11.07.2019 | 16:28 Uhr Aber das hab ich doch nicht gewusst ... 10 Dinge, die im Straßenverkehr verboten sind

Immer mehr Verkehrsunfälle geschehen durch Ablenkung mit Mobiltelefonen oder anderen elektronischen Geräten. Das haben Unfallforscher aus Dresden und Hannover ermittelt. Doch sind Handy & Co. im Straßenverkehr grundsätzlich verboten? Oder welche Regelungen gelten? Und welche Vorschriften sind vielleicht nicht jedem bekannt, sollten aber besser beachtet werden, um ein Bußgeld zu vermeiden? Wir haben die Top 10 zusammengestellt. Denn … Unwissenheit schützt ja bekanntlich vor Strafe nicht.

1. Anrufer während der Fahrt auf dem Handy wegdrücken

Ein Mann telefoniert im Auto
Bildrechte: imago/Reporters

Dass das Telefonieren mit dem Handy während des Autofahrens grundsätzlich verboten ist, ist wohl den meisten bekannt. Aber nicht nur das Telefonieren ist während der Fahrt untersagt.

Grundsätzlich gilt beim Thema Handy: Autofahrer dürfen das Handy nur dann in die Hand nehmen, wenn der Motor aus ist. Das heißt also, selbst einen Anrufer wegdrücken, eine SMS anklicken und lesen oder das Handy nur von einer Seite auf die andere legen, ist während der Fahrt verboten und wird mit 100 Euro Bußgeld und einem Punkt bestraft.

Nutzt man das Handy als Navigationsgerät muss es in einer Vorrichtung stecken und darf während der Fahrt nicht in die Hand genommen werden. Auch an einer roten Ampel ist die Handynutzung verboten, auch wenn der Motor abgestellt ist. Auch dann drohen Bußgeld und Punkt.

Übrigens: Ist auch in anderen europäischen Ländern das Handy am Steuer verboten. In den Niederlanden ist das Bußgeld dafür mit 230 Euro am höchsten.

2. Beim Radfahren Handy nutzen

Radfahrerin telefoniert mit dem Handy im Straßenverkehr
Bildrechte: imago/Rolf Kremming

Auch beim Radfahren ist die Benutzung des Handys verboten, und auch hier droht ein Bußgeld: 55 Euro.

Übrigens: Auch Radfahrer müssen sich an die Regeln der Straßenverkehrsordnung halten. Fährt er beispielsweise bei Rot über eine Ampel droht ihm ein Bußgeld von mindestens 60 Euro. War schon länger als eine Sekunde rot, muss er mit einer Geldbuße von 100 Euro rechnen und zusätzlich einem Punkt in Flensburg.

3. Mit dem Fahrrad durch die Fußgängerzone fahren

Passanten transportieren ihre Einkäufe auf Fahrrädern in der Innenstadt.
Für Radfahrer heißt es in Fußgängerzonen: Absteigen! Bildrechte: imago/Ralph Peters

Immer wieder sieht man radelnde Radfahrer in Fußgängerzonen. Aber: Erlaubt ist das nicht! Auch hier gilt: Der Radfahrer ist kein Fußgänger – nur, wenn er sein Rad schiebt.

Dementsprechend ist das Radfahren in Fußgängerzonen nicht erlaubt. Es droht ein Bußgeld von mindestens 15 Euro, gefährdet der Radfahrer Fußgänger oder kommt es zu einem Unfall beträgt das Bußgeld bis zu 30 Euro.

4. Bei Stau auf der Autobahn über den Standstreifen zur Ausfahrt fahren

Fahrzeuge stehen auf der Autobahn im Stau
Auch bei Stau ist die Standspur tabu! Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Egal, wie groß der Stau ist: Auf der Standspur darf kein Fahrzeug fahren – auch nicht, um schneller zur Ausfahrt zu gelangen. Wer erwischt wird, muss 75 Euro Bußgeld zahlen und bekommt obendrauf noch einen Punkt in Flensburg.

5. Tiere im Kofferraum

Ein Hund steckt seien Kopf aus einem Autofenster.
Hunde gehören weder auf den Beifahrersitz noch in den Kofferraum - zumindest wenn sie ungesichert sind. Bildrechte: Colourbox

Hund oder Katze beim Autofahren einfach ungesichert in den Kofferraum zu verfrachten ist verboten. Es gilt zwar keine Anschnallpflicht, aber Tiere gelten als Ladung und müssen dementsprechend gesichert werden, z.B. durch Tiersicherungsgurte, Transportboxen o.ä. Ist das nicht erfolgt, droht ein Bußgeld von mindestens 30 Euro.

