25.12.2019 | 08:45 Uhr Gibt es die "Gänsebratenspitze" in Sachsen?

Zwischen Frühstück und Gänsebraten haben Köchinnen und Köche zu Hause Stress. Früher wurde am 1. Weihnachtsfeiertag oft über die sogenannte "Gänsespitze" beim Energieverbrauch berichtet. Gibt es die eigentlich noch? Wenn ja, wie deutlich registrieren die Energieversorger die Verbrauchsausschläge?

Entenbraten in einem Backofen
Bildrechte: dpa

Am 1. Weihnachtsfeiertag kochen und braten die Sachsen ihre Festtagsessen. Das zeigt sich auch im Energieverbrauch, bestätigt der Energieversorger EnviaM. "Aus unserer Sicht ist am 25. Dezember vormittags der Stromverbrauch von Privatkunden höher als am 26. Dezember beziehungsweise an Adventsonntagen im Dezember", sagt Unternehmenssprecherin Evelyn Zaruba. Speziell betreffe das den Zeitraum zwischen 8 bis 13 Uhr. Dann verbrauchten die Envia-Kunden etwa fünf bis zehn Prozent mehr Energie, als am 2. Weihnachtsfeiertag oder anderen Dezembersonntagen. 2018 waren es im Durchschnitt acht Prozent mehr.

Fernsehkonsum könnte "Gänsebratenspitze" beeinflussen

"Es ist nahe liegend, dass der höhere Vormittagsverbrauch zum Großteil an der Essenzubereitung liegt", meint Zaruba. Aber: "Ob es wirklich auf den Gänsebraten zurückzuführen ist, lässt sich nicht mit Sicherheit belegen. Möglich ist auch ein höherer Fernsehkonsum." Am Energieverbrauch kurz vor oder direkt zu Heiligabend kann EnviaM Rückschlüsse auf das Kundenverhalten ziehen, den Verbrauch vorhersagen und planen:

So unterschiedlich ist der Energieverbrauch der Envia-Kunden
Tag Verbrauchszeit abweichend von anderen Tagen Vermutung von enviaM
23.12. 10 bis 12 Uhr höherer Verbrauch Vorbereitungen für Heiligabend (Baum schmücken, Geschenke einpacken, sonstige Vorbereitungen)
24.12. 17 bis 18 Uhr höherer Verbrauch Zubereitung Essen (beispielsweise Erhitzen der Wiener für Würstchen mit Kartoffelsalat)
24.12. 19 bis 22 Uhr niedrigerer Verbrauch Bescherungszeit und gemeinsame Zeit mit der Familie senkt den Verbrauch durch sonst üblichen Fernsehkonsum

In Chemnitz senken LEDs Energieverbrauch

Von einer "Gänsebratenspitze" will der kommunale Energieversorger "Eins" in Chemnitz nicht sprechen. "Eine gewisse 'Kochspitze' ist an den Wochenendtagen mittags normal. Weil in der Stadt viel Gewerbe und Industrie angesiedelt sind, geht der Stromverbrauch an den Weihnachtstagen bis Anfang des Jahres sogar zurück. Viele Betriebe produzieren in der Zeit nicht und Geschäfte haben aufgrund der Feiertage geschlossen", erklärte Unternehmenssprecherin Cindy Haase.

Adventshoch folgt Neujahrstal

LED-Weihnachtsdeko in Kuhschnappel.
LEDs als Weihnachtsbeleuchtung setzen sich immer mehr durch - auch wenn die wenigstens ihre Vorgärten so beleuchten wie ein Weihnachtsfan in Kuhschnappel. Bildrechte: MDR/Monika DiCarlo

Schon zu Beginn des Advents ändere sich der Verbrauch in Chemnitz: "Kurz vor dem ersten Advent bis nach Weihnachten stellen wir aufgrund der Festtagsbeleuchtung einen höheren Verbrauch fest. Allerdings wird der Effekt durch die zunehmende Umstellung auf LED immer geringer." Und statt einer Gänsebratenspitze ist in Südwestsachsen ein Art Neujahrstal am 1. Januar erkennbar. "Von 3 Uhr nachts bis in den Vormittag ist der Verbrauch dann deutlich geringer als an anderen Tagen", weiß Cindy Haase.

Der schwankende Energieverbrauch werde über die Regelleistungen der Kraftwerke des europäischen Verbundnetzes ausgeglichen.  

Drewag in Dresden winkt ab

"Es gibt überhaupt keine Veränderung infolge einer 'Gänsebratenspitze'", erklärte die Sprecherin der Drewag, Gerlind Ostmann lapidar. Es seien 24 Stunden am Tag Mitarbeiter im Einsatz, um die Energieversorgung sicherzustellen.

Quelle: MDR/ma/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.12.2019 | ab 11:00 Uhr

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