12.06.2019 | 10:59 Uhr Bevölkerungszahl im Osten und Sachsen so niedrig wie 1905

Fußgängerzone Leipzig (Grimmaische Straße)
Leipzig wäre eine Millionenstadt - hätte sich die Messestadt so entwickeln können wie Großstädte in Westdeutschland. Bildrechte: IMAGO

Die Bevölkerungszahl in Ostdeutschland ist heute so niedrig wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das hat eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Dresdner Niederlassung des Münchner ifo Instituts für Wirtschaftsforschung ergeben. Zugleich lebten heute so viele Menschen auf dem Gebiet der Bundesrepublik wie niemals zuvor.

Ungleiche Entwicklung seit 1945

Die Ungleichentwicklung in Ost und West setzte laut Studie mit der deutschen Teilung infolge des Zweiten Weltkriegs ein. Zuvor hätten sich die beiden Landesteile nahezu parallel entwickelt, erklärten die Forscher in Dresden. Die Einwohnerzahlen in Ost- und Westdeutschland drifteten nahezu ungebremst auseinander, sagte Studienautor Felix Rösel.

Insbesondere die anhaltende Wucht der deutschen Teilung wird bis heute in der Öffentlichkeit völlig unterschätzt.

Felix Rösel Studienautor

Diese Wucht werde häufig übersehen und bedürfe besonderer politischer Berücksichtigung. Als Beispiel nannten die ifo-Forscher die Entwicklung der beiden größten Städte in Sachsen: Dresden und Leipzig. Sie hätten heute doppelt so viele Einwohner und wären längst Millionenstädte, wenn sie genauso gewachsen wären wie Städte im Westen. Drei Hauptursachen für den Bevölkerungsschwund im Osten zählt die Studie auf: Die Massenflucht ab 1949 bis zum Beginn des Mauerbaus 1961, keine Zuwanderung von Gastarbeitern in den 1960er und 1970er Jahren und die Abwanderung gut ausgebildeter Menschen nach dem Ende der DDR als Folge von Arbeits- und Perspektivlosigkeit.

Förderpolitik für Leuchttürme fragwürdig

Besonders der ländliche Raum im Osten sei wegen der deutschen Teilung "regelrecht ausgeblutet", betonte Rösel. Daher sei es falsch, öffentliches Fördergeld vor allem an die Großstädte zu überweisen. "Wir brauchen genau das Gegenteil und müssen den sozialen Zusammenhalt sowohl in den Städten als auch in der Fläche fördern", sagte der Forscher.

Ausführlichere Informationen zur Studie "Die Wucht der deutschen Teilung wird völlig unterschätzt" lesen Sie hier.

Quelle: MDR/kk/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 12.06.2019 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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29 Kommentare

14.06.2019 11:14 der_Silvio 29

@28 Mediator; "Zählen sie sich eigentlich auch zu diesen - wie sagten sie - EGOISTEN, denn schließlich sind sie ja auch in den Westen."
Lesen Sie eigentlich richtig?
Wenn nicht, versuchen Sie es, das hilft in einer Diskussion ungemein.
"Ansonsten erzählen sie weiter die Geschichte von dem Wundertier, dass Ossi genannt wird und das freundlicher und herzlicher als der Rest der Welt"
Wo hab ich das?
Ich hab von meinen Erfahrungen geschrieben, die ich persönlich gemacht habe.
"Für die fehlende Attraktivität des Ostens und den damit verbundenen Bevölkerungsrückgang sind wohl hauptsächlich die Regierungen und Menschen im Osten verantwortlich."
FALSCH! Für die Deindustrialisierung & Vernichtung abertausender Arbeitsplätze sind MITNICHTEN die Ossis Schuld, sondern die Regierung, die Treuhand und Geschäftsleute der alten BL, die zur 'Marktbereinigung' & um Konkurrenz loszuwerden, die noch vorhandene Industrie im Osten plattgemacht haben!

13.06.2019 22:35 Mediator an der_Silvio(26) 28

Jetzt erklären sie mir einmal, was egoistisch daran ist in den Westen zu gehen wenn man dort Arbeit findet, die es im Osten nicht gibt. Im H4 Bezug baut man den Osten ja sicher nicht auf. Zählen sie sich eigentlich auch zu diesen - wie sagten sie - EGOISTEN, denn schließlich sind sie ja auch in den Westen.

