Testfinanzierung Erzieher in Sachsen fordern kostenlose Corona-Tests

Sommerferien in Sachsen: Für viele Kitas im Freistaat bedeutet das eine kurze Atempause. Aber mit Blick auf die Grippesaison im Herbst blicken viele Erzieher sorgenvoll in die Zukunft. Weil sich dann Infektionskrankheiten häufen könnten, verlangen sie für sich kostenlose Corona-Tests.

Ein Rettungsassistent der Berufsfeuerwehr Halle hält einen Coronatest.
Lehrer können sich in Sachsen einmal pro Woche kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Erzieher fordern nun die gleiche Möglichkeit für sich. Bildrechte: dpa

Noch ist es relativ ruhig in der Kita Lößnitzer Kinderland in Radebeul. Leiter René Schlimpert denkt schon weiter. Weil er einen grippalen Infekt nicht von einer Corona-Infektion unterscheiden kann, fordert er freiwillige und kostenlose Corona-Tests für Erzieher. Wie bei Lehrern, die sich in Sachsen einmal pro Woche testen lassen können.

"Ich kann nicht nachvollziehen, warum wird dort einen Unterschied machen zwischen Lehrerpersonal und Erzieherpersonal", sagt Schlimpert. "Wir sind für frühkindliche Bildung zuständig und die sollte den gleichen Wert haben."

Diskussion um Zuständigkeit

Gleiches Recht für Lehrer und Erzieher verlangt auch die Partei Die Linke. Landtagsabgeordnete Luise Neuhaus-Wartenberg sieht die Landesregierung in der Pflicht, die Testkosten zu tragen. Die Kommunen und freien Träger seien durch die Corona-Krise schon sehr belastet. Bildung sei Landesaufgabe. "Und damit ist klar, dass wenn wir das landesweit wollen, muss die Landespolitik sich hier einschalten und muss das Geld zur Verfügung stellen", so Neuhaus-Wartenberg.

Kultusminister Christian Piwarz sieht die Verantwortung nicht beim Freistaat Sachsen. "Das sind städtische Angestellte oder Angestellte bei einem freien Träger", sagt er. Insofern wären die Arbeitgeber in der Verantwortung, die entsprechenden Regelungen zu treffen. "Wir alle wissen, dass wir im Herbst in schwierigere Zeiten kommen, weil das Infektionsgeschehen ohnehin ansteigt. Insofern ist es gut, wenn man sich dort schnell einigen kann."

"Kein Flickenteppich innerhalb Sachsens"

Auch die Volkssolidarität Sachsen fordert landesweit kostenlose Corona-Tests für Erzieher. Laut Landesgeschäftsführer Steffen Claudio Lemme sollen die Kosten vom Land oder der Krankenkasse übernommen werden. Die Volkssolidarität will keinen Flickenteppich innerhalb Sachsens, sondern eine landesweit einheitliche Regel im Umgang mit Tests für Erzieher.

Die derzeitige Regelung sieht vor, dass die regionalen Gesundheitsämter bei mehr als 20 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche kostenlose Tests für Erzieher ermöglichen können. Der Städte- und Gemeindetag beurteilt die derzeitige Regel als gut. Doch auch Verbandsgeschäftsführer Michael Woitschek wünscht sich eine einheitliche Regelung im Freistaat, wann die Erzieher freiwillig zum Test gehen können.

Noch sind Landesregierung, Kommunen und freie Träger in der Diskussion. Die Kosten für die Tests würden rund drei Millionen Euro betragen. Erzieher wie René Schlimpert aus Radebeul hoffen auf Einigung – vor der Infektionssaison im Herbst.

Quelle: MDR/ds

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.08.2020 | 19:00 Uhr

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