB Netz AG ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommt und einen sicheren Zugbetrieb auf allen Strecken ermöglicht." Der Freistaat habe sich mit der neuen Finanzierungsverordnung auch zum Bahnverkehr auf den Strecken in der Region bekannt und stelle dafür auch in Zukunft viel Geld zur Verfügung, heiß es weiter. "Da ist es kontraproduktiv, wenn DB Netz als Gesellschaft des Bundes dann den Verkehr auf den Strecken im ländlichen Raum nicht sicherstellen kann."

Betroffene Bahnkunden erhalten nach VVO-Angaben eine Entschädigung auf Kulanzbasis, da derlei Vorfälle rechtlich als "höhere Gewalt" eingestuft werden.

Die Bahn kommt längst nicht mehr bei jedem Wetter

Die DB Netz AG wies die Vorwürfe der Städtebahn zurück. Der Vegetationsrückschnitt der DB erfolge auf Basis des Natur- und Umweltschutzes, so ein Sprecherin. Bäume an den Strecken würden regelmäßig im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben inspiziert und zurückgeschnitten. Für Neupflanzungen würden ausschließlich tiefwurzelnde Baumarten wie Eiche oder Blutahorn eingesetzt. Die seien bei Sturm standfester. "Pro Jahr investiert die DB für dieses Programm einen rund dreistelligen Millionenbetrag. Insgesamt sind über 1.000 Mitarbeiter im Vegetationsmanagement im Einsatz."

Die Bahnsprecherin verwies zudem auf Abstimmungen mit Umweltbehörden und anderen Waldbesitzern entlang der Bahnstrecken. Diese müssten ebenfalls sicherstellen, dass keine Bäume von ihren Grundstücken auf Bahnanlagen stürzten. Laut der Sprecherin steht die Deutsche Bahn in Kontakt mit der Städtebahn Sachsen.

Quelle: MDR/VVO/Städtebahn Sachsen/Deutsche Bahn AG/lam

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.12.2017 | 07:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2017, 14:06 Uhr

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3 Kommentare

19.12.2017 19:17 Weittgenstork 3

Die Städtebahn muss 10 Mio Euro Schienenmaut pro Jahr an die Deutsche Bahn zahlen ???

Völliger Wahnsinn!
In unserer Verkehrspolitik läuft einiges schief.

Wieviel Maut zahlt nochmal ein Bus-Unternehmen?
Richtig, ... gar keine Maut. Das sind komplett verzerrte Wettbewerbsbedingungen, die bundespolitisch offenbar so gewollt sind.

Und dann werden die Schienenstrecken trotz der hohen Maut auch noch mangelhaft gepflegt.

19.12.2017 18:52 Zeithain 2

Die Städtebahn muss pro Jahr 10 Millionen Euro an DB Netz zahlen - und die kümmern sich noch nicht einmal um eine vernünftige Vegetationspflege?

Für 10 Millionen kann man schon verlangen, dass der Lack heilbleibt, oder?

Denn die Kratzer bedeuten: Die Vegetation ist schon so verwachsen, dass sie bis ans Fahrzeug reicht! Unglaublich ....

19.12.2017 13:11 Pattel 1

Da kann die Bahn als Eigentümer erwähnen was sie möchte was sie unternimmt im ganzem Jahr und Kosten aufzählen. Es geht hier im konkretem Fall um den Nutzer der Strecke der hat den Schaden.
Die Verantwortlichkeiten sind doch eindeutig.