Öffentlichen Dienst Sachsens Lehrer freuen sich über Tarifabschluss - der Freistaat stöhnt wegen der Lasten

Die Verhandlungen im Öffentlichen Dienst waren zäh und zogen sich über Monate hin: Jetzt gibt es ein Ergebnis. Die Beschäftigten haben bald mehr Geld in der Tasche. Der Freistaat rechnet dagegen mit höheren finanzielle Lasten von 390 Millionen Euro in den nächsten zwei Jahren.

Der Tarifkonflikt im Öffentlichen Dienst ist beigelegt. Nach Angaben von Arbeitgebern und Gewerkschaften erhalten die Beschäftigten künftig acht Prozent mehr Gehalt. Die Anhebung erfolgt in drei Stufen bis 2021. Dann erhält jeder Beschäftigte insgesamt mindestens 240 Euro brutto mehr im Monat. Pflegekräfte erhalten außerdem einen weiteren Zuschlag von 120 Euro. Der Abschluss gilt für den Öffentlichen Dienst in allen Bundesländern, mit Ausnahme von Hessen. Er soll auch für die Beamten übernommen werden. Den Ländern entstehen nach eigenen Angaben Kosten von insgesamt sieben Milliarden Euro. Verdi-Chef Bsirske nannte die Einkommenszuwächse für einzelne Berufsgruppen "spektakulär".

Lehrer: Abschlus hat Licht und Schatten

Zufrieden äußerte sich auch der Vorsitzende des Sächsischen Lehrerverbandes, Jens Weichelt: "Die Lehrer in Sachsen werden in nächster Zeit eine gute Gehaltsentwicklung haben. Wir haben zwar beim Tarifvertrag eine Laufzeit von 33 Monaten, aber Einkommenszuwächse von über sieben Prozent sind wirklich gut." Neben Licht sah er jedoch auch Schatten: "Bei wichtigen Forderungen wie der stufengleichen Höhergruppierung konnten wir uns nicht durchsetzen. Davon werden 10.000 sächsische Lehrerinnen und Lehrer Nachteile haben", sagte Weichelt.

Knackpunkt ist dabei, dass laut dem Handlungsprogramm der Staatsregierung beispielsweise Grundschullehrer von der Entgeltgruppe E 11 in die 13 gruppiert werden, dies allerdings mit einer Reduzierung der sogenannten Erfahrungsstufe einhergehe. Lehrer, die schon länger als 15 Jahre im Dienst sind, wären nach Angaben der Gewerkschaft demzufolge schlechter gestellt als jüngere Kollegen. Die stufengleiche Höhergruppierung soll dies verhindern.

Finanzminister: "Hätte mir niedrigeren Abschluss gewünscht."

Ein lachendes und weinendes Auge hat mit Blick auf den Tarifabschluss auch Sachsens Finanzminister Matthias Haß (CDU). Der Freistaat Sachsen sei nach wie vor eines der finanzschwachen Länder mit großen Herausforderungen. "Vor diesem Hintergrund habe ich mir ganz klar eine geringere Anhebung gewünscht und sehr dafür gekämpft, die Kosten zu begrenzen", so Haß. Auf den Freistaat kommen durch den Abschluss in diesem Jahr Mehrkosten von 130 Millionen Euro zu. Für 2020 steigen die Kosten um 260 Millionen Euro. "Wir haben für diese Kosten vorgesorgt, aber das Geld fehlt dann an anderer Stelle, zum Beispiel für Investitionen." Außerdem werde der Spielraum für dringend notwendige Steuersenkungen reduziert. Ein klarer Vorteil des Tarifabschlusses sei aus Sicht der Arbeitgeber die lange Laufzeit des Vertrages. "Mit fast drei Jahren ermöglicht er eine langfristige Planung", sagte der Finanzminister.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.03.2019 | 11:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 03. März 2019, 12:56 Uhr

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10 Kommentare

05.03.2019 07:01 Aja 10

keine Teilhabe der Beschäftigten am gesamtwirtschaftlichen Wachstum... bitte bedenken Sie das im ÖD aber auch unabhängig von der wirtschaftlichen Situation das Monatsgehalt stets pünktlich und in voller Höhe bekommt. Auch gibt es eine Staffelung von Erhöhungen nach gewissen Zeiträumen. In der Wirtschaft sieht das planmäßig nicht ganz so aus. Auch muss dann natürlich eine Teilhabe mit sinkenden Einkommen und Stellenstreichung bei wirtschaftlichem Abschwung für ÖD geben. Geben und Nehmen!!
Allg. sollte die Bürokratie auf ein Minimum reduziert werden so dass der Personalfokus auf wichtige Teile des öffentlichen Lebens gesetzt werden kann, damit ist nicht der Schreiberling im Büro gemeint, davon gibts viel zuviele. Bildung,Sicherheit,Pflege, Bauhof etc. dies sind die Baustellen die es zu fördern und teilhaben zu lassen gilt(höhere Löhne außerhalb des Büros). Der derzeitige Eindruck der wertschaffenden Bevölkerung ist vom ÖD teilweise nicht sehr positiv und ständig wird gestreickt.