Übrigens: Laut ADAC entwickelt ein 20 Kilogramm schwerer Hund bei einem Aufprall mit 50 Kilometer pro Stunde eine Durchschlagskraft von 600 Kilogramm.

6. Aussteigen bei Stau auf der Autobahn

Autofahrer stehen auf einer Autobahn im Stau
Bei Stau gilt: Im Auto sitzen bleiben! Bildrechte: dpa

Grundsätzlich ist es laut Straßenverkehrsordnung verboten, bei einem Stau aus dem Auto auszusteigen. Das Betreten der Fahrbahn ist nur erlaubt, um einen Unfall abzusichern. Ein Verstoß kann mit einem Verwarnungsgeld von 10 Euro geahndet werden. Bei großer Hitze oder besonders lang andauernden Staus wird die Polizei aber mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Strafe verzichten, wenn sie ihr Fahrzeug kurzzeitig verlassen.

7. Mit dem Motorrad am Stau vorbeischlängeln

Zwei Spuren voller Autos, dazwischen ein Motorrad beim Stau auf der Autobahn
Auch Motorradfahrer müssen sich im Stau anstellen - ob auf der Autobahn oder im Stadtverkehr. Bildrechte: Colourbox.de

Hier gilt grundsätzlich: Motorradfahrer dürfen sich nicht zwischen anderen Verkehrsteilnehmern durchschlängeln, da der Sicherheitsabstand dann nicht mehr gegeben ist. Wer sich nicht daran hält, muss mit 100 Euro Geldbuße und einem Punkt in Flensburg rechnen.

Im Sommer ist diese Vorschrift für Motorradfahrer besonders schwierig einzuhalten, da sie meist mit dunkler, wenig atmungsaktiver Kleidung in der prallen Sonne auf der heißen Fahrbahn stehen. Es gab auch schon Bestrebungen, in solchen Fällen Ausnahmeregelungen zu erwirken, z.B. durch eine Onlinepetition, an der sich auch der ADAC beteiligt hat. Die Politik lehnte das jedoch bislang ab. Deshalb gilt nach wie vor: Vorbeischlängeln verboten!

8. Mit dem Fahrrad auf dem Zebrastreifen über die Straße fahren

Radfahrer fährt über einen Zebrastreifen
Absteigen zum Überqueren des Zebrastreifens: Nur so haben Radler Vorrang. Bildrechte: imago/Stefan Zeitz

In diesem Fall haben Radfahrer keinen Vorrang gegenüber dem Autofahrer. Muss ein Autofahrer wegen eines fahrenden Radfahrers auf dem Zebrastreifen abbremsen oder halten, riskiert der Radfahrer sogar ein Bußgeld wegen einer vermeidbaren Behinderung. Kommt es zu einem Unfall, bekommt der Radfahrer eine Mitschuld.

Aber warum? Der fahrende Radfahrer ist laut Straßenverkehrsordnung keine Fußgänger. Nur wenn er absteigt und schiebt, ist er Fußgänger und hat Vorrang.

9. Rechts überholen auf der Autobahn

Auf einer Autobahn überholt ein Auto ein anderes
Rechts zu überholen ist grundsätzlich verboten! Bildrechte: imago images / Panthermedia

Wer kennt sie nicht: die notorischen Mittelspurfahrer auf der Autobahn. Aber auch wenn das noch so sehr nervt, sie dürfen nicht rechts überholt werden. Das kostet mindestens 100 Euro Bußgeld und man bekommt einen Punkt in Flensburg. Gefährdet man beim Rechtsüberholen andere oder kommt es sogar zum Unfall, wird es noch teurer – bis zu 145 Euro und ein Punkt.

Grundsätzlich gilt: Rechtsüberholen darf man auf der Autobahn nur beim Auffahren auf dem Beschleunigungsstreifen oder bei Stau bzw. zähfließendem Verkehr. Und da auch nur dann, wenn die linke Spur höchstens 60 Kilometer pro Stunde fährt und man beim Überholen nicht schneller als 80 Kilometer pro Stunde fährt.

10. Als Radfahrer nebeneinander fahren

Zwei Radfahrer
Radfahrer dürfen nur nebeneinander fahren, wenn sie den restlichen Verkehr nicht behindern. Bildrechte: colourbox.com

Als Radfahrer auf Straßen nebeneinander zu fahren ist zwar nicht grundsätzlich verboten, aber sobald man jemand behindert schon. Dann werden auch mindestens 20 Euro Bußgeld fällig. Passiert infolge dessen ein Unfall wird es noch teurer.

