14.03.2020 | 14:01 Uhr Übersicht: Das bedeuten die Schulschließungen für Eltern und Schüler in Sachsen

In einer Sondersitzung des Kabinetts hat Sachsen festgelegt, wie das öffentliche Leben in den nächsten Tagen aussieht. Das sind die wichtigsten Entscheidungen im Überblick.

Drei Kinder machen am Küchentisch gemeinsam ihre Hausaufgaben.
Ab Montag sollen Sachsens Schüler möglichst zu Hause betreut werden und lernen. Bildrechte: IMAGO

Das müssen Eltern jetzt wissen

Das Sächsische Kultusministerium will, dass Eltern ihre Kinder möglichst im häuslichen Bereich betreuen und sich darauf vorbereiten, dass ab Mitte nächster Woche eine komplette Schulschließung angeordnet werden könnte. Darüber soll in der nächsten Woche beraten werden.
Trotz Aussetzung der Schulpflicht sind die öffentlichen Schulen, auch die Berufsschulen erst einmal bis Mitte der Woche offen und die Lehrerschaft anwesend, sagte Piwarz. Die Lehrer würden Lernmaterialien für die unterrichtsfreie zusammenstellen. Auch wenn die Schulpflicht ausgesetzt sei, sei diese Zeit keine Ferienzeit für die Schüler, sondern Lernzeit, betonte Piwarz.
Auch die Kitas sollen geöffnet sein. Laut Kultusministerium ist das Ziel, nur noch etwa 20 bis 30 Prozent der Kinder in den Einrichtungen zu haben.

Was, wenn bald alle Kitas und Schulen schließen?

Sollten in Sachsen in der kommenden Woche alle Schulen und Kitas geschlossen werden, will das Kultusministerium eine flächendeckende Notbetreuung organisieren, vor allem in den Kitas und Grundschulen. Wie die aussieht, wurde noch nicht mitgeteilt. Vorbereitungen dafür laufen, hieß es dazu am Freitagabend.

Diese Notbetreuung sei vor allem für Kinder und Schüler gedacht, deren Eltern in besonderen Berufsgruppen arbeiten, die für die Daseinsvororge wichtig sind. Welche Berufe damit genau gemeint sind, will Kultusminister Christian Piwarz in den nächsten Tagen mit den Kommunen besprechen. Ministerspräsident Michael Kretschmer hatte in der Pressekonferenz bereits relevante Berufszweige für die Daseinsvorsorge genannt:

  • Pflege- und Medizinbereich
  • Polizei
  • Mitarbeiter der Wasserwerke
  • Bus- und Bahnunternehmen
  • Medienschaffende

Sachsens Eltern und Familien steht eine knapp vier Wochen lange unterrichts- und kitafreie Zeit bis nach den Osterferien bevor, die es zu organisieren gilt. Dazu sagte Kultusminister Piwarz:

Wir wissen, dass all das nicht ohne ist. Aber wir brauchen eine deutliche Reduktion der Besuche in Kindereinrichtungen, sonst haben die Maßnahmen keinen Sinn.

Wie organisieren Eltern die Betreuung? Schreiben Sie uns!

Sachsens Eltern stehen vor der Herausforderung, womöglich mehrere Wochen lang ihren Nachwuchs zu Hause zu betreuen. Am Elblandklinikum Meißen überlegen Mitarbeiter, wie sie das organisieren könnten. Laut Bericht der Sächsischen Zeitung wollen sich mehrere Eltern einer Schicht zusammentun, dass einer die Kinder betreut, damit die anderen Kolleginnen und Kollgen zur Arbeit kommen können.

Und wie wollen Sie das handhaben Sie das? Vor welchen Schwierigkeiten stehen Sie? Schreiben Sie uns bei Facebook.

Tipp der Ärzte an Eltern: "Bitte runterkühlen!"

Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischer, hat alle Eltern zur Besonnenheit aufgerufen und gebeten, ihren Kindern die Situation zu erklären. Wenn Kinder in der Öffentlichkeit vermummte Menschen oder Menschen mit Masken sähen, dann "hat das etwas Bedrohliches, was Kinderseelen belasten" könne. Kinder hätten sehr feine Antennen. "Deswegen ist es gerade für Eltern besonders wichtig, keine Panik zu zeigen, sondern gelassen zu bleiben. Bitte Normalität walten lassen und runterkühlen!"

Was ist mit Oma und Opa als Betreuungshelfer?

Opa liest Enkelkindern eine Geschichte vor.
Bildrechte: imago images / Westend61

Die Vorsitzende des deutschen Kinderpsychotherapeuten-Verbandes, Beate Leinberger, hat sich für ein "Großelternverbot" für Enkelkinder ausgesprochen: "Großeltern, insbesondere chronisch erkrankte, gehören zur Risikogruppe. Auch darüber sollte man mit seinen Kindern sprechen und erklären, warum sie für eine Zeit nicht zu Oma oder Opa gehen dürfen." Wegen der hohen Sterblichkeitsrate der über 60-Jährigen müssten Eltern dafür sorgen, dass diese geschützt würden.

Wie lange gelten die Regeln zur Schulpflichtaussetzung und für Kindereinrichtungen?

Zum Ende der Osterferien, am 17. April 2020, will das Kabinett die Situation neu bewerten.

Regeln für Prüfungstermine und Klassenfahrten

Nach Angaben des Sächsischen Kultusministeriums sind die Prüfungen an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen nach derzeitigem Stand nicht in Gefahr. Die ersten Prüfungen beginnen erst nach Ostern.

Klassenfahrten ins In- und Ausland müssen bis zum Schuljahresende abgesagt werden. Fahrten innerhalb Sachsens müssen ebenfalls bis zu den Osterferien abgesagt werden. Danach soll neu entschieden werden.

Ansagen für Veranstalter in Sachsen

Empfohlen wurde den Kommunen, dass für Veranstaltungen mit einer Teilnehmerzahl von mehr als 75 Menschen eine Anzeigepflicht gelten soll. Weiterhin sind Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern sachsenweit verboten.

Besuchereinschränkungen im Land

Alle staatlichen Theater und Museen sind bis bis zum 19. April 2020 geschlossen, hat das sächsische Kabinett festgelegt. Zum Schutz älterer und kranker Menschen sollen Besuche in Kliniken, Alten- und Pflegeheimen deutlich eingeschränkt werden.

Quelle: MDR/kk/dpa/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL 14.03.2020 | 19:00 Uhr

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