Hintergrund Wie entstehen Umfrage-Ergebnisse von Infratest dimap?

Je näher eine Wahl rückt, desto häufiger erscheinen Meinungsumfragen. Doch wer wird dafür eigentlich befragt und wie aussagekräftig sind die Ergebnisse? Hier die Antworten unseres dimap-Experten.

von Frank Aischmann, Hauptstadtstudio Berlin

Sonntagsfrage Bundestag
Bildrechte: MDR Sachsen

"Guten Tag, Gillie ist mein Name," klingt es freundlich aus dem Telefonhörer, "ich rufe im Auftrag des Forschungsinstituts Infratest dimap an." Und zwar aus dem infratest-dimap-eigenen Telefonstudio in Berlin-Treptow. Hier und auf diese Weise beginnt jeder Deutschlandtrend, jede Sonntagsfrage. "Ihre Telefonnummer wurde von einem Computer zufällig erzeugt."

Das Kunststück der Wahlforscher: Aus einer recht kleinen Zahl zufällig gefundener Befragter das Stimmungsbild der gesamten Bevölkerung hochzurechnen. Michael Kunert, Chef von Infratest dimap, erklärt: "In Deutschland hat sich als Standard etabliert, 1.000 Personen zu befragen. Die Abwägung zwischen Aufwand und Ertrag ist für normale Bevölkerungsbefragungen zu politischen Einstellungen völlig in Ordnung."

Zauberwort "Repräsentativität"

Wenn von den gut 60 Millionen Wahlberechtigten - der sogenannten Grundgesamtheit -  nur 1.000 Personen befragt werden, dann steht jeder Befragte für rund 60.000 andere. Die Aufgabe heißt also, eine repräsentative Gruppe zu finden, also einen echten Querschnitt der Bevölkerung. Das erledigen Computerprogramme, die echte und künstlich erzeugte Telefonnummern errechnen und anrufen und dann an die Interviewer im Telefonstudio weitergeben. "Wir können sehr gut per Telefon steuern, in welcher Region die Befragten leben, also zum Beispiel ein angemessener Anteil aus Brandenburg, Sachsen, Bayern, Niedersachsen und so weiter. Und auch die Mischung Stadt/Land, dass nicht alle aus Metropolen kommen oder vom platten Land, wird beachtet. Wenn das Programm etwa merkt: Aha, in den Zellen für Niedersachsen/ländliches Gebiet, da haben wir zu wenig, dann wird eben in die große Kiste der vorhandenen Nummern reingegriffen und dann angewählt", so Kunert.

Problemfall Handy

Das funktionierte auch tadellos, solange es keine Handys gab. Mobiltelefone brachten gleich mehrere Probleme: Insbesondere jüngere Menschen sind kaum noch per Festnetz zu erreichen, gleichzeitig aber sagt aber die Handynummer nichts über den Wohnort aus. Michael Kunert räumt ein: "Von daher sind Handynummern bei bundesweiten Befragungen durchaus nutzbar, bei landesweiten Befragungen wäre das mit einem immensen Aufwand verbunden, sie zu verwenden." Beim Deutschlandtrend zum Beispiel werden 70 Prozent Festnetz mit 30 Prozent Handynummern kombiniert.

Unehrlichkeit ausgleichen

Und dann? Alle Ergebnisse in eine Tabelle, Diagramme ausdrucken und fertig? Keineswegs, denn Wahlforscher haben es mit einem Phänomen zu tun, das ihnen die Arbeit erschwert und das sie gleichzeitig angreifbar macht: Man gibt Fremden am Telefon häufig "sozial erwünschte" Antworten. Oder anders gesagt: Es ist leichter anzugeben, dass man am Sonntag die Mitte, also SPD oder CDU, wählen würde, statt zum Beispiel rechtsradikale Parteien. Das führt zu Verzerrungen, denn an der Wahlurne ist jeder allein. Was das für Infratest dimap bedeutet, erklärt Michael Kunert: "Für uns ist oberstes Ziel, das was wir messen auch genau so wiederzugeben. Aber es gibt nun mal einzelne Parteien, bei denen die Messungen niedriger ausfallen als das, was am Ende tatsächlich herauskommt. Dafür haben wir Erfahrungswerte und feste Koeffizienten, mit denen wir das weiterverarbeiten."

Erfolg gibt Recht

Außerdem wird mit dem Fragenkatalog von Infratest dimap mit möglichst offenen Fragen ohne jede Wertung die politische Stimmung abgefragt. Und langfristig liegen die Wahlforscher auch ganz gut - bei plus/minus 1,5 Prozent Abweichung zum Wahlergebnis pro Partei. 

Zuletzt aktualisiert: 24. November 2016, 12:09 Uhr