25.06.2020 | 05:12 Uhr Tourismusbranche in Sachsen sucht nach Weg aus der Corona-Krise

Die Tourismuswirtschaft in Sachsen hat unter den Corona-Beschränkungen im Frühjahr enorm gelitten. Nun versuchen die Unternehmen den Neustart, doch die Voraussetzungen sind schwierig und die Konkurrenz ist groß.

Ein Gebirgszug des Elbsandsteingebirges im Licht der aufgehenden Sonne.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rund sechs Millionen Euro Umsatzeinbußen konstatiert die Marketinggesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien. Es fehlten rund eine halbe Million Übernachtungen im ersten Halbjahr. Auch in Leipzig fehlen die Touristen. Zeichnete sich zum Beginn des Jahres noch ein neuer Rekord ab, sind die Zahlen nun ernüchternd, sagt Volker Bremer von der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LMT): "Wir hatten im Januar ein Übernachtungsplus von 13, 14 Prozent. Wir waren schon optimistisch und voller guter Dinge, dass wir 2020 die vier Millionen-Schallmauer reißen können. Doch dann kam Corona."

Ich halte in diesem Jahr eher zwei Millionen Besucher für realistisch. Wenn wir 2021 ein bisschen über zwei Millionen erreichen werden, wäre das auch schon ein gutes Ergebnis.

Volker Bremer Leipzig Tourismus und Marketing GmbH

Existenzkampf für Hoteliers und Gastronomen

Neben der Hotellerie und dem Gastgewerbe trifft es in Gebieten wie der Lausitz Einrichtungen mit Gruppenunterkünften besonders hart. Rüdiger Schaper vom KIEZ Querxenland in Seifhennersdorf erklärt:

Wir haben am 16. März die Einrichtung schließen müssen und 30.000 Stornierungen bekommen. Das entspricht einem Verlust von einer Million Euro.

Rüdiger Schaper KIEZ Querxenland

Rund 50.000 Buchungen hat die Einrichtung in einem durchschnittlichen Jahr. Klassenfahrten, Ferienlager, Landheim-Aufenthalte fallen nun weg.

Urlaub in Sachsen
Wie viele Regionen buhlt auch die Lausitz um Familien auf Urlaubssuche. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bremer: "Der Kampf um den deutschen Touristen ist immens."

Auf der Suche nach Wegen aus der Krise setzen die Leipziger Touristiker auf Werbung: Die vergangenen Wochen habe man nun intensiv an einer Strategie gefeilt, die allmählich ansteigenden Besucherströme nach Sachsen zu lenken, sagt Volker Bremer. Mit einer bundesweiten Plakataktion wolle die LMT auf Sachsen und Leipzig aufmerksam machen. Die Konkurrenz zu anderen deutschen Städten ist allerdings groß, betont der Sprecher der LMT.

Das sieht auch Olaf Franke, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien, so: "Sicherlich ist die Nachfrage an Ostsee und Alpen als Jahresurlaubsgebiete weitaus größer. Aber wir sind als kleineres Ziel insbesondere für Familien eine gute Adresse. Und wir arbeiten jetzt daran, dass wir da wahrgenommen werden." Auch Leipzig hat sich als neue Zielgruppe junge Familien ausgeguckt, die Urlaub in der Stadt verbringen, aber auch die umliegenden Seen und Naherholungsgebiete nutzen wollen.

Urlaub in Sachsen
Noch sind die Strände im Leipziger Neuseenland leer. Das soll sich mit Anbruch der Sommersaison ändern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Kompetenzzentrum des Bundes geht derzeit von einer vollständigen Erholung des deutschen Marktes im Juli 2021, beziehungsweise des internationalen Marktes im März 2023 aus. Ich glaube, dass wir im Jahr 2021 bundesweit nur auf etwa 60 bis 70 Prozent des Niveaus von 2019 kommen können.

Volker Bremer Leipzig Tourismus und Marketing GmbH

Kleinere Messen und Kongresse ab Herbst

Die Leipziger Messe wagt den Neustart im Herbst. Dann sollen Messen und Kongresse in einer Größenordnung von wenigen tausend Besuchern wieder möglich sein. Voraussetzung ist eine Onlineregistrierung, damit die Rückverfolgungsmöglichkeit gegeben ist. Auf vier Quadratmeter kommt dann eine Person, so Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe: "Wir hatten für 2020 rund 390 Veranstaltungen vorgesehen, von denen wir nur 80 durchgeführt haben. Nun hoffen wir, dass wir noch gut 100 vor uns haben. Den Rest gibt es nicht mehr."

Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe, bei einer Pressekonferenz
Martin Buhl-Wagner, Geschäftsführer der Leipziger Messe Bildrechte: dpa

Es geht letztendlich um die drei Grundregeln: Abstand, Hygiene und Registrierung. Wenn wir das einhalten, dann entsteht ein Bild.

Martin Buhl-Wagner Geschäftsführer der Leipziger Messe

Krisensichere Branche?

Der Branche bleibe nichts anderes übrig, als positiv voraus zu blicken, sagt Matthias Gillbrich, Leiter Marktforschung und Unternehmensentwicklung der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen. Er ist zuversichtlich: "Wenn man sich touristische Krisen in der Vergangenheit anschaut, weiß man, dass sie relativ schnell vergessen wurden - seien es Terroranschläge oder die Flut in Dresden 2003. Da war der Tourismus auch komplett heruntergefahren und hat sich sehr schnell erholt."

Wir befinden uns in einer Phase der Lockerung und warten alle noch auf die Belebung.

Volker Bremer Leipzig Tourismus und Marketing GmbH

Bremer: "Nicht am Kunden sparen"

Derzeit fehle aber noch das klassische Kulturangebot, sagt Volker Bremer. Die Hotels reagieren mit Preisnachlässen. Damit ließe sich aber auf Dauern kein Unternehmen finanzieren. Die Sparmaßnahmen dürfen nicht zu Lasten des Gastes fallen: "Man darf da keine Spirale in Gang setzen." Mit Sorge blickt Bremer voraus auf einen touristischen Magneten der Stadt Leipzig am Ende des Jahres: "Bisher weiß auch noch niemand, in welcher Form der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr stattfinden wird."

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 24.06.2020 | 19:00 Uhr

MDR SACHSEN | 24.06.2020 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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