Ansonsten erzählen sie weiter die Geschichte von dem Wundertier, dass Ossi genannt wird und das freundlicher und herzlicher als der Rest der Welt ist und noch dazu zwischen den Zeilen lesen kann und alles einfach im Urin hat und auch ohne Faktenwissen einfach erspüren kann.

Für die fehlende Attraktivität des Ostens und den damit verbundenen Bevölkerungsrückgang sind wohl hauptsächlich die Regierungen und Menschen im Osten verantwortlich. Wer keine innovativen Industrieansiedlungen zustande bringt, der hat halt nur wenige hochbezahlte Industriearbeitsplätze, die das Lohnniveau einer ganzen Region anheben. Von engstirnigen Lebenskonzepten ganz zu schweigen.

13.06.2019 22:26 Dorfbewohner 27

"Fakt 25

...Wenn denen es hier alles nicht passt, hätten die damals ruhig bleiben müssen, dann würden sie noch heute in ihrer eingemauerten Spießigkeit leben und bräuchten nicht an allem und jedem rumzunörgeln! Jedenfalls 20 bis 25 Prozent der Ostdeutschen."

Eine äußerst demokratische Ansicht, 15 Millionen wieder in einer kommunistischen Altherrendiktatur einsperren, gesichert mit Stacheldraht, Minen, Selbstschussanlagen und scharfschießende Soldaten, weil "20 bis 25 Prozent der Ostdeutsche" nicht so wählen, wie Sie es für richtig halten aber dabei bewusst verschweigen, dass laut Bundestagswahlleiter bei der letzten Europawahl mindestens doppelt so viel Wähler im eigenen Landesteil ebenfalls die gleiche Wahlentscheidung trafen.

Lieber Fakt, Sie bekämpfen nicht Ihren politischen Gegner indem Sie deren Großteil, weil im eigenen Territorium lebend, einfach ignorieren...so wird kein Schuh daraus, volkstümlich gesagt.

13.06.2019 08:30 der_Silvio 26

@23 Peter W.; "Das Problem ist die massive gesellschaftliche Schieflage,die sich aus der permanenten Abwanderung vor allem jünger und gebildeter Menschen über Jahrzehnte ergeben hat. Das zeigen die jüngsten Wahlergebnisse"
Stimmt, daß so viele die Linken und Grünen gewählt haben, ist schon beängstigend.
Wenn ich sie richtig verstehe, sind die Klugen weg und nur die Dummen sind in Sachsen geblieben?!?
Von der anderen Seite betrachtet sind es die Egoisten, die nur sich selbst im Blick hatten, die in den Westen abgehauen sind, anstatt zu helfen, daß der Osten vernünftig auf die Beine kommt.
Ich hatte in den alten BL Arbeit, bin aber in die neuen BL zurück, weil die Menschen hier freundlicher und herzlicher sind.
Ich kann Frank von Bröckel in #4 nur zustimmen:
"Geld ALLEIN macht auch nicht glücklich!"

13.06.2019 00:19 Fakt 25

>>Frank von Bröckel, #13:
"Die Mauer stand damals aus dem Grunde, die Einheimischen (!!) einzusperren,"<<
--------
Ach, was Sie nicht sagen. Genau das meinte ich: Wenn denen es hier alles nicht passt, hätten die damals ruhig bleiben müssen, dann würden sie noch heute in ihrer eingemauerten Spießigkeit leben und bräuchten nicht an allem und jedem rumzunörgeln! Jedenfalls 20 bis 25 Prozent der Ostdeutschen.