Eine Ausnahme gilt für Radlergruppen: Fahren mindestens 15 Radfahrer in einer Gruppe, können sie einen sogenannten geschlossenen Verband bilden. Dann dürfen jeweils zwei Fahrer nebeneinander fahren. Für diese Verbände gelten auch noch andere Sonderregeln: So dürfen sie beispielsweise geschlossen eine Ampel überqueren, wenn die ersten Radler bei grün losgefahren sind und die Ampel auf rot umschaltet und noch nicht alle Radfahrer die Kreuzung passiert haben.

Übrigens: Überholt ein Pkw einen Radfahrer muss er zur Sicherheit 1,50 Meter Abstand halten. Auch Radfahrer, die andere Radfahrer überholen, müssen einen gewissen Sicherheitsabstand einhalten, aber nicht 1,50 Meter. Zudem gilt, Radfahrer dürfen nur links überholen und sie dürfen beim Überholvorgang nicht den Gehweg kreuzen.

Quelle: MDR/cnj/ADAC/adfc

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.07.2019 | 09:00 Uhr in den Nachrichten

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6 Kommentare

12.07.2019 06:54 Zeitgeist 6

Sehr guter Artikel. Dieser solle hier dauerhaft dem Leser zur Verfügung stehen.

12.07.2019 01:08 ingeborch 5

Und Radfahrende dürfen doch nebeneinander fahren: ganz legal auf Fahrradstraßen, wo sie entweder das einzige oder das vorranghabende Verkehrsmittel sind.
Außerdem in Rad-Verbänden von mehr als 12 Rädern, die dann als Gesamtfahrrad gelten und so auch im Gesamten eine umschaltende Ampel überfahren dürfen.

Aber so kompliziert und autofixiert wie das deutsche Verkehrsrecht (und die Rechtssprechung) ist, kann man das ja getrost weglassen, ne?!

11.07.2019 19:43 G. Neumann 4

Deutschland ist das Land wo recht und Gesetz abhhanden gekommen sind, es ist keiner da der für Recht und Ordnung sorgt.
Die Medien machen mit indem sie Blitzer melden, das ist ein Zeichen für Rasser .
Nur weiter so deutsche gesetzeshüter.

11.07.2019 19:31 Marianne 3

Dann hätten Sie die Navis nie erfinden dürfen. Es passiert das die aus Versehen aus der Halterung fallen. Und an einer Ampel wenn abzusehen ist, dass man länger steht gibt es keinen Grund nicht auf die Karte zu sehen. Es wird nicht telefoniert in dem Moment. Die Motorradfahrer haben uns die ganzen Jahre auf der Autobahn terrorisiert. Und wenn Menschen so Radrennfahren trainieren, das ist oft auch sehr rücksichtlos anderen Menschen gegenüber. Der Fehler war von Anfang an, dass Sie an Bundesstrassen keine Streifen für den normalen Fahrradfahrer gelassen haben. Es war immer genau anders herum, ich habe dann nicht aufs Gas getreten und bin als Verkehrsbehinderung wahrgenommen worden, was absolute Fehleinschätzung war. Ich habe auch zu Autofahrern dann gesagt, Rase und überhole. Die überholen auch bei durchgezogener Linie. Was eindeutig ein Hinweis ist, das dort in Kurven überholen nicht erlaubt ist.

11.07.2019 18:21 Gerald 2

Und wer soll es kontrollieren? In manchen Gegenden sieht man doch kaum noch Polizisten!

11.07.2019 17:11 Mario Köhler 1

Leider ist die Rettungsgasse hier nicht vertreten. Daher ein Erfahrungsbericht von heute:
Ich habe heute am Dresdner Südkreuz in der Abfahrt auf die A17 plötzlich im nicht angemeldeten Stau gestanden. Auch ich muss eingestehen, daß ich einige Sekunden, vielleicht auch eine Minute nur auf meine Uhr geschaut habe, um dann anschließend festzustellen: Es ist ein Stau. Was macht man da? Natürlich, eine Rettungsgasse, auch wenn es wahrscheinlich nur ein bekanntes Baustellenproblem ist.
Erstaunlich war für mich, das sämtliche Fahrzeuge im Rückspiegel rechts neben mir sowie hinter mir das nachgemacht haben.
Vor mir hätte kein Simson Duo ohne Schlangenlinien durchgepasst, hinter mir soweit der Rückspiegel reicht, hätte ein Schwertransporter mit Überbreite rollen können.
Die Leute wissen, worum es geht. Sie denken nur nicht daran.

Gruß Mario, Feuerwehrmann

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