Öffentlicher Dienst Kita, Ämter, Müllabfuhr - Neuer Warnstreik in Sachsen

Mitarbeiter der Sparkasse streiken mit Abstand vor dem Dresdner Rathaus.
Mitarbeiter der Sparkasse streiken mit Abstand vor dem Dresdner Rathaus. Bildrechte: xcitepress

Im Öffentlichen Dienst in Sachsen gibt es am heutigen Mittwoch Warnstreiks. Die Gewerkschaft Verdi will damit den Druck auf die kommunalen Arbeitgeber vor der dritten Verhandlungsrunde am Donnerstag erhöhen. Betroffen von dem ganztägigen Ausstand sind unter anderem städtische Betriebe wie Kitas und Horte in Leipzig, aber auch die Stadt- und Gemeindeverwaltungen im Vogtland, im Zwickauer Land und die Sparkassen in Döbeln, Meißen und Mittelsachsen.

Laut Verdi-Sprecher habe man sich selbst ein strenges Hygienekonzept auferlegt. Kundgebungen finden nur auf großen Plätzen mit zwei Meter Abstand statt. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und es herrscht Maskenpflicht.

Kitas in Leipzig betroffen

In Leipzig trifft der Streik vor allem die Kindertagesstätten und Horte, die in kommunaler Trägerschaft liegen. Nach Angaben der Stadt bleiben 15 Kitas am Mittwoch komplett geschlossen, acht sind nur eingeschränkt geöffnet. Zwar wird nur ein Hort ganztägig bestreikt und bleibt geschlossen, dafür haben 13 Horteinrichtungen nur eingeschränkt geöffnet. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, ist eine Notbetreuung im Rahmen eines Warnstreiks aber nicht vorgesehen.

Aufgerufen zum Streik sind auch die Beschäftigten der Sparkassen und der Stadtreinigung Leipzig, der Deutschen Nationalbibliothek und der Volkshochschule. Auch Mitarbeiter des Gewandhauses, der Oper, dem Schauspielhaus und der Musikschule hat die Gewerkschaft aufgefordert, ihre Arbeit am Mittwoch niederzulegen. Die Leipziger Verkehrsbetriebe sind diesmal nicht mit dabei.

Verwaltungen lahmgelegt

In Dresden sind Mitarbeiter von Sozialversicherungen, Sparkassen und vom städtischen Krankenhaus zum Ausstand aufgerufen. Kitas und Horte arbeiten dagegen normal, wie auch in Zwickau und Südwestsachsen. Dort streikt die Verwaltung aber flächendeckend: von Crimmitschau bis Glauchau, von Plauen bis Treuen, von Hohenstein-Ernstthal bis Meerane.

Streikwesten von Verdi hängen an einer Wäscheleine.
Bildrechte: News5

Auch die Mitarbeiter der Landratsämter Zwickauer Land und Vogtland sowie des Sportstättenbetriebs der Stadt Zwickau sollen sich dem ganztägigen Arbeitsausstand anschließen. Ebenso wurden die Beschäftigten aus den Sparkassenfilialen in Meißen und Döbeln sowie aus den Sparkassenverbünden Mittelsachsen und Ostsachsen aufgerufen, sich an dem Streik zu beteiligen.

Verdi fordert mehr Geld

Verdi und der Beamtenbund dbb fordern für die bundesweit 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen 4,8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem soll die Arbeitszeit auf West-Niveau abgesenkt werden.

Ein erstes Angebot der Arbeitgeber wurde von den Gewerkschaften als "geradezu respektlos" bezeichnet. Die kommunalen Arbeitgeber schlugen eine Lohnerhöhung um 3,5 Prozent in drei Jahren vor sowie eine Einmalzahlung von 300 Euro. Mehr sei im coronabelasteten Haushalt nicht leistbar. Am Donnerstag ist die dritte Verhandlungsrunde angesetzt. Bundesinnenminister Horst Seehofer hatte bereits für den Bund angekündigt, in dieser Woche eine Einigung erzielen zu wollen.

Quelle: MDR/bb/ma

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.10.2020 | 06:00 Uhr in den Nachrichten

2 Kommentare

alter dynamo fan vor 5 Wochen

Ich war nach der Wende jahrelang aktiver Gewerkschafter der IG Metall in einer Firma als Tarifkommision ehrenamtlich tätig und manchen Kampf ausgefochten . Und auch jetzt als Rentner zahle ich Gewerschaftsbeitrag . Was die Vertreter von Verdi für den öffentlichen Dienst in der jetzigen Pandemiesituation fordern und zum Streik aufrufen ist unverantwortlich . Der öffentliche Dienst und die Beamten haben außer dem Lohn viele andere Vergünstigungen von dem die freie Wirtschaft nur träumen kann . In einer Zeit wo Millionen Beschäftigte in der Freien Wirtschaft in Kurzarbeit sind oder den Job verlieren sind die Forderungen von Verdi unsolidarisch und tragen auch zu einer Spaltung der Gesellschaft bei . Ein guter Gewerkschaftsvertreter tangiert immer aus was möglich ist und wägt auch ab das manche Wünsche in bestimmten Situationen fehl am Platze sind . Aber scheinbar wollen sich manche Akteure profilieren . Für mich unverantwortlich und erntet Kopfschütteln .

Thommi Tulpe vor 5 Wochen

Für mich ist das Ganze nicht mehr nachvollziehbar. Sicher möchte jeder Berufstätige für seine Arbeit besser bezahlt werden. Sicher ist es auch gerechtfertigt, dass man 30 Jahre nach der Wiedervereinigung den selben Lohn fordert, den auch die West-Kollegen erhalten. Angesichts der gegenwärtigen Krise, angesichts von Millionen Kurzarbeitern und angesichts existentiell bedrohter Wirtschaftszweige sollte sich aber jeder Arbeitnehmer glücklich schätzen, überhaupt noch in Arbeit zu sein!? Oft denke ich: Die Gewerkschaften provozieren förmlich, dass auch noch der letzte halbwegs rentable Arbeitsplatz verloren geht. Und das ist meine Meinung als Links-Wähler.

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