04.03.2019 08:59 na so was 9

"Der sächs. Finanzminister Haß (CDU) sagt sinngemäß: Das Geld für die Anhebung der Gehälter im öffentlichen Dienst fehlt dann an anderer Stelle". Mit diesem Spruch mag er recht haben. Aber mein Spruch stimmt auch und vielleicht regt er bei einigen zum Nachdenken an: Das Geld, welches die Bundestags- und Landtagsabgeordneten als "Diätenerhöhung automatisch einmal im Jahr bekommen", dieses Geld fehlt dann logischerweise ebenfalls an anderer Stelle (Schule, Kindergärten, Fahrradwege >>> die sächs. Landeshauptstadt will beispielsweise 2019 insgesamt 3 (drei) Kilometer neue Radwege bauen, und so etwas getraut man sich in der Sächsischen Zeitung zu veröffentlichen). Leider vergaß Herr Haß (CDU) mit zu erwähnen, welche Partei seit 1990 im Freistaat Sachsen das große Sagen hat. Warum wird das immer vergessen, genauso wird vergessen zu sagen, wer die jährlichen Diätenerhöhungen bezahlt >>> wir Bürger mit unseren Steuerabgaben.

04.03.2019 07:57 Sachse43 8

Wenn ich heute dazu in der "Freien Presse" lese, daß es Unterrichtsausfälle in bis zu zehn Fächern gibt, bekommt dieser Geldsegen noch ein ganz anderes Geschmäckle.

03.03.2019 22:33 Tom 7

"Claudia" hat völlig recht! Die Entgegnung des MDR ist in diesem Zusammenhang völlig unangebracht. Ich verstehe nicht, wie dieser Abschluss von den Gewerkschaften so gefeiert wird. Die jährliche prozentuale Erhöhung von 1,4 % (unter Berücksichtigung der Inflationsrate) hätte man auch mit einer deutlich verkürzten Laufzeit erreicht. Die Lehrergewerkschaften haben leider wieder versagt. Monatelang reden sie von der ungerechten Gehaltslücke zwischen verbeamteten Lehrern und Angestellten. Und nun? Die Gewerkschaften haben in dieser zentralen Frage nichts bewegt. Das mindeste wäre nun die stufengleiche Höhergruppierung gewesen, aber ...

03.03.2019 19:41 Claudia 6

Lieber mdr,

schaut mal in Eure Bildersammlung und Ihr seht, für was wir gekämpft haben. Unsere Hauptforderung war eine stufengleiche Höhergruppierung - wo ist die geblieben? Das macht - je nach Stufe, mindestens 160 Euro pro Monat weniger aus.
Bei 1,8 % Inflation gibt es effektiv 2019 eine Erhöhung von 1,4 %, 2020 nochmal 1,4% und 2012 einen Reallohnverlust von 0,4%.

Ich denke mal, dass auch in dem mdr-Redaktionsstuben klarwerden dürfte, dass dies nur die Arbeitgeber "erfreuen" dürfte. Keine meiner Kolleginnen "freuen sich" über den Tarifabschluss.

03.03.2019 18:42 Claudia 5

"Sachsens Lehrer freuen sich über Tarifabschluss"

@mdr: Woher nehmt Ihr diese Erkenntnis? Für alle Grundschullehrer Ü42 ist dieser Abschluss ein weiterer Arschtritt ...

[Liebe Claudia, wenn man für etwas kämpft und die Haltung bisher ablehnend war und dann doch auf einmal ein Entgegenkommen ist, dann ist dies zunächst ein Erfolg. Auch kleine Erfolge können glücklich machen. Herzliche Grüße, Ihre MDR.de-Redaktion]

03.03.2019 18:32 Steinbock 4

Ich wusste gar nicht, dass der Saechsische Finanzminister zustaendig fuer Steuersenkungen ist... die er jetzt nicht machen kann, weil die Landesbediensteten ca. 7,3% (linear) in 33 Monaten mehr bekommen sollen....

03.03.2019 18:10 karstde 3

Da werden wir uns alle ja auf enorme Preiserhöhungen einstellen können im öffentlichen Sektor. Ein Friseuse oder ein Pfleger kann von solchen Summen, wie die Löhne im öffentlichen Dienst, nur träumen.

03.03.2019 17:48 Nathalie 2

Der sächsische Finanzminister Haß führt aus, dass das "Geld für die Lohnerhöhung nun an anderer Stelle fehlt". Diese Aussage darf so nicht unkommentiert stehen bleiben:
Die Tarifeinigung sieht 3,2 % jeweils für 2019 und 2020 vor sowie 1,4 % für 2021. Das ist ein Abschluss knapp über der wahrscheinlichen Inflationsrate und damit keine Teilhabe der Beschäftigten am gesamtwirtschaftlichen Wachstum. Letztlich bringen der Abschluss nur Konsum und Investitionen der Bediensteten auf maximal gleichem Niveau.
Der Finanzminister muss auch sagen, wie er den Betrag für die Tarifeinigung anderweitig investiert hätte. Nebulöse Andeutungen über eine anderweitige Verwendung sind gesellschaftlich spalterisch und politisch gefährlich, wenn nicht gar politisch hetzerisch. Wen will er da gegen wen ausspielen?

03.03.2019 16:30 Gunther König 1

Ekelhaft, was sich der öffentliche Dienst rausnimmt. Bezahlen tuen wir kleine das!

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