12.06.2019 23:57 Mediator 24

Die Bevölkerung im Osten schrumpft und auch wenn die üblichen Fans der AfD dies nicht wahrhaben wollen, das hat MASSIVE NEGATIVE Auswirkungen auf die gesamte Region. In der üblichen naiven Schönfärberei und in überheblichem Lokalpatriotismus tun diese Herren ja so, als ob Deutschland wie eine Legehennenbatterie zu betrachten ist, bei der weniger Menschen auf gleichem Platz lediglich zu positiven Ergebnissen führen. Dumm nur, dass eine ganze Generation die "abgehauen" ist eine Generation von Alten zurück gelassen hat, dass ÖPNV, medizinische Versorgung oder schlicht das Einkaufen in immer dünner besiedelten ländlichen Räumen teuer und schwer zu realisieren ist.
Statt trotzig so zu tun, als wäre genau dies die Zukunft die man sich erträumt, sollte man sich die Realitäten einfach eingestehen und Abhilfe schaffen. So zu tun als wolle man genau das ist ungefähr so glaubhaft wie ein DDR Bürger der vor der Wende behauptete, dass er gar keine Neugierde auf Südfrüchte verspürt hat.

12.06.2019 20:53 Peter W. 23

Das Problem ist ja nicht, dass der Osten nun eine geringere Bevölkerungsdichte hat. Das Problem ist die massive gesellschaftliche Schieflage,die sich aus der permanenten Abwanderung vor allem jünger und gebildeter Menschen über Jahrzehnte ergeben hat. Das zeigen die jüngsten Wahlergebnisse genauso wie die ûberalterten und rasant aussterbenden ländlichen Regionen der neuen BL. So lange die Lebensverhältnisse und Einkommen zw. Ost und West sich nicht derart angleichen wie z.B. zwischen Nord und Süd wird sich dieser Trend weiter selbst verstärken.

12.06.2019 19:35 Historiker 22

Der Artikel hätte durch mehr Fakten angereichert werden können. Ende 1947 lebten 24,3% der Vertriebenen (Umsiedler) in der sowjetischen Besatzungszone, 17,7% in der amerikanischen, 14,5% in der britischen und nur 1% in der französischen. Besonders viele Menschen wurden in Mecklenburg-Vorpommern angesiedelt. Von 1949 bis 1990 verließen dann 3,8 Millionen Ostdeutsche die DDR, davon 480.000 legal, 400.000 kehrten aus dem Westen wieder zurück. Von 1949 bis 1989 gab es auch 500.000 Übersiedlungen von West nach Ost. Vertriebene (Umsiedler) konnten noch bis zum Ende der 50er Jahre legal in den Westen ausreisen, bei Vorlage der entsprechenden Dokumente. Ob jedoch eine dichte Besiedlung Vorteile für die Einwohner bringt, sollte hinterfragt werden. Besonders Länder mit einer sehr hohen Bevölkerungsdichte gehören zu den ärmsten. Der Wunsch nach 1 Million Einwohnern ist sicherlich auch in Leipzig gar nicht vorhanden, da bereits jetzt eine Überlastung in vielen Bereichen deutlich wird.

12.06.2019 19:14 gerd 21

Das viel zu dicht besiedelte Westdeutschland ist für mich kein Vorbild allen wird erzählt wir müssen Ressourcen sparen die Umwelt schonen den Planeten nicht so stark belasten und was passiert der Westen ist anscheinend Stolz auf seine Übervölkerung und auf sein immer mehr Wachstum und schaut bemitleidenswert auf den Osten .nein bemitleidenswert sind die Menschen die in einem solchen Wachstumsmoloch leben und arbeiten müssen ich und meine Familie leben hier im Osten gut und gern .

12.06.2019 19:12 W. Merseburger 20

Man sollte vielleicht mal darüber nachdenken, dass in der DDR nach der Wende eine unvorstellbare Deindustiealisierung mit Wegfall von eben sehr, sehr vielen Arbeitsplätzen stattgefunden hat. Zeitgleich begann die sogenannte Globalisierung, wo in manchen Regionen einfach alle Arbeitsplätze nach Asien (Südostasien) ausgelagert wurden.Dort war es deutlich profitabler und der ungehemmte Kapitalismus war in seinem Element. Natürlich hat das auch die alten Bundesländer damals betroffen; doch es war einfacher den Osten platt zu machen. Vielleicht sollten auch intelligente Politiker einmal darüber nachdenken, dass die Ursache für das andere Wählerverhalten im Osten im wirtschaftlichen Gefüge oder eben Nichtgefüge liegt.

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