Eine Radiologieassistentin hat eine Frau für eine Röntgenaufnahme vorbereitet.
Eine Radiologieassistentin hat eine Frau für eine Röntgenaufnahme vorbereitet. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Zum Welttuberkulosetag Tuberkulose in Sachsen? Selten, aber ernst zu nehmen

Am 24. März 1882 hat Robert Koch das Tuberkulose-Bakterium entdeckt. Der Durchbruch, um die Volkskrankheit zu bekämpfen, an der damals jeder 7. Europäer starb. Seitdem hat sich viel getan. Ausgerottet ist Tbc trotzdem nicht. Der Welttuberkulosetag am 24. März erinnert an den Kampf gegen die Krankheit und das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tbc bis 2050 weltweit auszurotten.

Eine Radiologieassistentin hat eine Frau für eine Röntgenaufnahme vorbereitet.
Eine Radiologieassistentin hat eine Frau für eine Röntgenaufnahme vorbereitet. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Ein Fall mit Folgen

An einer Dresdner Berufsschule wurde im Herbst 2017 Tuberkulose festgestellt. Mit großem Aufwand gingen die Gesundheitsbehörden vor, um Ansteckungszeit und Betroffene herauszufinden: Mehr als 2.000 Kontaktpersonen wurden analysiert und untersucht, rund 3.000 Blutproben ausgewertet, um Infektionen auszuschließen. Letztlich wurden sieben aktive Tuberkulosen und 120 latente Infektionen festgestellt und behandelt. Der Fall zeigt den Aufwand, der nötig ist, um der Krankheit auf die Spur zu kommen und sie einzudämmen. Ähnliche Massentests gab es 2018 auch in Magdeburg und Schönebeck. Die Epidemiologen des Robert-Koch-Instituts urteilen über die Situation: "Tuberkulose ist zwar selten in Deutschland, die Krankheit darf aber nicht unterschätzt werden." Auch Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch mahnte, die Krankheit weiterhin ernst zu nehmen: "Diese Infektionskrankheit kommt auch in unseren hochentwickelten Ländern vor."

Was ist Tbc?

Früher nannten die Menschen die Krankheit Schwindsucht, weil Betroffene im Endstadium der Erkrankung viel Gewicht verloren. Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit. Sie wird durch Bakterien ausgelöst und über Tröpfeninfektion in der Luft übertragen. Der häufigste Erreger von Tuberkulose-Infektionen beim Menschen ist das Mycobacterium tuberculosis. Der Name stammt von den kleinen Knötchen, "Tuberkel", die das Immunsystem bildet, um Entzündungsherde einzuschließen. Die Knötchen werden bei Röntgenaufnahmen des Brustkorbs sichtbar. Bei mehr als 70 Prozent der Erkrankten ist die Lunge das betroffene Organ. Seltener können auch die Lymphknoten, Rippenfell, Harnwege oder Nieren betroffen sein.

Wie viele Menschen erkranken an Tuberkulose?

Tuberkulose gilt als tödlichste bakterielle Infektionskrankheit auf der Welt. Jedes Jahr stecken sich mehr als 10 Millionen Menschen weltweit mit Tuberkulose an. Rund 1,7 Millionen Menschen sterben daran. In Deutschland ist das Ansteckungsrisiko sehr gering. So registrierte das Robert-Koch-Institut im vergangenen Jahr 5.439 Erkrankungen. Das sind 59 Fälle weniger als 2017. Zum Vergleich: Anfang des Jahrtausends lagen die Zahlen um 30 Prozent höher. 7.684 Menschen erkrankten 2002 in Deutschland an der Lungenkrankheit. Etwa 100 Menschen sterben hierzulande pro Jahr an der Krankheit.

So haben sich die Erkrankungszahlen in Sachsen entwickelt:

Gemeldete Tuberkulose-Erkrankungen in Sachsen
Jahr Zahl der Tbc-Erkrankungen
2018 170
2017 179
2016 211
2015 207
2014 155

Wer erkrankt an Tbc?

Tuberkuloseerreger
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die WHO schätzt, dass jeder dritte Mensch auf der Welt den Erreger in sich trägt. Das RKI geht von einem Viertel der Menschheit aus. Am häufigsten von Tbc betroffen sind in Deutschland junge Erwachsene mit ausländischer Staatsangehörigkeit (vor allem Eritrea, Somalia, Afghanistan). Die Erkrankungen werden bei den gesetzlich vorgeschriebenen Screenings in Erstaufnahmeeinrichtungen festgestellt und behandelt. Deutsche Erkrankte sind häufig sozial benachteiligte Menschen, Senioren mit geschwächtem Immunsystem, Alkoholkranke und Drogenabhängige. In Großstädten und Ballungszentren ist das Risiko höher, an Tbc zu erkranken, als in ländlichen Regionen.

Woran merke ich, dass ich Tuberkulose habe?

Symptome sind länger bestehender Husten, unter Umständen mit blutigem Auswurf, Schmerzen beim Atmen, Nachtschweiß, Fieber und ungewollter Gewichtsverlust einhergehend mit unspezifischer Abgeschlagenheit.

Was passiert bei einer Infektion?

Ansteckend ist nur die offene Tbc. Eine Ansteckung geschieht nur bei einem intensiven Kontakt mit einem Erkrankten. Nach dem Infektionsschutzgesetz müssen Ärzte und Labore eine Tuberkulose den Gesundheitsämtern melden. Seit den 1960er-Jahren werden verschiedene Antibiotika verabreicht, die über einen Zeitraum von sechs Monaten regelmäßig eingenommen werden müssen, um die Mykobakterien vollständig abzutöten.
Problematisch ist, dass immer mehr Tuberkulose-Erregerstämme resistent gegen die Standardmedikamente sind. Dadurch werden Behandlungen immer schwieriger und aufwändiger.

Wie kann ich mich schützen?

Die Tipps, die zur Grippeabwehr in der Wintersaison gelten, sind auch für die Tuberkulose-Prävention:

  • Abstand zu Menschen halten, die stark husten
  • sorgfältige Hygiene und immer Hände waschen, wenn man in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war
  • vitaminreiche Ernährung, viel Schlaf und Bewegung, um das Immunsystem zu stärken

Kann ich mich auch gegen Tuberkulose impfen?

Seit den 1920er-Jahren gibt es einen Impfstoff mit einem abgeschwächten Impfstamm. Doch seit 1998 wird eine Impfung hierzulande nicht mehr empfohlen, weil das Infektionsrisiko in Deutschland bei unter 0,1 Prozent liegt. Zudem hatte der Impfstoff starke Nebenwirkungen.

Quelle: MDR/kk/RKI/Lungeninformationsdienst/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.03.2019 | 09:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 24. März 2019, 11:33 Uhr

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