Mehr Geld für regionale Kultur Mitarbeiter kommunaler Theater sollen mehr Geld bekommen

Beschäftigte an kommunalen Theater und Orchestern in Sachsen können auf bessere Bezahlung hoffen. Das Kunstministerium will in den kommenden vier Jahren 40 Millionen Euro zur Stärkung der regionalen Kultur zur Verfügung stellen. Profitieren würden davon unter anderem die Angestellten des Mittelsächsischen Theaters in Freiberg und Döbeln, des Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen und des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zittau.

Theaterhaus in Freiberg in der abendlichen Dämmerung, über dem Eingang an der Fasade ist der Schriftzug 'Die Kunst gehört dem Volke' zu lesen.
Theater Freiberg Bildrechte: René Jungnickel

Sachsen rühmt sich seiner Orchester und Theater. Die Bezahlung vieler Künstler ist aber seit Jahren oft eher mangelhaft. Der Freistaat will hier nun Nachbessern und mehr Geld in die Kulturräume stecken. Das Kabinett stimmte einer entsprechenden Vorlage des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst zu. In den kommenden vier Jahren sollen die Kulturräume insgesamt 40 Millionen Euro zusätzlich erhalten. Davon würden jedes Jahr sieben Millionen Euro in den laufenden Betrieb der kommunalen Theater und Orchester fließen und drei Millionen Euro jährlich als allgemeine Zuweisungen den Kulturräumen zukommen.

Gagen an der Schmerzgrenze

Immer wieder haben Mitarbeiter kommunaler Theater und Orchester in der Vergangenheit Gehaltskürzungen hinnehmen müssen, um das Überleben ihrer Häuser quasi mitzufinanzieren. Die Haustarifverträge sehen Gehälter vor, die sechs bis 30 Prozent unter denen des Flächentarifvertrages liegen. Die Mindestgage für einen ausgebildeten Sänger oder Schauspieler beträgt 2.000 Euro brutto laut Tarifvertrag.

Als Einstiegsgehalten für junge Künstler, die gerade von den Hochschulen kommen sei das vielleicht noch in Ordnung, sagt Hans Peter Ickrath, Geschäftsführer der Mittelsächsischen Theater und Philharmonie, nicht aber für Künstler, die schon mehrere Jahre im Geschäft sind und im wesentliche Hauptrollen spielen und große Partien singen. Doch viel mehr können kleine Theater, wie das fusionierte von Döbeln und Freiberg oder auch das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau ihren Künstlern derzeit nicht zahlen.

Weil ihnen das Geld fehlt, gelten seit Jahren Haustarifverträge. So erhalten selbst langangestellte Künstler nur wenig mehr als Einsteiger. Nun drängen die Theater auf mehr Fördergelder vom Freistaat um zum Flächentarifvertrag zurückkehren zu können. Mit der jetzigen vom Kabinett beschlossenen Vorlage, könnte aus der Forderung Realität werden.

Theater Görlitz
Theater Görlitz Bildrechte: Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau

Wegen der schwierigen Finanzlage an den Theatern in Görlitz und Zittau war 2003 entschieden worden, unabhängig vom Flächentarifvertrag zu zahlen. Parallel dazu wurden seitdem 40 Stellen abgebaut. Derzeit sind an beiden Häusern 270 Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 100 im künstlerischen Bereich. Nach Angaben des Geschäftsführers des Gerhart-Hauptmann-Theaters Görlitz-Zwickau, Caspar Sawade, wurden in dieser Zeit die Zuschüsse durch den Kulturraum für beide Häuser um 1,15 Millionen Euro gekürzt. Im Gegensatz seien die Mittel für die sächsischen Staatstheater um 50 Prozent gestiegen.

Gute Künstler laufen weg

Darsteller auf einer Bühne
Aufführung des Theaters Görlitz. Bildrechte: Marlies Kross

Die Intendanten der Theater beklagen, dass mittelfristig gute Künstler und andere Beschäftigte, die nach Haustarife bezahlt werden, den kommunalen Theatern und Orchestern den Rücken kehren. Man könne zwar talentierte Sänger, Schauspieler und Musiker direkt von den Hochschulen abwerben, so der Geschäftsführer der Mittelsächsischen Theater und Philharmonie, Hans Peter Ickrath, nach einigen Jahren Berufspraxis würden diese aber häufig in besser bezahlte Engagements wechseln. Derzeit gebe es an den Theatern bereits Personalmangel in den technischen Berufen. Konkurrenz machten hier die wesentlich besser bezahlten Jobs für Licht- und Tonmeister bei Eventagenturen.

Entscheidung steht noch aus

In Görlitz und Zittau läuft der Haustarifvertrag zum 31. Dezember 2018 aus. Dann will das Theater in den Flächentarifvertrag wechseln. Je nach Tätigkeit und Beschäftigungsdauer könnte dies ab dem 1. Januar ein paar hundert Euro brutto mehr Gehalt bedeuten. Voraussetzung ist allerdings, dass die sächsischen Landtagsabgeordneten der Vorlage des Kabinetts zustimmen.

Quelle: MDR/gg

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12.06.2018 | 06:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2018, 19:44 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

2 Kommentare

13.06.2018 14:58 Frank 2

@ 1: "dann trifft das Stück nicht den Geschmack der Besucher."
Könnte aber auch sein, es ist einfacher vorm TV bei SAT 1 Oder RTL zu sitzen. Da braucht man nicht zu denken. Im Theater schon.
Ich finde Kulturförderung gut. Raten Sie mal weshalb...?

13.06.2018 14:02 Spottdrossel 1

Das Geld sollte in die marode Infrastruktur investiert werden. Die Theaterdarsteller und anderen Künstler können sich aus den Eintrittsgeldern finanzieren. Kommt kein zahlender Zuschauer, nun dann trifft das Stück nicht den Geschmack der Besucher.