Universität Leipzig Studie: AfD-Wähler besonders empfänglich für Verschwörungsmythen

Anhänger der AfD glauben besonders oft an Verschwörungserzählungen. Zu dieser Erkenntnis sind Wissenschaftler des Else-Frenkel-Brunswik-Institutes an der Universität Leipzig gekommen. Am wenigsten anfällig für Verschwörungstheorien sind demnach Anhänger der Grünen.

Graffitimauer in Berlin - Frau mit Textblase (englisch) "Bei jeder Wahl gab es eine Pandemie - gefolgt von Jahreszahlen 2004 SARS - 2008 Avian -2010 Schweinegrippe - 2012 Mers - 2014 Ebola - 2016 Zika - 2018 Ebola - 2020 Corona." Darunter steht ''Kontrolliert durch Angst''.
Ein Zusammenhang zwischen Wahljahren und Krankheiten? Den gibt es nur in Verschwörungstheorien, wie an dieser Graffitimauer in Berlin. Zu sehen ist eine Frau mit Textblase in englisch: "Bei jeder Wahl gab es eine Pandemie - gefolgt von Jahreszahlen 2004 SARS - 2008 Avian -2010 Schweinegrippe - 2012 Mers - 2014 Ebola - 2016 Zika - 2018 Ebola - 2020 Corona." Darunter steht: ''Kontrolliert durch Angst''. Bildrechte: imago images/Rolf Zöllner

Anhänger der AfD sind laut einer Untersuchung der Universität in Leipzig besonders empfänglich für sogenannte Verschwörungsmythen. 73,5 Prozent von ihnen wiesen eine "Verschwörungsmentalität" auf, wie Wissenschaftler des dortigen Else-Frenkel-Brunswik-Instituts (EFBI) am Mittwoch berichteten. Unter den Anhängern anderer Parteien sei die Quote deutlich geringer. Sie schwanke zwischen 37 Prozent bei der FDP und 18,1 Prozent bei den Grünen.

In letzter Zeit gab es immer wieder öffentliche Diskussionen, wie weit die Corona-Proteste auch von Wählerinnen und Wählern der Grünen oder Linken mitgetragen werden. Unsere Daten zeigen jedoch, dass die Anhänger dieser Parteien weniger anfällig für eine Verschwörungsmentalität sind.

Oliver Decker Leiter des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts (EFBI) an der Universität Leipzig

Verschwörungsmentalität im Osten besonders stark ausgeprägt

Die Erkenntnisse beruhen demnach auf einer vertieften Auswertung der bereits im November veröffentlichten Autoritarismusstudie des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung der Leipziger Uni. Bereits bei der Veröffentlichung im November hatten die Autoren der Studie sich alarmiert über die Zunahme solcher Einstellungen geäußert, die nach ihrer Aussage eine wichtige Brückenfunktion auch zwischen unterschiedlichen politischen Lagern einnehmen.

Demnach stieg der Anteil der Bürger mit Affinitäten zu einer Verschwörungsmentalität binnen zwei Jahren von 30,8 auf 38,4 Prozent. In Ostdeutschland war der Trend deutlich stärker ausgeprägt. Dort stieg der Wert von 34,4 auf aktuell 51,4 Prozent. Die nun vorgelegten ergänzende Analyse der Studiendaten zeigte nach Angaben der Leipziger Wissenschaftler einen "statistischen Zusammenhang zwischen der Zustimmung zu Verschwörungsmentalität, Parteipräferenz sowie der politischen Selbstverortung auf einer Links-Rechts-Skala. Es zeige sich darüber hinaus ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Verschwörungsmythen und antisemitischen Aussagen.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass Verschwörungserzählungen auch darüber hinaus Verbreitung finden und sich nicht alleine auf Menschen im rechten Spektrum beschränken.

Oliver Decker Leiter des Else-Frenkel-Brunswik-Instituts (EFBI) an der Universität Leipzig

Grünen sind Verschwörer "abhanden gekommen"

Die Wissenschaftler sehen sich im Ergebnis der Studie darin bestätigt, dass die Anhänger der AfD eine besonders hohe Neigung zu antidemokratischen Haltungen haben. Deshalb warnen die Forschenden davor, die Bedeutung und Gefahren von Verschwörungserzählungen zu unterschätzen. In der Studie heißt es beispielsweise, viele Erzählungen seien absurd und widersprüchlich, sie würden daher oft in ihrer politischen Bedeutung unterschätzt. Den Grünen sei ein Großteil ihrer "verschwörungsgläubigen" Anhänger inzwischen abhandengekommen. Sie hätten bei der AfD nun eine "neue Heimat".

Leipziger Autoritarismus-Studie Für die Leipziger Autoritarismus-Studie waren im Mai und Juni 2020 bundesweit 2.503 Menschen im Alter zwischen 14 und 93 Jahren befragt worden. Wissenschaftler der Universität Leipzig beobachten seit 2002 die Entwicklung autoritärer und rechtsextremer Einstellungen in Deutschland. Dafür wird alle zwei Jahre die Verbreitung von demokratiefeindlichen und rechtsextremen Einstellungen in der deutschen Bevölkerung analysiert. Auch verschwörungsideologische und antisemitische Elemente im Denken werden dabei untersucht. Die Untersuchung wurde in Kooperation mit der Otto Brenner Stiftung und der Heinrich-Böll-Stiftung durchgeführt.

In einer anderen wissenschaftlichen Untersuchung wird auch Querdenkern eine besondere Nähe zur AfD bescheinigt. Viele Demonstranten, die bei den Querdenker-Protesten mitlaufen, seien antiautoritär geprägt und sozialisiert, machten dann aber eine Wandlung durch und sähen in der AfD eine Alternative, sagte der Soziologe Oliver Nachtwey im Deutschlandfunk.

Quelle: MDR/gg/KNA

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL - Das Nachrichtenradio | 27.01.2021 | 11:30 Uhr

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